Variabilität im europäischen Niederschlag

Im Sommer 2007 machten, wie schon in praktisch allen Sommern seit 2000, erneut viele Schlagzeilen die Runde, welche aussergewöhnliche Regenfälle in Europa beklagen. Dem Magazin „Focus“ nach, lit Europa unter Hitze und Fluten, ordnete den Artikel aber richtigerweise in die Rubrik „Wetter“ ein.

Nachdem Climate Review zeigte, dass die Niederschläge 2007 in England keinen Zusammenhang mit der Klimaerwärmung hatten, wollen wir unser Augenmerk auch anderen Regionen Europas widmen.

Bulgarien liegt im Osten von Europa, also an einem vollkommen anderen Ort als England, welches im vorigen Beitrag angesprochen wurde. V. Alexandrov und M. Genev vom bulgarischen National Institute of Meteorology and Hydrology untersuchten die Veränderungen des Niederschlags zwischen 1900 und 2000. Die Studie wurde 2003 im Magazin „European Water“ veröffentlicht und stellte keine Zunahme im Regenfall fest. Das Resultat hinterlässt einen Beigeschmack: Einerseits findet die These von sintflutartigen Regenfällen keinen Anklang, andererseits ist aber auch eine Abnahme vom Regenfall (beispielsweise für die Landwirtschaft) problematisch. Folgend ist die zentrale Grafik der Studie gezeigt – kein Trend, sondern nur eine grosse natürliche Variabilität lässt sich zu entdecken.

 

Allerdings ist die Erwärmung in Bulgarien geringer als in anderen Teilen Europas. In der Studie fallen folgende Worte:

„Generally, there is no significant overall trend of mean annual air temperature in Bulgaria for the 20th century.“

Nach dem Ausflug in den Osten Europas wollen wir nun auch noch einen Blick auf Zentraleuropa werfen. Ein Team von vier führenden Schweizer Forschern und ein Kollege aus Österreich untersuchten die Entwicklung des Niederschlags seit 1500 n. Chr. in den zentralen Alpen. Die Arbeit wurde 2005 im „International Journal of Climatology“ publiziert. Auch diese Studie fand keinen Trend im Niederschlag:

„The Alpine precipitation time series do not indicate significant trends. The expected increase in precipitation as a resulft of increased temperatures for the warm period at the end of the twentieth century (IPCC, 2001) is not revealed for the Alps.“

Die verfügbaren Proxy-Daten der Zentralalpen unterstützten die IPCC-Prognosen also nicht. Die Studie offenbarte lang- wie kurzfristig grosse Schwankungen.

 

Casty et al. zeigten auch, dass der Niederschlag zu grossen Teilen von der Nordatlantische Oszillation beeinflusst wird.

Kurze Konklusion: Empirische Daten belegen, dass in Europa kein langfristiger Trend im Niederschlag existiert – zumindest in Bulgarien, England und den Zentralalpen. Ein nächster Beitrag wird die längerfristige europäische Flut-Entwicklung erörtern und zeigen, ob die Katastrophen-Meldungen jüngster Zeit unbestritten sind.

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Veröffentlicht in Regenfälle & Fluten. 2 Comments »

2 Antworten to “Variabilität im europäischen Niederschlag”

  1. Nils Simon Says:

    Aus dem Bericht der WG II des IPCC 4AR, chapter 12, „Europe“:

    „The 1990s were the warmest in the instrumental record. Precipitation trends in the 20th century showed an increase in northern Europe (10 to 40%) and a decrease in southern Europe (up to 20% in some parts). The latest data reported in this assessment have confirmed these trends. […] Precipitation trends are more spatially variable. Mean winter precipitation is increasing in most of Atlantic and northern Europe (Klein Tank et al., 2002). In the Mediterranean area, yearly precipitation trends are negative in the east, while they are non-significant in the west (Norrant and Douguédroit, 2006). An increase in mean precipitation per wet day is observed in most parts of the continent, even in some areas which are becoming drier (Frich et al., 2002; Klein Tank et al., 2002; Alexander et al., 2006). Some of the European systems and sectors have shown particular sensitivity to recent trends in temperature and (to a lesser extent) precipitation.“

    Das hört sich dann doch etwas anders an als hier dargestellt. Da habe ich aufgrund dieser scheinbar widersprüchlichen Informationen noch einmal weiter herumgesucht und bin auf das European Climate Assessment gestoßen. Dort kann man sich auf einer Europakarte Niederschlagstrends zwischen 1946 und 2006 anschauen. Siehe da: England und Bulgarien zeigen keinen Trend auf – Teile der Nordseeküste, das Baltikum, Frankreich, Spanien, Russland und Irland aber sehr wohl. Betrachtet man den Trend von 1976 bis 2006, erkennt man schnell die deutlich verbesserte Datenlage. Man sieht auch, dass Bulgarien mal wieder trendlos ist, und wenn man etwas an England heranzoomt sieht man, dass dort die meisten Gegenden keinen erkennbaren Trend aufweisen – im Gegensatz zu den Küsten Irlands, zur Nordseeküste Belgiens und der Niederlande, zu Norditalien und zu Teilen Skanidnaviens. Mein Fazit: Bulgarien und England herauszupicken ist alles andere als glücklich, wenn man „kritisch“ die Klimadiskussion kommentieren will (die Zentralalpen habe ich mir hier mal aus Zeitgründen gespart).

  2. climatereview Says:

    @Nils Simon

    Vielen Dank für deinen Beitrag. Darf ich dich als eine Art persönlicher Peer-Review ansehen? 😉

    Deinen Einwänden widerspreche ich nicht, wobei angemerkt werden sollte, dass sich Alexandrov & Genev auf den IPCC Bericht 2001 berufen. Inwiefern sich dieser vom 4AR unterscheidet, kann ich aber nicht beurteilen, da ich nur den aktuellsten kenne. Die von dir verlinkte interaktive Karte ist toll. Aber wenn ich nun das Datenset 1979-2006 wähle, sehe ich fast nur grüne Punkte, die in der Legende rechts mit „n.s. at 25%“ bezeichnet werden. Gehe ich richtig in der Annahme, dass diese Bezeichnung für „keine signifikante Veränderung“ (des Regenfalls) steht? Allerdings hätte dann praktisch überall keine Veränderung stattgefunden – was selbst mich überraschen würde.


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