Böses Amerika

Gerne wird impliziert, dass die Vereinigten Staaten von Amerika rein gar nichts für den Umweltschutz tun. Zugegeben, die derzeitige Administration tut nicht sehr viel, um diesem Bild entgegenzuwirken – nichtsdestotrotz steht Amerika in einem nicht ganz so schlechten Licht da, wie man vielleicht annehmen mag.

Abgesehen von den Interventionen des Gouverneurs Schwarzenegger in „seinem“ Staat Kalifornien, hört man nur sehr wenig Positives aus den USA.

Dabei geht anscheinend oft vergessen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika föderalistisch aufgebaut sind und die Mehrheit der administrativen Anliegen den Regierungen der einzelnen Bundesstaaten obliegen. Deshalb kann auch Kalifornien eine sehr fortschrittliche Umweltpolitik verfolgen, während sich das Land als solches weiterhin weigert, verpflichtende Umweltschutz-Abkommen wie das Kyoto-Protokoll zu ratifizieren.

Simon Donner ist Professor im Geographie Departement der University of British Columbia und verfasst regelmässig Beiträge auf seinem Blog „maribo„. Unter anderem kreierte er eine Grafik, die laufend aktualisiert wird und anzeigt, welche Bundesstaaten der USA einer langfristigen CO2-Emissionsreduktion zugestimmt haben – ganz ohne „Druck von oben“. Dabei zeigt sich erwartungsgemäss, dass die Öl-reichen Südstaaten solchen Bestrebungen verhalten gegenüberstehen, während sich weitestgehend alle Bundesstaaten des Nordens für eine Reduktion ausgesprochen haben.

Oft bleibt auch unbemerkt, dass sich Hybrid-Autos in den USA sehr viel besser verkaufen, als beispielsweise in Deutschland. Denn während in Deutschland 1999 bis anfangs 2007 gerade mal 9’700 Hybrid-Automobile verkauft wurden, waren es in den USA satte 440’000. Selbst wenn man die grössere Bevölkerung der USA berücksichtigt, ist dies dennoch ein grosser Unterschied. Grund dafür sind vor allem strengere Umweltauflagen für den mobilen Individualverkehr, staatliche Unterstützungsprogramme, die anziehenden Benzinpreise und auch das grösser werdende Umweltbewusstsein der amerikanischen Bevölkerung.

Doch auch die Wirtschaft war (teilweise zumindest) erfolgreich, wenn es um die Reduktion von Schadstoffen ging. Professor Levinson von der Georgetown University zeigte in einem seiner Artikel, dass das Output der US-Wirtschaft in den Jahren zwischen 1972 und 2001 um 71% zugenommen und die Emission von Gasen wie CO2, NO2 etc. gleichzeitig um 58% abgenommen hat. Dieser Rückgang kann teilweise (aber nicht in seiner Mehrheit) mit dem Outsourcen von emissionsintensiver Output-Erzeugung erklärt werden. Über die Hälfte des Emissionrückgangs ist – laut Levinson – mit der Einführung modernerer Technologie zu erklären.

Natürlich beinhaltet diese Grafik nicht den CO2-Ausstoss, denn dieser hat während den vergangenen Jahrzehnten zweifelsohne zugenommen.

Dieser Beitrag soll nicht als Exkulpation eines der emissionsstärksten Länder dienen, sondern lediglich aufzeigen, dass auch jenseits des Atlantiks durchaus Bemühungen gemacht werden, dem ungehemmten CO2-Ausstoss entgegenzuwirken. Davon erfährt man nämlich sehr wenig, wenn man in die üblichen Medien schaut. Durchaus Grund also, der Zukunft etwas optimistischer entgegenzublicken – selbst wenn man die bald anstehenden Wahlen in Amerika ausblendet.

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