In Zukunft weniger „Klimatote“

Mit dem Begriff „Klima“ kann in letzter Zeit so ziemlich alles verknüpft werden. Es gibt Klimaflüchtlinge, Klimakrankheiten, Klimawetten und eben auch Klimatote.

Während des ungewöhnlich warmen Sommer im Jahr 2003 wurde Europa vielerorts von lang andauernden Hitzewellen heimgesucht. Dies hatte nicht nur Auswirkungen auf die Landwirtschaft oder die Wasservorräte, sondern auch auf die Sterblichkeit der Menschen. Steigt diese in Zukunft?

Wenn die Temperaturen steigen, wird der Kreislauf des menschlichen Körpers stärker belastet. Man schwitzt mehr, sollte demnach mehr Trinken und grosse Anstrengungen versuchen zu vermeiden, da sonst die Gefahr besteht zu kollabieren. Weil es zukünftig noch wärmer werden wird, steigt die Anzahl der Hitzewellen und infolgedessen gibt es mehr Klimatote. Wirklich?

Nein. Denn in die „Kategorie“ Klimatote fallen eben nicht nur Hitzetote, sondern auch Opfer extremer Kälte. Ein Artikel der „Welt Online“ berichtete kürzlich von einer Studie, die englische Forscher im Auftrag der Regierung verfasst haben. Die Studie zeigte, dass durch die Erwärmung in den letzten Jahrzehnten nicht mehr, sondern weniger Personen auf Grund extremer Temperaturen gestorben sind.

„Die auf Hitze zurückzuführenden Todesfälle erhöhten sich im Durchschnitt trotz immer wärmerer Sommer zwischen 1971 und 2003 nicht, während die jährlichen Fälle von Kältetoten um ein Drittel sanken.“

Während dem Rekordsommer 2003 starben in England 294 Personen, 1971 waren es noch 571. Die Zahl der Kältetoten (> 65 Jahre) sank im gleichen Zeitraum von 28’147 (1974) auf 18’157 (2003). Die „Welt Online“ zitiert aus der Studie:

„Der Trend im Hinblick auf hitze- und kältebedingte Todesfälle war während der Klimaerwärmung zwischen 1971 und 2002 segensreich.“

Spinnen die Briten? Keineswegs. Auch andere Studien kamen auf ganz ähnliche Resultate. So zeigte beispielsweise eine im Jahr 2000 veröffentlichte Studie von Forschern aus England, Frankreich, Holland, Italien und Finnland, dass sich die europäische Bevölkerung sehr gut an höhere Temperaturen anpasste. In der Konklusion schrieben die Forscher:

„Populations in Europe have adjusted successfully to mean summer temperatures […] and can be expected to adjust to global warming predicted for the next half century with little sustained increase in heat related mortality.“

Die etwas ältere obige Studie ging von einer minimalen Zunahme von hitzebedingten Todesfällen aus. Doch selbst dem scheint nicht so zu sein. In der Januar-Ausgabe 2008 des „International Journal of Epidemiology“ wurde nämlich eine Untersuchung veröffentlicht, welche die Folgen der Hitzewellen 2003 und 2006 miteinander verglich. Ein ganzes Dutzend französischer Forscher berechneten anhand von Modellen, wieviele Tote es im Sommer 2006 in Frankreich hätte geben müssen, wenn die hitzebedingte Sterblichkeit (verglichen mit 2003) gleich geblieben wäre. Während die Berechnungen zeigten, dass im Zeitraum vom 11. bis zum 28. Juli 2006 6’452 Leute hätten sterben müssen, zeigte die Realität, dass „lediglich“ 2’065 Personen der Hitze erlagen. Diese Autoren interpretieren diese Resultate dahingehend, dass die Bevölkerung von Frankreich weniger empfindlich gegenüber Hitze geworden ist und Warn-Systeme sowie das Bewusstsein der Menschen sensibilisiert wurden.

Um mit den Worten einer 2006 im „International Journal of Biometeorology“ publizierten Studie zu schliessen:

„In all cases, more evidence was collected showing that cold weather was more deadly than hot weather […] „

Alle Zeichen deuten darauf, dass aussergewöhnliche Kälteperioden viel gefährlicher für die Bevölkerung in Europa sind, als extreme Hitze. Das hindert die englische Zeitung „The Guardian“ freilich nicht daran, Schlagzeilen wie die folgende zu präsentieren: „Klimaerwärmung könnte in England bald Tausende töten.“

 Ja, aber Tausende weniger.

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