Landwirtschaft und Klimawandel

Der Mensch stösst durch die Verbrennung fossiler Energien CO2 aus. CO2 ist ein Treibhausgas. CO2 erwärmt folglich die Erde.

Bis anhin alles bekannt. Auf viel mehr Skepsis in den Augen eines Gesprächspartners trifft man hingegen, wenn der Einfluss der Landwirtschaft auf das (lokale) Klima angesprochen wird. Was hat es damit auf sich?

Kürzlich verlinkte Roger Pielke Sr. auf seinem Blog „Climate Science“ auf eine Präsentation zu diesem Thema. Die Präsentation (ist über 20 Megabyte gross, deshalb ein wenig Geduld, falls sich der Link etwas Zeit mit dem Seitenaufbau genehmigt) wurde von Professor Jon Foley an einer Tagung der NASA vorgetragen.

Jon Foley erwähnte in seiner Präsentation beispielsweise, dass sich heute ~40% der globalen Photosynthese in menschlicher Hand befinde. Die „Verlandwirtschaftlichung“ vieler Landflächen trägt zudem einen erheblichen Teil dazu bei, dass viele Tierarten in ihrer Existenz bedroht sind, da Lebensraum fehlt – was oft vergessen geht. Hier wird die Schuld immer häufiger in der Klimaerwärmung gesucht. Weiter hielt Foley fest, dass mindestens ein Drittel aller anthropogenen CO2-Emissionen aus der landwirtschaftlichen Bodennutzung und Entwaldung stammen. Doch nicht nur der Aspekt der Treibhausgas-Emission durch die Landwirtschaft ist relevant. Foley sagt ausserdem:

„effects on physical climate also large:

– regional scale, but still important

– often gets „washed out“ in outdated climate metrics of radiative forcing and global mean temperature“

Als „bottom line“ vermerkte Foley, dass die immer stärkere Fokussierung auf CO2 in Anbetracht der Auswirkungen der globalen Landwirtschaft sehr kurzfristig ist.

Oft ist vielen Leuten gar nicht bewusst, was für einen grossen Einfluss das Material der Landfläche (Bäume, Wiese, Beton o.Ä.) auf die lokale Temperatur hat. Die Beeinflussung und Veränderung der natürlichen Rückstrahlungseigenschaften (Albedo) verändert aber nicht nur die Temperatur, sondern hat auch einen Einfluss auf das lokale Klima, da beispielweise der Wasserkreislauf beeinträchtigt wird. Höchste Zeit also, dass man sich das vor Augen führt.

Advertisements
Veröffentlicht in Land Use Change. 2 Comments »

2 Antworten to “Landwirtschaft und Klimawandel”

  1. Nils Simon Says:

    „Die “Verlandwirtschaftlichung” vieler Landflächen trägt zudem einen erheblichen Teil dazu bei, dass viele Tierarten in ihrer Existenz bedroht sind, da Lebensraum fehlt – was oft vergessen geht. Hier wird die Schuld immer häufiger in der Klimaerwärmung gesucht.“

    So weit ich weiß, sind die Auswirkungen industrieller Landwirtschaft auf Artenvielfalt etc. schon sehr lange bekannt. Weil der Klimawandel in den Medien gerade Konjunktur hat, heißt das noch lange nicht dass in den Agrarwissenschaften auf einmal lange Bekanntes vergessen wird. Für Einsteiger aus dem Wikipedia-Artikel zur ökologischen Landwirtschaft:

    „Artenvielfalt: beim ökologischen Landbau zwei- bis sechsfach höhere Anzahl an Ackerwildkräuter-Arten (durch Wegfall der chemisch-synthetischen Pestizide, durch vielfältigere Fruchtfolge, durch Wegfall leicht löslicher Kunstdünger); auch bei der Ackerfauna wurden höhere Zahlen gemessen. Bei Grünlandflora weisen ökologisch bewirtschaftete Flächen um 25 Prozent höhere Artenzahlen auf, bei Grünlandfauna sind aufgrund des größeren Blütenangebots ebenso höhere Zahlen zu verzeichnen (aber auch im Öko-Landbau abhängig von Intensität und Zeitpunkt der Nutzung). Die Kulturartenvielfalt ist im ökologischen Landbau ebenfalls höher, auch sind die dort gehaltenen Tiere robuster.“

    Mit sehr viel mehr Hintergrund gibt es das ganze auch in zwei aktuellen Ausgaben der Philosophical Transactions of the Royal Society B, und zwar unter dem Titel Sustainable Agriculture I und Sustainable Agriculture II

    Ebenfalls sehr lesenswert ist die 2006 erschienene FAO-Studie „Livestock’s Long Shadow“, die eine Fülle von Daten zu den Umweltauswirkungen der Viehwirtschaft enthält (darunter auch, aber bei weitem nicht nur der damit verbundene Ausstoß von Treibhausgasen).

    Zu guter Letzt hat auch UNEP das Thema nicht zu Gunsten des Klimawandels von seiner Agenda verdrängt. Beleg dafür ist unter anderem der hervorragende „Atlas of our Changing Environment“, über den ich in meinem Blog auch schon kurz berichtet habe.

    Das sind eine Menge guter Argumente für eine fleischarme oder gleich vegetarische Ernährung aus Bioanbau und regionaler Landwirtschaft.

  2. climatereview Says:

    @Nils Simon

    Erneut herzlichen Dank für Deinen hervorragenden Input und die interessanten Links.

    Dass die Artenvielfalt durch die industrielle Landnutzung arg leidet, ist wirklich schon seit geraumer Zeit bekannt. Ich wollte mit der entsprechenden Beitragszeile nicht andeuten, dass die Agrarwissenschaftler ihre Erkenntnisse plötzlich vergesssen haben. Aber die sehr starke Fokussierung auf die Klimaerwärmung lässt die Problematik, welche durch die Landnutzung entsteht, ein wenig ins Hintertreffen geraten. Zumal ich die zunehmend verschwindenden Lebensräume für das grösste Problem halte.

    Einen schönen Nachmittag wünsche ich.


Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: