Amerikas Hurrikanschäden

Ständig liest man von dramatisch steigenden Schäden durch Naturkatastrophen.

Vor allem die Konsequenzen der verheerenden Hurrikan-Saisons 2004 und 2005 (unter anderem: Katrina) führten zu einer Sensibilisierung – auch in der Versicherungsbranche. Der Versicherer Risk Management Solutions, kurz RMS, veröffentlichte 2006  einen Bericht über die erwartete Schadenszunahme für die kommenden fünf Jahre.

An der Golfküste Amerikas sollen laut den Prognosen von RMS die Schäden um bis zu 40% ansteigen. Zurückzuführen sei dieser Anstieg auf die zunehmende Hurrikan-Aktivität.

Nach den ungewöhnlich aktiven Jahren 2004 und 2005 stieg die Hurrikan-Aktivität aber nicht weiter an, sondern verzeichnete einen starken Abschwung, wie die Untersuchungen von Ryan A. Maue (Center for Ocean-Atmospheric Prediction Studies) zeigten. Wiederum Dr. Pielke Jr. von der Universität Colorado verglich die bisherig verfügbaren Werte mit den Prognosen des Versicherers RMS. Und siehe da:

Die Schadenswerte liegen klar unter (anstatt über) dem Durchschnitt. Logisch, es sind erst zwei von fünf Jahren vorbei und das Ganze ist ein wenig sehr kurzfristig betrachtet. Liest man dan aber gleichzeitig in der Pressemitteilung des Rückversicherers Münchner Rück zum Bilanzjahr 2007 Sätze wie der folgende, wird man schon nachdenklich:

„[…] beim Zeichnen von Risiken auch nach schadensarmen Jahren wie 2006 konsequent auf risikoadäquaten Preisen zu beharren.“

In einer 2008 im Magazin „Natural Hazards“ veröffentlichten Studie passten Pielke et al. (darunter auch der Hurrikan-Spezialist C. Landsea) die Schadenssummen, welche in den USA durch Hurrikans verursacht wurden, an die sozioökonomische Entwicklung an. Dabei wurde beispielsweise berücksichtigt, dass heute mehr Personen in Küstengebieten wohnen, dort mehr Kapital gebunden ist (Häfen, Schifffahrt) und die allgemeine Wohlfahrt gestiegen ist. Die „unkorrigierte“ Version der Schadensbilanz sah dabei wie folgt aus:

Zyniker dürften einige Parallelen zum Hockey-Stick-Diagramm von MBH98 bemerken. Betrachtet man die „berichtigte“ Version aus Pielke et al.’s Paper, sieht die Sache aber plötzlich weniger dramatisch aus:

Selbst das Katastrophen-Jahr 2005 bildete – dieser neuen Studie nach – dabei nicht einmal den Höchstwert. Pielke et al. bemerkten in ihrem Artikel, dass diese Berechnung nicht vollständig oder ganz korrekt sind. Sie sind aber mit Sicherheit näher an der Wirklichkeit, als die gänzlich unkorrigierte Version, welche dem unkritischen Leser schnell ein vollkommen falsches Bild implizieren kann.

Es lohnt sich also auch hier, zweimal hinzublicken und durchaus auch quellenkritisch zu sein, wenn Veröffentlichungen von Unternehmungen stammen, die von den dargestellten Daten profitieren könnten. Ich unterstelle hiermit weder der Münchner Rück noch der RMS absichtliche Täuschung und will nochmals darauf hinweisen, dass die Studie von Pielke et al. nur die USA und nur die von Hurrikans verursachten Schäden betrachtete. Interessant wäre zu wissen, wie es in anderen Ländern und unter Einbezug aller Naturkatastrophen aussähe.

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