Stärkere Erwärmung durch weniger Luftverschmutzung

Der Titel mag paradox klingen, ist es aber nicht.

Die Paradoxie besteht hauptsächlich darin, dass eine positive Nachricht gleichzeitig eine negative mit sich zieht. Wie kann reinere Luft zu einer stärkeren Erwärmung führen? Dies soll im folgenden Beitrag kurz erläutert werden.

Durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe (Rauch, Russ) sowie diverser anderer Ursachen (Vulkan-Eruptionen, Staub, Pollen, Wassertröpfchen etc.) entstehen winzige Teilchen, welche in der Luft schweben und sich in der Atmosphäre verteilen. Die Aerosol-Konzentration hat sich in Folge der Industrialisierung erhöht. Diese höhere Konzentration blieb nicht ohne Konsequenzen. Aerosole haben nämlich nicht nur einen Einfluss auf die Wolkenbildung, sondern halten – einfach gesagt – auch Sonnenlicht von der Erde fern. Dieses Phänomen ist unter dem Fachbegriff “Global Dimming” bekannt geworden. Der zunehmenden Aerosolkonzentration wird auch die Abkühlungs-Periode zwischen 1945-1970 zugeschrieben.

Nun deuten aber einige Studien (Mishchenko et al., 2007) der letzten Jahre und Monate darauf hin, dass die Aerosolkonzentration wieder abnimmt. Dies dürfte vor allem auf technische Fortschritte zurückzuführen sein. Durch Katalysatoren und Partikelfilter (im Automobilbereich) oder Filteranlagen (in Verbrennungsanlagen) werden heute nämlich viele Kleinstpartikel vor dem Eintritt in die Atmosphäre aufgefangen. Laut Mishchenko et al. dringen durch die Verdünnung der Aerosolschicht wieder mehr Sonnenstrahlen zur Erde und erwärmen diese zusätzlich. Auch Richard A. Kerr schrieb in einem Artikel, der 2007 im Magazin “Science” veröffentlicht wurde, dass die unerwartet starke Erwärmung der letzten Jahre durch den Aerosol-Rückgang erklärt werden könnte:

“If real, the thinning might explain the unexpectedly strong global warming of late, the accelerating loss of glacial ice, and much of rising sea levels.”

Auch lokale Auswirkungen von Aerosolen wurden schon belegt. In einer Studie (2006, Geophyiscal Research Letters) untersuchten zwei Forscher der Rutgers Universität die Entwicklung des Boden-Feuchtegehalts in der Ukraine. Die gemessenen Veränderungen konnten nicht nur mit den Veränderungen des Regenfalls und der Temperatur erklärt werden. Die beiden Autoren halten fest: 

“Our results suggest tropospheric air pollution plays an important role in land water storage at the regional scale [...]“ 

Aerosole sind also eine ernstzunehmende Einflussgrösse im Klimageschehen. Auf lokaler wie globaler Ebene. Vor rund zwei Monaten wurde im Magazin “Geophysical Research Letters” eine Studie veröffentlicht, welche für Aufruhr sorgte. So sei die Sensitivität des Klimas auf CO2 bisher deutlich überschätzt worden. Unter Klimasensitivität ist die Veränderung der Global-Temperatur bei einer Verdopplung der CO2-Konzentration gemeint. Derweil geht man von einer Erwärmung zwischen 1.5-4.5°C aus. Chylek et al. (in die Studie involviert waren auch zwei Forscher der ETH-Zürich) entdeckten nun, dass die Klimasensitivität zu hoch eingeschätzt wurde, da man die Überlagerung mit dem Aerosol-Rückgang bisher nicht berücksichtigt hatte:

“We find that the climate sensitivity is reduced by at least a factor of 2 when direct and indirect effects of decreasing aerosols are included [...]“

Diese Resultate haben eine positive und eine negative Seite. Einerseits wird die zukünftige Erwärmung bei einer Verdopplung der CO2-Konzentration vielleicht nicht gar so drastisch ausfallen, wie zunächst erwartet. Andererseits heisst dies aber auch, dass die Erwärmung der letzten Jahrzehnte eigentlich noch grösser hätte ausfallen müssen.

Wie kontrovers die Wissenschaft auch heute noch sein kann.

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