Berichterstattung

Wer regelmässig Tageszeitungen liest, dem wird Folgendes schon oft aufgefallen sein. Verhältnismässig unseriöse Zeitungen (Gratis- oder Boulevard-Blätter) neigen dazu, die existierende Problematik der Klimaerwärmung entweder hoffnungslos zu über- oder aber untertreiben – wobei letzteres viel seltener vorkommt.

In Tageszeitungen mit gehobenerem Niveau wird zwar oft seriöser über die Klimaerwärmung und ihre Folgen berichtet, aber von einer ausgewogenen Berichterstattung kann dennoch nur selten die Rede sein.

Dass dieses Gefühl nicht nur meiner subjektiven Wahrnehmung entspringt, bewies Roger Pielke Jr. in seinem Beitrag vom 14. Dezember 2007 mit dem Namen „A Question for the Media“.

Im Jahr 2007 wurde eine Vielzahl von Studien veröffentlicht, die sich mit den Einfluss der globalen Erwärmung auf Hurrikans beschäftigten. So erschien einerseits von den Autoren Holland & Webster im Juli 07 eine Studie mit dem Titel „Heightened tropical cyclone activity in the North Atlantic: natural variability or climate trend?“, andererseits veröffentlichte das Journal „Nature“ eine Arbeit von Vecchi & Soden mit dem Titel „Effect of remote sea surface temperature change on tropical cyclone potential intensity“. Holland & Webster besagten, dass die Klimaerwärmung einen grossen Einfluss auf die Hurrikan-Bildung hat und diese in Zukunft begünstigen wird. Vecchi & Soden sagten genau das Gegenteil:

„Our results indicate that […] the response of tropical cyclone activity to natural climate variations […] may be larger than the response to the more uniform patterns of greenhouse-gas-induced warming.“

Beide Studien wurden von krediblen Forschern verfasst und im gleichen Jahr in angesehenen Journals veröffentlicht – eine ideale Ausgangslage für einen Vergleich. Pielke recherchierte, wie oft die beiden Studien in den herkömmlichen Medien erwähnt wurden. Der Beobachtungszeitraum betrag zwei Tage, das Ergebnis überrascht in seiner Eindeutigkeit:

Über die Arbeit von Holland & Webster wurde in nur zwei Tagen 79 mal berichtet, während die Arbeit von Vecchi & Soden in der gleichen Zeit nur gerade 3 Zeitungen eine Erwähnung wert war. Andrew C. Revkin suchte auf seinem Blog „Dot Earth“ nach Erklärungsansätzen. So sei diese Einseitigkeit nicht mit den politischen Interessen des Verlegers zu begründen, sondern sei vielmehr eine tief verwurzelte Gewohnheit. „Klimaerwärmung verändert Hurrikan-Aktivität nicht“ verkauft sich als Titelstory schlicht weniger gut als das alarmierende Pendant: „Klimaerwärmung verändert Hurrikan-Aktivität.“

Was lernt uns dieser kurze Exkurs? Erstens: Zeitungsartikel können nicht wirklich als Beweis für ein Argument dienen, sondern taugen lediglich als Hinweis auf eine eben publizierte wissenschaftliche Studie. Und zweitens: Ein Konsens in den Medien heisst keineswegs, dass ein solcher auch in der Wissenschaft existiert.

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