Gedämpfte Meeresspiegelerhöhung

In einem der bisher ausführlichsten Beiträge machte Climate Review darauf aufmerksam, wie kontrovers die Meeresspiegelerhöhungsrate diskutiert wird. Selbstverständlich auf höchst wissenschaftlicher Ebene.

Gestern wurde eine Studie im Magazin „Science“ veröffentlicht, welche interessante neue Erkenntnisse liefern kann.

Drei Forscher vom taiwanesischen College of Earth Sciences spielten erstmals mit dem Gedanken, dass der während Jahrzehnten zunehmende Bau von Stauseen einen Einfluss auf die Erhöhungsrate des Meeresspiegels gehabt haben könnte. Vor allem im Zeitraum 1950-1990 hatte die Anzahl von Stauseen in einem bemerkenswerten Tempo zugelegt. Der Lead-Author Chao und seine Kollegen erstellten eine Liste, die 29’484 künstliche Stauseen enthält. In diesen sollen sich insgesamt etwa 10’800 Kubikilometer Wasser befinden, welches normalerweise – in Teilen zumindest – in die Ozeane hätte fliessen müssen. Chao et al. schätzen, dass dieses Zurückhalten des Wassers die Meeresspiegelerhöhungsrate um etwa 0.9mm pro Jahr reduziert hat.

Die Erkenntnisse von Chao et al. könnten damit auch die Resultate von S. J. Holgate erklären. Dieser veröffentlichte nämlich 2007 eine Arbeit, in welcher er nachweiste, dass die Meeresspiegel in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stärker anstiegen, als in der zweiten Hälfte.

 

Wörtlich stellte Holgate fest:

„The rate of sea level change was found to be larger in the early part of last century (2.03 ± 0.35 mm/yr 1904–1953), in comparison with the latter part (1.45 ± 0.34 mm/yr 1954–2003).“

Damit dürften sich die Werte mehr oder weniger mit denjenigen von Chao et al. decken. Die drei Wissenschaftler erstellten nämlich ein Modell, welches die jährliche Meeresspiegelerhöhung berechnete und dabei den Faktor „Stauseen“ berücksichtigte. Als Resultat hielten Chao und seine Kollegen fest:

„The reconstructed GSL [global sea level] history accounting for the impact of reservoirs (by adding back the impounded water volume) shows an essentially constant rate of rise at +2.46 mm/yr over at least the last 80 years […].“

Damit liegt die Erhöhung von Chao et al. zwar knapp nicht mehr in den Fehlerbandbreiten von Holgates „1904-1953“-Wert, aber gross ist die Diskrepanz nicht.

Es mag sein, dass sich nun einige Leser fragen, was ein solcher Beitrag auf Climate Review zu suchen hat – zumal er eines der zentralen „Skeptiker-Argumente“ (Holgate, 2007) mit einem menschlichen Einfluss begründen kann. Dafür gibt es gleich zweierlei Gründe. Erstens zeigt diese Science-Studie aufs Neue, wie wenig wir eigentlich wissen und wieviel es noch zu entdecken und zu erforschen gibt. Und zweitens zeigt sich Climate Review so von seiner objektiven Seite, mit dem Ziel, den Leserinnen und Lesern einen guten Überblick über die aktuelle Forschung zu präsentieren. Selbstverständlich liegt dabei der Fokus auf widersprüchlichen Studien.

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Eine Antwort to “Gedämpfte Meeresspiegelerhöhung”

  1. ossi1 Says:

    Hallo Leute
    Hab mich mal angemeldet um hier mal ab und zu meinen Senf dazu geben zu können.
    Für den Admin, mich kennst Du auch unter „Energie-Ossi“
    Na dann, schönen Tag noch und weiterhin solche Guten Artikel.
    MfG


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