Zukunftsoptimismus

Die Welt wird schlechter. Das impliziert uns jedenfalls die Medienlandschaft seit einiger Zeit. Die Klimaerwärmung ist nicht mehr zu stoppen, noch 13 Jahre, dann wird unsere Erde ein “lebensfeindlicher Feuerball” und 90% aller Naturkatastrophen sind indirekt vom Mensch verursacht.

Egal in welchem Ausmasse die Aussagen nun der Wahrheit entsprechen mögen, viele Gründe der Zukunft optimistisch entgegenzublicken, existieren augenscheinlich nicht. Irgendwie war das aber schon immer so.

Schliesslich schrieb schon der spanische Philosoph und Essayist José Ortega y Gasset (1883-1955):

“Ich höre immer Fortschritt, das ist doch nichts anderes, als dass wir unsere alten Sorgen gegen neue und noch komplizierte eintauschen.”

Dabei scheint José Ortega y Gasset keineswegs ein Problem zu beschreiben, das für eine spezifische Generation Gültigkeit besitzt. Vielmehr scheint es zeitlos in der Menschheitsgeschichte zu gelten. Während wir uns im Europa um 1900 noch um genügend Nahrung kümmern mussten, so sind diese Grundbedürfnisse nur gut 100 Jahre später weitestgehend für jeden gesichert. Das ist Fortschritt. Die alte Sorge (Nahrungsmangel) wurde dabei aber nur gegen eine neue und noch kompliziertere ausgetauscht. Das Fleisch, welches wir täglich konsumieren, trägt einen nicht unwesentlichen Teil zu den CO2-Emissionen bei. Gleiches lässt sich in vielen Facetten des alltäglichen Lebens beobachten: Früher war die Haltbarkeit und die Hygiene bei verderblichen Waren ein evidentes Problem, heute ist der Strombedarf der Kühlschränke zu gross und die Herstellung mit der Emission schädlicher Stoffe verbunden. 

Wer um 1900 prognostizieren musste, wie wir heute leben, hätte sich mit Sicherheit nie erträumen lassen, welche riesigen Fortschritte die Menschheit im letzten Jahrhundert gemacht hat. Ob uns die Probleme von heute in 100 Jahren lächerlich erscheinen werden, hängt nicht zuletzt davon ab, wie wir dem Problem der CO2-Emissionen begegnen und welche technischen Fortschritte wir in Zukunft noch machen werden.

An Wissen, Kreativität und der technischen Umsetzbarkeit mangelt es jedenfalls schon heute nicht. Dies sagt auch ein Artikels des Magazins “Science” vom Jahr 2005 aus. Pacala und Socolow schreiben, dass wir schon heute alle Technologien besitzen, die zur Lösung des Klimaproblems notwendig sind:

“Humanity already possesses the fundamental scientific, technical, and industrial know-how to solve the carbon and climate problem for the next half-century.”

Täglich erscheinen Artikel von interessanten Technologien, welche die CO2-Problematik lindern könnten. Beispielsweise die Idee, CO2 per chemischen Verfahren in Treibstoff zu verwandeln oder der (etwas optimistische) Artikel “Amerikas Weg ins solare Zeitalter”.

Mit etwas Entschlossenheit und Konsequenz dürfte sich das CO2-Problem ähnlich lösen lassen, wie die krasse Verminderung der FCKW-Gase, an die wir heute kaum noch einen Gedanken verschwenden. Vielleicht ergeht es unseren Enkel bezüglich CO2-Emissionen genau gleich. Eins bleibt sicher: Auch zukünftige Generationen sehen sich mit komplexen Problemen konfrontiert. Ziemlich sicher scheint auch, dass die zukünftigen Probleme sicher die bis anhin gravierendsten sein werden – aus der Sicht der dann lebenden Generation.

Advertisements
Veröffentlicht in Optimismus. 2 Comments »

2 Antworten to “Zukunftsoptimismus”

  1. Nils Simon Says:

    Optimismus ist schön und gut, und man ist tatsächlich gut beraten sich von keinem Umweltproblem das Leben versauen zu lassen (was einfach ist, so lange man nicht persönlich drunter leidet). Zu Deinem letzten Absatz habe ich eine Bemerkung: Ich bin sehr skeptisch, was den Vergleich zwischen dem Montrealer Protokoll zum Schutz der Ozonschicht und einem künftigen Klimaschutzabkommen angeht. Aus einem früheren Beitrag in meinem Blog:

    „Der in meinen Augen eigentliche Grund für den Erfolg von Montreal ist dabei gleichzeitig der Grund für den Misserfolg von Kyoto. Es ist das Fehlen jeglicher struktureller Veränderungen an unseren Produktions-, Konsum- und sonstigen wirtschaftlichen und sozialen Verhaltensmustern. Eine einfach auszutauschende Chemikalie verhindert ein von einer anderen Chemikalie verursachtes globales Umweltproblem – geschenkt. Der all unsere Lebensbereiche durchdringende Ausstoß von Treibhausgasen durch so verschiedene Aktivitäten wie Autofahren, Stromverbrauch, Entwaldung oder Fleischverzehr hingegen berührt nahezu jeden Bereich unserer Lebens- und Wirtschaftsweise. Wer vermutet, die letztlich überraschend günstigen Bedingungen während der politischen Verhandlungen 1987 in Montreal seien auch nur annähernd übertragbar auf den gegenwärtig laufenden Post-Kyoto-Prozess, unterschätzt gewaltig die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen und das Ausmaß der Herausforderung, welche der Klimawandel an die menschliche Gesellschaft stellt.“

    Das ist vielleicht „struktureller Pessimismus“, auch wenn ich es lieber „realistische Analyse“ nenne. Davon abgesehen, ist das irrsinnige an der Klimakrise ja gerade, dass wir alle technischen Mittel haben, um sie in den Griff zu bekommen (insofern folge ich Pacala&Socolow sowie den zahlreichen verwandten Studien, darunter auch die Zusammenfassung des IPCC Working Group III, die diesbezüglich einen gesunden Optimismus zeigen). Alleine der politische&persönliche Wille fehlen (gut, ich denke es ist dann doch ein kleines wenig komplexer, aber im Prinzip stimmts), und das ist es, was die Erderwärmung erst richtig gefährlich werden lässt.

    Um so ärgerlicher ist der Pessimismus, der hinter jeder winzigen Klimaschutzmaßnahme den Untergang der Wirtschaft oder gleich die Ökodiktatur vermutet (womit sich besonders die von Dir verlinkte Seite oekologismus.de hervortut)! Magst Du diesbezüglich dem geprisenen Optimismus nicht ein weiteres Mal mit einem Deiner Beiträge beehren?

  2. climatereview Says:

    @Nils Simon

    In der Tat ist das Kyoto-Protokoll (und vor allem dessen Nachfolger, so es sie denn geben wird) von der Wirkungsmächtigkeit nicht mit dem Montreal-Protokoll zu vergleichen. Wie Du richtig feststellst, war die Bewältigung des FCKW-Problems viel weniger komplex als bei der CO2-Problematik. Deshalb würde ich Dein Blogauszug auch eher als „realistische Analyse“ bezeichnen.

    Die Blog-Kategorie „Optimismus“ ist als eine Art Kontrapunkt zu dem weit verbreiteten Pessimismus bezüglich unserer Zukunft zu verstehen. Dass da mitunter auch eine etwas euphemistische Schreibweise vorherrschen kann, will ich nicht abstreiten.

    Des Weiteren bin ich völlig einverstanden, dass das ignorante Ablehnen jeglicher Bemühungen auf alternative Energien umzusteigen, frustrierend sein kann. Umso schöner finde ich dann, wenn ich beispielsweise sehe, wie mehr und mehr Autohersteller die Notwendigkeit von „sauberen“ Autos erkennen und diese auch produzieren. Insofern bleibt zu hoffen, dass die Energiepreise durch die Ressourcen-Verknappung anziehen werden und automatisch von fossilen Brennstoffen auf alternative Energieformen umgestiegen wird. Darüber gibt es sicherlich bald auch wieder mal einen kleinen Beitrag. Das Problem ist nur, dass ich derzeit noch einige andere Themen verfolge, die mir mindestens genauso relevant erscheinen und ich den Blog nicht mit zuvielen Beiträgen „zuspammen“ will, weshalb sich eine Warteschlange gebildet hat.


Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: