Erwärmung und Hurrikans

Glaubt man unzähligen Zeitungsberichten, den Aussagen einiger Politiker und Fernsehberichten, werden Hurrikans immer häufiger auftreten. Im Film „Eine unbequeme Wahrheit“ sagte Al Gore beispielsweise: „Und wenn die Weltmeere wärmer werden, führt dies natürlich zu mehr Stürmen.“

Gore scheint sich der Sache also relativ sicher zu sein – die Wissenschaft auch?

Wie sehr oft entdeckt man beim genaueren Hinschauen mitunter grosse Diskrepanzen in den Resultaten wissenschaftlicher Studien. Die beiden Forscher Holland & Webster veröffentlichten 2007 eine Arbeit, in der sie zum Ergebnis kommen, dass wärmere Meeresoberflächentemperaturen (verursacht durch die Klimaerwärmung des Menschen) zu mehr Hurrikans führen. Diese Meldung war dann in verschiedensten Nachrichtenkanälen auch prompt omnipräsent. Wofür man schon mehr suchen musste, sind die folgenden beiden Studien.

Mit Blick auf die zukünftige Entwicklung von tropischen Stürmen haben drei japanische Forscher den Einfluss von wärmeren Temperaturen auf das Verhalten von tropischen Stürmen untersucht. Dabei gingen sie von einer Verdoppelung der CO2-Konzentration und einer Erwärmung von 2°C aus. Die Forscher des Forschungs-Instituts für Meteorologie in Tsukuba (Japan) schrieben in ihrer Arbeit „Influence of Greenhouse Warming on Tropical Cyclone Frequency„, die 2006 im „Journal oft the Meteorological Society of Japan“ erschienen ist, dass die Anzahl von tropischen Stürmen unter den verwendeten Rahmenbedingungen um 9.0-18.4% zurückgehen wird. Als Fazit hielten die Forscher fest:

 „The results suggest that global frequency of relatively weak TCs [Tropical Cyclones] may decrease in the future warm climate, but frequency of intense storms may either decrease or increase.“

Dabei wollten sich die drei japanischen Wissenschaftler noch nicht einmal auf das Vorzeichen des Trends von stärkeren Stürmen festlegen. Weit weg also von Al Gores „natürlich“.

Die Erkenntnisse aus Japan sind ziemlich verblüffend und trotzdem kein Einzelfall. Chinesische Wissenschaftler des Taifun-Instituts in Shanghai stellten in ihrer Untersuchung aus dem Jahr 2007 fest, dass die (durch den Klimawandel hervorgerufenen) atmosphärischen Veränderungen während den nächsten Jahren (etwa bis 2020) die Bildung von Hurrikans, Zyklonen und tropischen Stürmen begünstigen, längerfristig aber (bis etwa 2050) eher ungünstig für die Entstehung obig erwähnter Wetter-Ereignisse sind. Deshalb rechnen die Forscher mit einem Rückgang dieser Extremereignisse um etwa 5%. Die vier chinesischen Wissenschaftler schrieben dazu:

 

„It is indicated that in response to the global climate change the general circulation of atmosphere would become unfavorable for the formation of tropical cyclone as a whole and the frequency of tropical cyclones formation would likely decrease by 5% within the next half century, although more tropical cyclones would appear during a short period in it.“

Diese Studien sind übrigens weder veraltet, noch von der Öl-Lobby finanziert worden. Auch die Forscher sind angesehene Personen, deren Arbeiten in respektierten Magazinen veröffentlicht wurden. Leider scheint auch bei wissenschaftlichen Erkenntnissen die altbekannte Faustregel des Journalismus zu gelten:

Good news are bad news and bad news are good news.

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