Haben wir ein Sturm-Problem?

Diese Frage beschäftigt zweifelsohne viele Personen in Europa. Vor allem diejenigen, welche die Stürme Kyrill und Emma erlebten oder von ihnen betroffen waren.

Fakt ist, dass es Stürme wie Kyrill und Emma schon immer gab. Relevante Fragen sind deshalb folgende: Ist die Anzahl der Stürme derzeit ungewöhnlich? Wie hat (beziehungweise wird sich) die Klimaerwärmung auf die Sturmentwicklung Europas auswirken?

Der Versicherer Swiss Re berechnete, dass Stürme im Jahr 2085 mehr als doppelt so grosse Schäden verursachen werden, als noch 1975. Allerdings prognostizierten Versicherungskonzerne schon in den 90er-Jahren nach einer Periode, in der Anzahl der Stürme gestiegen ist, dass dieser Trend so weitergehe – und prompt brach er ab. Hie und da liest man, dass die Anzahl Stürme zugenommen hat oder noch zunehmen wird. Wobei unklar bleibt, ob von einer globalen oder lokalen Entwicklung die Rede ist.

Zu der Sturmaktivität in Europa erschien erst kürzlich eine Studie eines internationalen Forscherteams. Projektleiter war Dr. Matulla, der sich gegenüber der Zentralanstalt für Meteorologie und Geophysik in Österreich wie folgt äusserte:

„Der stattfindende Klimawandel steht ausser Frage, er ist aber in der Sturmtätigkeit noch nicht sichtbar! Seit den dreissiger Jahren findet zwar ein leichter Anstieg der Sturmtätigkeit in Zentraleuropa statt, wir liegen aber in der ganz normalen Sturmvariabilität.“

Weiter hielt Matulla fest, dass es beim Übergang vom 19. in das 20. Jahrhundert sogar stürmischer war als heute. Die Studie, bei der auch Hans von Storch mitgearbeitet hat, wurde im November 2007 im Magazin „Climate Dynamics“ veröffentlicht. Die folgende Grafik zeigt die Sturmtätigkeit Europas, gegliedert in verschiedene Zonen.

2004 wurde im Magazin „Geophysical Research Letters“ eine Studie veröffentlicht, die sich  mit der Stürmtätigkeit in Skandinavien beschäftigte. Auch in diesem Artikel stellen die Autoren fest, dass sich alles in der natürlichen Variabilität bewegt und sich kein klarer Trend erkennen lässt:

„Thus, there are no robust signs of any long-term trend in the storminess indices. Storminess is during the entire historical period remarkably stable, with no systematic change and little transient variability.“

Nicht zuletzt deshalb, weil Stürme sehr schwer zu prognostizieren sind und viele Faktoren einen Einfluss auf die Sturmbildung haben, steckt die Forschung dazu noch in einem Anfangsstadium. David Brayshaw von der University of Reading in England hielt in einer seiner wissenschaftlichen Arbeiten beispielsweise fest, dass es sehr schwer sei, natürliche Variabilität von einem anthropogenen Signal zu unterscheiden. Zudem seien Simulationen mit sehr vielen Unsicherheiten behaftet, wobei aber viele eine Abnahme der totalen Sturm-Anzahl zeigen. Allerdings widerspreche eine momentane Abnahme der Sturmtätigkeit nicht einer längerfristigen Zunahme.

Angesichts der grossen Unsicherheiten und der schwierigen Unterscheidung zwischen natürlicher Variabilität und einem anthropogenen Einfluss wäre es auf jeden Fall voreillig, von gesicherten Erkenntnissen zu sprechen. Es bleibt also interessant, was uns die Zukunft zeigen wird.

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