Mehr Hitze, weniger Opfer

Schon einmal hat Climate Review darauf aufmerksam gemacht, dass die Gleichung „wärmere Temperaturen = mehr Hitzetote“ nicht zwingend aufgehen muss.

Bei dem Aufrufen einiger Studien aus dem ersten Beitrag fand ich weitere kontroverse Arbeiten, welche eine Erwähnung wert sind.

So wurde 2001 im „Bulletin of the American Meteorological Society“ eine Arbeit veröffentlicht, welche die Opfer zweier Hitzewellen miteinander verglich. 1995 wie 1999 wurden Teile Amerikas von Hitzewellen heimgesucht. Drei Autoren des Midwestern Regional Climate Center untersuchten die Auswirkungen beider Hitzewellen auf die Sterblichkeitsrate in den Städten Chicago sowie St. Louis. Wie schon der erste Beitrag auf Climate Review zeigte, sank die Empfindlichkeit gegenüber extremer Hitze auch in den beiden untersuchten Städten. Die Autoren schrieben:

„An examination of heat wave response in both Chicago and St. Louis leads to the conclusion that both cities were quite effective at mitigating their respective heat wave mortality rates […].“

Während 1995 in Chicago nämlich noch circa 700 Personen den Folgen der extremen Wärme erlagen, waren es 1999 nur noch 114. Die Autoren vermerkten, dass dieser grosse Unterschied kaum mit den minimalen meteorologischen Abweichungen zwischen den beiden Hitzewellen erklärt werden kann.

Die zweite erwähnenswerte Studie wurde von einigen Autoren verfasst, welche als bekannte „Skeptiker“ bezeichnet werden können. Aber angesichts der Tatsache, dass ihre Studie im Magazin „Environmental Health Perspectives“ (mit einem Impact-Factor von 5.86 im Bereich „Environmental Science“) veröffentlicht wurde, kann man meiner Ansicht nach durchaus von einer wissenschaftlich korrekten Arbeit sprechen, welche entsprechenden Kriterien erfüllte.

Die Resultate der Arbeit zeigten, dass während dem Zeitraum 1964-1998 in 19 von 28 untersuchten Städten – trotz einer Zunahme der Temperaturen – die Anzahl von Hitzetoten sank:

„Heat-related mortality rates declined significantly over time in 19 of the 28 cities.“

Laut den vier Autoren sei der Rückgang der Hitzetoten mit einer Reihe von technischen, infrastrukturellen und biophysischen Anpassungen zu erklären. Alles in allem gebe es keinen Hinweis für eine simple Korrelation zwischen der Anzahl oder Intensität von Hitzewellen und deren „Opfer“.

Freilich ist von diesen Erkenntnissen in den üblichen Informationskanälen sehr wenig zu lesen. Risse im Konsens sind bekanntlich unbequem, würden diese doch eine differenziertere Sichtweise erfordern.

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