Antarktischer Schneefall

Viele Klimamodelle, welche nur eine moderate Abnahme oder gar eine Zunahme der antarktischen Eismassen zeigen, gehen davon aus, dass der Schneefall in der Antarktis – und vor allem im westlichen Teil – zunehmen wird.

Die Menge des Schneefalls müsste sich relativ leicht messen lassen, weshalb hierüber keine widersprüchlichen Aussagen existieren. Weit gefehlt.

Ein relativ aktueller Artikel aus dem „Science“ belegte im August 2006, dass man seit 1950 keine signifikante Veränderung des antarktischen Schneefalls ausmachen konnte. Infolgedessen zweifeln die Autoren (insgesamt 16) an den Modellen, die eine Zunahme des Antarktis-Eises voraussagten (auf einige wurde hier bereits eingegangen). Wörtlich schreiben Monaghan et al. im Abstract:

„There has been no statistically significant change in snowfall since the 1950s, indicating that Antarctic precipitation is not mitigating global sea level rise as expected, despite recent winter warming of the overlying atmosphere.“

Eine sehr deutliche Aussage also. Nichtsdestotrotz finden sich auch zu diesem Thema Studien, welche für sich in Anspruch nehmen, das Gegenteil zu behaupten. Etwa ein Jahr vor der Arbeit von Monaghan et al. publizierte wiederum das Magazin „Science“ eine Studie mit dem Titel „Snowfall-Driven Growth in East Antarctic Ice Sheet Mitigates Recent Sea Level Rise“ (zu Deutsch: Schneefall induzierte Zunahme des ost-antarktischen Eisschilds mildert Meeresspiegelerhöhung). Wobei ja schon der Titel der Arbeit impliziert, dass eine Zunahme des Schneefalls stattgefunden haben muss. Davis et al. schreiben dann auch, dass der Massengewinn der Ost-Antarktis auf eine erhöhte Niederschlagsmenge (also Schneefall) zurückzuführen sein muss:

„Comparisons with contemporaneous meteorological model snowfall estimates suggest that the gain in mass was associated with increased precipitation.“

Nun, aus quellenkritischer Sicht mag man argumentieren, dass die aktuellere Studie (also Monaghan et al.) wahrscheinlich über die genaueren Messungen verfügte und deshalb eher Recht habe. Was auch insofern auch korrekt wäre, gäbe es da nicht eine Studie aus dem Journal „Geophysical Research Letters“, welche erst kürzlich im Januar 2008 veröffentlicht wurde. Auch hier zeigte schon die Wahl der Titels, zu welchen Resultaten die Studie kam.

In ihrer Studie „A doubling in snow accumulation in the western Antarctic Peninsula since 1850“ zeigten die drei Autoren aus England und den USA, dass sich durchaus eine signifikante Zunahme im (west-)antarktischen Schneefall finden lässt:

Die Frage, ob die Ost-Antarktis und die Schneefallzunahme den Massenverlust durch das Abschmelzen der West-Antarktis (über-)kompensieren können, bleibt spannend. Ungleich klarer dürfte da sein, dass wohl auch diese Studie den Medien kaum eine Erwähnung wert sein dürfte. Was sehr schade ist, denn damit vermochte man wahrscheinlich vielen Menschen die Komplexität dieser Debatte (und deren Existenz!) vor Augen zu führen.

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