Sommer 2003

Der Hitzesommer 2003 galt und gilt noch heute als Vorbote der Klimaerwärmung. Die Temperaturen waren zu hoch und es mangelte an Niederschlag, was viele Regionen in Europa vor grosse Probleme stellte.

Die hohen Temperaturanomalien lösten auch in der Forschungsgemeinschaft Interesse aus. Was sagt die wissenschaftliche Literatur über den Sommer 2003?

Dass der Sommer 2003 aussergewöhnlich warm war, bestreitet niemand. Fünf Schweizer Forscher veröffentlichten im März 2004 eine Studie im Magazin „Science“. Dort wurde der Sommer 03 als der mit Abstand heisseste seit mindestens 1500 n. Chr. bezeichnet. Wie die folgende Grafik zeigt, waren die extremen Temperatur-Anomalien von bis zu +10°C weitestgehend auf Zentral-Europa beschränkt. In Teilen von Spanien, Portugal, Italien, England und Ost-Europa war es sogar eher kälter als normal.

Viele Leute interessiert die Frage, ob diese aussergewöhnliche Hitze eine Folge des vom Menschen verursachten Klimawandels sei. Diese Frage ist grundsätzlich schlecht gestellt, denn solche Extremereignisse können durchaus auch ganz von alleine zustandekommen. Weil dem so ist, suchten drei britische Forscher nach Wahrscheinlichkeitswerten, inwiefern die Klimaerwärmung die Bildung eines solchen Hitzesommers begünstigte. Die Arbeit wurde 2004 im Magazin „Nature“ veröffentlicht und berichtete von einer >90% Gewissheit, dass menschlicher Einfluss die Wahrscheinlichkeit zur Bildung solcher Hitzewellen mindestens verdoppelt habe.

Schär et al. (Nature, 2004) hielten fest, dass ein Sommer, wie derjenige im Jahr 2003, statistisch gesehen ein extrem aussergewöhnliches Ereignis ist. Und zwar auch dann, wenn man die Erwärmung des letzten Jahrhunderts berücksichtigt:

„We find that an event like that of summer 2003 is statistically extremely unlikely, even when the observed warming is taken into account.“

Wiederum ist zu erkennen: Die Wissenschaft äusserte sich objektiv und zurückhaltend, aber keineswegs verharmlosend oder gar exkulpierend für den Menschen. Und was schreibt die Zeitschrift „Stern“? Genau: „Mega-Sommer 2003 war menschengemacht“.

2006 veröffentlichte das Journal „Geophysical Research Letters“ eine Studie von Chase et al., in welcher die Forscher zum Schluss kommen, dass natürliche Ereignisse und deren Variabilität wie El Niño oder Vulkan-Ausbrüche einen weitaus grösseren Einfluss auf Hitzewellen haben, als ein (mehr oder weniger) linearer Anstieg der Durchschnittstemperatur:

„Natural variability in the form of El Niño and volcanic eruptions appear to be of much greater importance in causing extreme regional temperature anomalies than a simple upward trend in time.“

Und weiter:

„Regression analyses do not provide strong support for the idea that regional heat waves are increasing with time.“

Die Analyse für den Zeitraum 1979-2003 zeigt also – nache Chase et al. – keine starke Hinweise dafür, dass Hitzewellen in ihrer Anzahl zugenommen haben. Was natürlich keineswegs Studien widerspricht, die häufigere Extremereignisse für die Zukunft voraussagen.  

Der Sommer 2003 war also sehr wahrscheinlich der wärmste seit 500 Jahren und insgesamt ein sehr unwahrscheinliches Ereignis. Eine schöne Schlussfolgerung. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob solche Sommer wie 2003 bald „Standard“ sein werden.

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