Gegenläufige Hochwassertrends

„Blickt ein Laie in die Tageszeitungen, besucht Online-Nachrichtendienste, schaut in Webseiten von Umweltministerien, so befällt ihn oder sie die Vermutung, dass es katastrophal mit unserem Klimasystem stehe.“

Nein, dieser Abschnitt wurde nicht unabsichtlich als Zitat formatiert. Genau so lautete die Einleitung einer Arbeit von Manfred Mudelsee vom Institut für Meteorologie der Universität Leipzig und seinem Kollegen Gerd Tetzlaff. Doch enthält auch der Rest der Arbeit provokative Aussagen?

Die Antwort lautet: durchwegs! Nach der obig zitierten Einleitung schrieben die beiden Forscher nämlich wie folgt weiter: 

“„Die Wetterextreme nehmen zu” ist eine häufige dort anzutreffende Mitteilung. Ein Klimawissenschaftler dagegen mag mit Achselzucken eine systematische Verzerrung (only bad news are good news) vermuten.”

Bereits auf den ersten vier Zeilen ihrer Arbeit äussern sich die Wissenschaftler aus Leipzig also kontroverser, als Climate Review das tun würde. Erneut kommen Zweifel auf, ob alles wirklich so simpel ist, wie uns Teile der Medien (allen voran Al Gore in seinem Film) implizieren wollen. In “eine unbequeme Wahrheit” tauchten durchaus auch Bilder von Europa auf, welche die Folgen der Fluten aus dem Jahr 2005 zeigten. Mudelsee & Tetzlaff untersuchten Flüsse in Zentraleuropa (Main, Elbe, Oder, Weser/Werra und noch einige andere). Bei der Analyse fanden die Forscher teils gegenläufige Trends, aber insgesamt keine Anzeichen für eine dramatische Zunahme an Überschwemmungen.

Zur Werra (1500-2003) schreiben Mudelsee & Tetzlaff beispielsweise:

“Seit 1760 nimmt das Sommerhochwasserrisiko der Werra ab; das Winterhochwasserrisiko zeigt signifikante Schwankungen und einen Aufwärtstrend für das 20. Jahrhundert.”

Zur Elbe und Oder (etwa 1200-2003):

“[…] dokumentieren keinen Anstieg (Sommerhochwasser) bzw. einen Abfall (Winter) für das 20. Jahrhundert.

Selbst in Zentraleuropa unterscheiden sich die Hochwassertrends. Dabei muss nicht nur bezüglich der Jahreszeit differenziert (Sommer/Winter), sondern auch geographische Gegebenheiten berücksichtigt werden. Als Schlussfolgerung hielten die beiden Forscher fest, dass zu simple Pauschalaussagen (wärmere Temperaturen = mehr Hochwasser) nicht haltbar sind:

“Der Schluß (Houghton et al., 2001), eine erhöhte regionale Temperatur bewirke „automatisch” eine Erhöhung des Hochwasserrisikos (Clausius–Clapeyron-Gleichung), ist zu einfach.”

Es blieb die Frage zu klären, inwiefern die Arbeit von Mudelsee & Tetzlaff wissenschaftlichen Kriterien entspricht. Deswegen suchte ich nach weiteren Publikationen von Mudelsee und wurde prompt fündig – im Archiv des sehr respektierten Magazins “Nature”. Dieses druckte 2003 eine Arbeit von Mudelsee et al. mit dem sehr aussagekräftigen Titel “No upward trends in the occurrence of extreme floods in central Europe” ab. Die Studie ist auch als PDF-Datei frei einsehbar und enthält auch eine Grafik zum Regenfalltrend (1900-2000) in Zentraleuropa. Mudelsee et al. untersuchten vier Aufzeichnungen und erhielten unterschiedliche Resultate. Zwei Standorte zeigten nämlich gar keinen Trend, während von den zwei anderen Datensätzen jeweils einer einen positiven und einer einen negativen Trend im Regenfall zeigten:

Auch die Arbeit von Mudelsee et al. demonstrierte, wie relevant eine hochauflösende geographische Differenzierung ist. Bereits im Beitrag „Variabilität im europäischen Niederschlag“ erörterte Climate Review eine Studie von Casty et al., welche keinen Regenfall-Trend für die Zentralalpen zeigte. Nun impliziert diese Arbeit also ähnliches. Doch eigentlich beschäftigte sich die Studie von Mudelsee et al. nur indirekt mit dem Regenfall – der Fokus lag ja vielmehr auf der Hochwasser-Entwicklung. Von den beiden Flüssen Elbe und Oder zeigten beide keinen Aufwärtstrend in der Flut-Frequenz, vielmehr war sogar gegenteiliges der Fall:

 

Mudelsee et al. schrieben zudem, dass auch die andere Untersuchungen keine klare Aussage ermöglichen:

“For the past few decades, however, observations from Europe do not show a clear increase in flood occurrence rate.”

Durchaus widersprüchliche Resultate also, die eine Erwähnung wert sind. Dass es aber durchaus auch andere Aussagen gibt, sollte man sich auch vor Augen halten. Aber diese wird in den herkömmlichen Informationskanälen bereits mehr als genug Aufmerksamkeit gewidmet.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: