Australiens Naturkatastrophen

Wie gestern schon gezeigt wurde, ist der Vergleich der reinen Schadenssummen pro Jahr nicht sehr aussagekräftig. Die Daten müssen unter anderem an die Inflation, Bevölkerungsentwicklung und Wohlstandsverbesserung angepasst werden.

In der Konklusion des gestrigen Beitrages fragte ich mich, wie die Situation wohl in anderen Ländern und unter Berücksichtigung aller Naturkatastrophen aussehen mag. Dazu erschien ein interessanter Beitrag im „Australian and New Zealand Institute of Insurance and Finance Journal“.

Australien stand in der Vergangenheit oft in den Schlagzeilen, vor allem wegen der anhaltenden Dürre, die den Bauern Ernteausfälle beschehrt. In der im Juli 2007 publizierten Studie untersuchten McAneney et al. die durch Naturkatastrophen verursachten Schäden in Australien im Zeitraum 1966-2005. Auch hier implizierte die nicht angepasste Version selbstverständlich eine Schadenszunahme in den jüngsten Jahren:

McAneney et al. korrigierten wie Pielke et al. die Schaden/Jahr-Werte um diese der soziodemografischen sowie wirtschaftlichen Entwicklung anzupassen.

Die Anpassung zeigte, dass die letzten Jahre (1999-2005) sogar besonders schadensarm waren. Doch die Forscher untersuchten auch spezifische Katastrophen. Bezüglich der Hurrikan-Entwicklung war in der Studie zu lesen:

„There is no indication, that tropical cyclones are becoming more frequent or more dangerous.“

Diese Aussage wird auch gleich mit einem Diagramm, das die Anzahl Hurrikans von 1966-2005 (in 5-Jahres-Perioden gegliedert) zeigt, untermauert:

Auch hier lässt sich wiederum keine dramatische Zunahme feststellen.

Es scheint, als müsste man Aussagen gegenüber der Verbindung von Hurrikans und der Klimaerwärmung in Zukunft skeptisch gegenüberstehen. Selbst wenn Al Gore von einem „strong, new emerging consensus“ berichtet. Zu sehen, beziehungsweise zu lesen, ist davon nämlich noch nicht allzuviel.

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2 Antworten to “Australiens Naturkatastrophen”

  1. Nils Simon Says:

    Ich würde genau diese von Dir geschilderte Abnahme der Schäden vermuten, selbst wenn eine leichte Verstärkung der Tropenstürme durch den Klimawandel stattfindet. Schließlich werden jedes Jahr Millionen von Dollar in Prävention, Überwachung, Erforschung von und Warnung vor solchen Stürmen gesteckt.

    Auch mit zunehmend dichter Besiedelung an den Küsten und allgemein steigendem volkswirtschaftlichem Immobilienvermögen könnte man erwarten, dass aufgrund von Sensibilisierung, verbesserter technologischer Maßnahmen und stabilerer Bauweise die Schäden entweder abnehmen oder nicht zu nehmen. Ein gutes Beispiel ist die Nordseeküste, die mit ihren hervorragenden Deichen seit Jahrzehnten keine Sturmflutkatastrophe mehr hat erleiden müssen. Aus den gesunkenen Schadenssummen lässt sich aber kein Trend der Sturmstärke über der Nordsee herauslesen, bestenfalls könnte man sagen, wir haben uns gut (und teuer) angepasst.

    New Orleans ist ebenfalls ein gutes Beispiel, gerade weil dort die Prävention versagt hat: Wären die noch Anfang der 2000er Jahre veröffentlichten Studien ernst genommen worden, die exakt das dann eingetretene Szenario vorab beschrieben haben, und wären in der Folge die Deiche verstärkt worden, wäre die Stadt von Katrina nicht zerstört worden. In der Bilanz hätte folglich eine Abnahme der Schäden sichtbar werden müssen.

    Nun kann man Pielkes Studie nehmen und sich wundern, dass es weder eine Ab- noch eine Zunahme der Schäden gibt. Das lässt eigentlich zwei Schlüsse zu: Entweder, die gesamte Prävention bringt genau gar nichts, denn die Schäden bleiben ja offenkundig gleich, ganz egal ob man den Kurs von Hurrikanen mit Satelliten und Flugzeugen minutiös überwacht, oder wie Anfang des 20. Jahrhunderts ziemlich überrascht von ihnen wird. Oder aber die Zerstörungskraft nimmt eigentlich zu, wird aber von den Präventionsmaßnahmen wieder ausgeglichen, so dass die inflations- und wachstumsbereinigte Schadenskurve waagerecht verläuft. Wie auch immer, allzu einfache Schlussfolgerungen sollte man aus den „bereinigten“ Schadenskurven nicht ziehen.

  2. climatereview Says:

    @ Nils Simon

    Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ähnliches haben wir auch unter folgendem Link diskutiert:

    http://globaleumweltpolitik.wordpress.com/2008/02/13/bjorn-lomborg-vs-al-gore-1102fehler/#comments

    Ich bin mit Deinen Einwänden einverstanden, wobei es zu beachten gilt, dass die Studie für Australien ja tatsächlich so etwas wie eine Abnahme zeigt. Man müsste mal Regressionslinien in die Grafiken einfügen. Insofern hielte ich die letztere von dir geschilderete Möglichkeit für wahrscheinlich (also dass die Zerstörungskraft zunahm, durch die Präventionsmassnahmen aber wieder ausgeglichen wurden) – zumal der Nord-Atlantik ja laut diversen Studien eine Zunahme an Hurrikans verzeichnete.

    Auf die Unsicherheiten von Pielke et al. machte ich aufmerksam, zudem plädierte ich lediglich dafür, dass man kritisch gegenüber solchen Charts sein und ein Augenmerk darauf legen sollte, ob es sich um angepasste oder rohe Zahlen handelt.


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