Biokraftstoffe wirklich nachhaltiger?

Über Biokraftstoffe lässt sich hervorragend streiten. Die eine Gruppe ist fasziniert von der Idee, den Energiehunger unserer Autos in Zukunft mit nachwachsenden Rohstoffen zu sättigen, die andere Gruppe ist besorgt über die zahlreichen Konsequenzen, welche vom exzessiven Pflanzenanbau ausgehen.

Während viel Kritik nicht zuletzt auch von Umweltverbänden stammt, entdeckte man nun weitere Hinweise auf die Schädlichkeit von Biokraftstoffen.

An Biokraftstoffen wird oft bemängelt, dass die steigende Nachfrage nur durch zusätzliche Felder gestillt werden kann. Die zusätzlichen Felder werden oft durch die Abholzung oder gar dem Abbrennen von Wäldern gewonnen. Dies emittiert selbstverständlich wiederum CO2, welches man ja unter anderem zu vermeiden versucht. Auch der extrem hohe Wasserverbrauch, welchen man für die Herstellung von Biokraftstoffen benötigt, wird kritisiert. So braucht man zur Herstellung von einem Liter Biosprit 3’500 Liter Wasser. Da man ohnehin davon ausgeht, dass die Zukunft von Wasserknappheit geprägt sein wird, also ein sehr heikler Punkt. Viele Fachpersonen halten es zudem für unethisch, wenn sich die reichen Industrienationen per Biosprit ein gutes Umweltgewissen erkaufen wollen, während dem noch immer viele Menschen an Unterernährung leiden. Solange Menschen verhungern, ist (nach Meinung von Ziegler und seinen Kollegen) das „Missbrauchen“ von Nahrung als Automobil-Kraftstoff sehr fragwürdig.

Entgegen diesen Einwänden hat sich die EU aus Umweltschutz-Gründen zum Ziel gesetzt, den Biokraftstoff-Anteil bis 2020 auf 10% zu steigern.

Eine neue Studie (Searchinger et al., 2008, Science) hat jetzt gezeigt, dass Biokraftstoffe auch die CO2-Emissionen in die Höhe treiben könnten. Neun amerikanische Forscher berücksichtigten nämlich erstmals den Aspekt, dass Farmer zusätzliches Grasland in Äcker transformieren werden müssen, um die Fläche, welche nun für den Anbau von Biokraftstoff-Pflanzen benötigt wird, zu kompensieren. Bisherige Modelle gingen von einem 20%-Rückgang der CO2-Emissionen, falls in Zukunft auf Biokraftstoffe gesetzt werde. Die Arbeit von Searchinger et al. zeigte nun das glatte Gegenteil:

„Biofuels from switchgrass, if grown on U.S. corn lands, increase emissions by 50%.“

Deshalb raten Searchinger und seine Kollegen amerikanischen Farmern auch, keine zusätzlichen Felder zur Gewinnung von Biokraftstoffen zu bewirtschaften.

„Use of good cropland to expand biofuels will probably exacerbate global warming in a manner similar to directly converting forest and grasslands. As a corollary, when farmers use today’s good cropland to produce food, they help to avert GHGs from land-use change.“

Auch die Gewinnung von Ethanol aus Zuckerrüben wird kritisch betrachtet. Falls die Zuckerrüben auf ehemaligen Grasfeldern angebaut würden, so könnte die CO2-Bilanz schon nach nur vier Jahren ausgeglichen sein. Werde hingegen auf ehemaligen Waldgebiet angebaut, verlängere sich die Zeit bis zu einer neutralen Bilanz auf bis zu 45 Jahren.

Es scheint, als gäbe es nur zwei wirklich langfristige Lösungen: Entweder Autos mit weniger Benzinverbrauch zu bauen. Oder weg vom herkömmlichen Verbrennungsmotor zu kommen.

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