Hurrikans zum Zweiten

Keine Dokumentation über die Klimaerwärmung ist komplett, ohne nicht mindestens einmal Bilder von Hurrikans gezeigt zu haben. Irgendwie ist das auch nicht weiter verwunderlich, denn die zerstörerische Wirkung von diesen aussergewöhnlichen Stürmen ist ohne Abrede eindrucksvoll.

Der Klimaexperte des Rückversicherers „Müncher Rück“ sagte in einem Interview, dass mehr und auch stärkere Hurrikans registriert werden. Stimmt das? 

Höchste Priorität hat natürlich die Frage, ob sich überhaupt ein positiver Trend in der Hurrikan-Häufigkeit erkennen lässt. Diese Frage sorgt oft für Verwirrung. Im Fokus von uns Europäern (und selbstverständlich vielmehr noch den Amerikanern) steht die Hurrikan-Aktivität des Atlantiks. Dabei wird leider viel zu schnell pauschalisiert und aus einem Trend für den Atlantik ein globaler Trend gemacht. Doch wie steht es nun mit der globalen Hurrikan-Aktivität? Hat diese zu- oder gar abgenommen?

Um diese Frage zu beantworten, untersuchte ein Team von fünf Wissenschaftlern aus den USA und Australien die Hurrikan-Aktivität aller Weltmeere. In der Studie (veröffentlicht am 28. Februar 2007, im Journal „Geophysical Research Letters“) fanden die Forscher keinen globalen Aufwärtstrend in der Hurrikan-Aktivität. Einzig im Atlantik (dessen Hurrikans nur 15% der globalen Hurrikan-Aktivität ausmachen) wurde ein positiver Trend beobachtet:

“[…] we were not able to corroborate the presence of upward trends in hurricane intensity over the past two decades in any basin other than the Atlantic. Since the Atlantic basin accounts for less than 15% of global hurricane activity, this result poses a challenge to hypotheses that directly relate globally increasing tropical SST to increases in long-term mean global hurricane intensity.“

Die Autoren vermerkten im obigen Zitat ausserdem, dass die Hypothese, nach der höhere Meeresoberflächentemperaturen zu stärkeren oder mehr Hurrikans führen, mit diesen Resultaten „herausgefordert“ würde.

Eine Studie vom Juni 2007 aus dem hochangesehenen Journal „Nature“ zeigte, dass die verhältnismässig hohe Hurrikan-Aktivität des Nordatlantiks während der Jahre 1995-2005 eine „Rückkehr in den Normalzustand“ und keineswegs ungewöhnlich ist. Die Forscher aus Schweden, Puerto Rico und den USA schrieben wörtlich:

„Furthermore, the phase of enhanced hurricane activity since 1995 is not unusual compared to other periods of high hurricane activity in the record and thus appears to represent a recovery to normal hurricane activity, rather than a direct response to increasing sea surface temperature.“

Dabei ist vor allem der Abfall der „number of major hurricanes“ von etwa 1925 beachtenswert:

 

Die Veröffentlichung dieser Studie in einem Magazin wie dem „Nature“ lässt bereits erahnen, dass die Behauptungen nicht aus der Luft gegriffen wurden. Die Resultate des internationalen Forscher-Teams stammen aus Sedimentproben von Korallen, auf Grund derer man die Hurrikan-Aktivität der vergangenen 270 Jahre rekonstruierte. Vor allem im Zeitraum zwischen 1925-1975 nahm die Hurrikan-Aktivität im Nordatlantik laut den Wissenschaftlern ständig ab. Auch diese Arbeit stellte in Frage, ob höhere Meeresoberflächentemperaturen wirklich direkt mit der Hurrikan-Intensität sowie -Aktivität verbunden sind.

Erstaunlich, was sich für Erkenntnisse sich gewinnen lassen, wenn man alle (statt nur einem) Ozeane beobachtet. Bemerkenswert, was zu Tage kommt, wenn man längere Vergleichsmassstäbe ansetzt als nur die vergangenen zwei oder drei Jahrzehnte. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens ein Teil dieser Sachlichkeit oder Objektivität auch die Sphären ausserhalb wissenschaftlicher Journale erreichen wird. Ob der „Klimaexperte“ der Müncher Rück seinen Titel wirklich verdient hat, darf angezweifelt werden.

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