Heftig diskutiert: Zecken

Wer hat das nicht schon einmal gehört: Zecken sollen sich wegen der Klimaerwärmung viel zahlreicher vermehren. Eine unangenehme Folge davon dürfte eine starke Zunahme an FSME- oder Borreliose-Fällen sein.  

Nicht zuletzt auch Al Gore machte darauf aufmerksam, dass sich Krankheiten durch die stärkere Vermehrung ihrer Träger immer mehr ausbreiten. Auch die Zecken werden in Gores Film angesprochen.

Die „raffinierten Vampire ohne Augen und Gehör“ sollen – einigen Experten nach – in Zukunft immer häufiger vorkommen, da die Winter durch die Klimaerwärmung milder werden und die Zecken so weniger absterben. Doch nicht nur das. Gemäss einem Artikel der „Welt Online“ beissen die Zecken nun auch im Winter zu – wenn man mal davon absieht, dass Zecken gar nicht „beissen“ können, da sie weder über Zähne noch über einen Kiefer verfügen.

Wo man auch hinschaut, überall herrscht Einigkeit: Zecken werden in Zukunft häufiger vorkommen (durch die Klimaerwärmung begünstigt) und deshalb wird die Anzahl Infektionen steigen. Die Statistiken des schweizerischen Bundesamtes für Gesundheit (BAG) aus dem Jahr 2004 zeigten, dass sich die Anzahl der Erkrankungen an FSME seit etwa 1995 konsolidierte, mitunter aber starken jährlichen Schwankungen unterlegen war. Anfangs 2007 warnte das BAG dann hingegen, dass die Zahl der gemeldeten Erkrankungen stark zugenommen habe. Die genau Entwicklung der gemeldeten FSME-Erkrankungen in der Schweiz kann der folgenden Grafik entnommen werden.

Auch das BAG hielt fest, dass sich der Lebensraum der Zecken ausbreitet. So seien heute Zecken vereinzelt auch auf über 1’500 Meter über Meer zu finden, wo es früher noch keine gab. Vielleicht droht dennoch keine „FSME-Epidemie“, sondern im Gegenteil: Die Krankheit könnte ganz aus der Schweiz verschwinden. Laut einem Artikel auf „Gesundheitstipp“ (der sich auf eine Studie britischer Forscher beruft) wird es bis 2020 keine mit FSME-infizierten Zecken mehr in der Schweiz und in Südeuropa geben, da die Sommer dann zu warm seien. Bis 2080 werden laut den englischen Forschern sogar nur noch skandinavische Zecken fähig sein, Personen mit FSME zu infizieren.

Heute strahlte das Schweizer Fernsehen die aktuelle Folge der Sendung „Sprechstunde Gesundheit“ aus. Der Zeckenexperte Norbert Satz (Facharzt für Innere Medizin und Autor eines Buches über Zecken) war eingeladen und nahm Stellung zu einer neuen Meldung des BAG, nach welcher Zürich nun zum Endemiegebiet erklärt wurde. Leider verfolgte ich die Sendung nicht sehr aufmerksam, meinte aber Norbert Satz sagen hören, dass die Zahl der Zecken abnimmt, weil die Winter zu milde für die Winterstarre der Zecken, aber gleichzeitig zu kalt für deren Nahrung sind. Sobald die neue Sendung in das Archiv aufgenommen wird, werde ich diesen Beitrag updaten und allenfalls korrigieren.

Update vom 03.03.08: Es scheint, als hätte ich mich nicht verhört. Zeckenexperte N. Satz sagte (ins Hochdeutsche von mir):

„[…] der Rückgang um mehr als die Hälfte der FSME-Erkrankungen von 2006 zu 2007 ist kein Erfolg der Impfaktionen, das wäre zu schön, sondern durch den warmen Winter 2006 bedingt. Der Boden war nie gefroren und wenn der Winter warm ist, können die Zecken schlecht überleben, da sie nicht in die Winterstarre verfallen können und infolgedessen verhungern. Das ist der Grund, weshalb wir im letzten Sommer europaweit relativ wenig Zecken und damit auch weniger Zeckenstiche, FSME- und Borreliose-Fälle hatten.“

Es darf also durchaus festgehalten werden, dass auch die Gefahr der zukünftigen Zecken-Anzahl oder der FSME-Erkrankungen diskutiert wird und kein Konsens herrscht. Selbstverständlich findet man aber viel mehr Artikel unter den Schlagworten „Klimaerwärmung+Zecken“, die eine dramatische Entwicklung prophezeien, als verhältnismässig „milde“ Beiträge. Aber wen wundert das schon?

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