Der Mensch, ein Produkt des letzten Massensterbens?

Die Erwärmung des letzten Jahrhunderts wirkt sich bereits auf verschiedenste Ökosysteme aus. Viele Tier- und Pflanzenarten haben damit begonnen, sich den wärmeren Temperaturen anzupassen. Die Bäume beginnen früher zu blühen und Tiere wechseln ihre Aufenthaltsgebiete. Was bis anhin ganz gut funktionierte, soll mit der prognostizieren zukünftigen Erwärmung nicht mehr in Einklang zu bringen sein.

2003 wurde bekanntgegeben, dass über 12’000 von 40’000 untersuchten Spezien vom Klimawandel bedroht und in Zukunft mit dem Aussterben konfrontiert seien. Der BBC-Umweltkorrespondent schreibt in einem Artikel, dass viele Wissenschaftler die kommende Erwärmung als Ursache des sechsten Massensterbens betrachten. Laut einer Studie des Magazins „Nature“ sind bis 2050 15-35% aller Arten vom Aussterben bedroht. Und um die Dramatik noch zu perfektionieren, erklärte uns Al Gore in seinem Film „Eine unbequeme Wahrheit“, dass sich die Geschwindigkeit des Artensterbens in den letzten Jahren vertausendfacht hat. 8000 Arten sollen jährlich aussterben.

Peter Duelli beschäftigt sich als Wissenschaftler mit der Biodiversität, arbeitet an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft und ist Dozent an der Universität Basel. In seinem NZZ am Sonntag-Artikel vom 11. November 2007 zweifelt Duelli an den gängigen Prognosen. Er schreibt wörtlich:

„Ich zweifle stark, dass wir jährlich 8’000 Arten verlieren. Diese Zahl ist eine fragwürdige Hochrechnung von Aussterberaten bestimmter Artengruppen in bestimmten Lebensräumen. Man weiss aber nur von etwa 1’000 Arten, die seit dem Jahr 1600 tatsächlich weltweit ausgestorben sind.“

Eine andere kritische Stimme kommt aus Holland von A.J. van Loon, welcher heute an der „Faculty of Earth Sciences“ in Polen forscht. In einem 2003 im Journal „Earth-Science Reviews“ veröffentlichten Artikel beschreibt van Loon seine alternative – und kontroverse – Sicht der Dinge. So sei das Aussterben von Spezien vielmehr die Regel als die Ausnahme. Erst das Aussterben früherer Pflanzen und Tieren haben den jetzt verbreiteten Arten das Überleben ermöglicht. Van Loon hält es für durchaus möglich, dass die Periode des sogenannten „Late Quaternary“ (den vergangenen 700’000 Jahren) als Zeitraum eines Massensterbens betrachtet werden kann. Ausserdem ist seinem Artikel folgende Aussage zu entnehmen:

„It is an interesting thought that modern man, Homo sapiens, would most probably not have developed if there had not been a mass extinction at the Cretaceous/Tertiary boundary that created apparently optimum conditions for the further evolution of mammals.“

Erst das Artensterben vor etwa 65 Millionen Jahren soll die Entwicklung des Menschen überhaupt erst möglich gemacht haben. Solange nämlich alle ökologischen Nischen „besetzt“ sind, besteht kein Spielraum für die Entwicklung neuer Arten. Zum Schluss hält van Loon in seiner Arbeit fest, dass Bemühungen, welche auf die Rettung verschiedener Arten zielen, von einem evolutionären Standpunkt aus betrachtet kontraproduktiv sind.

Keine Menschheit ohne Massensterben? An solche kontroverse Betrachtungsweisen – aber auch objektivere Aussagen wie von P. Duelli – würde man ohne das Internet wahrscheinlich gar nie gelangen. Eigentlich schade.

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