Mehr zum europäischen Niederschlag

Erst kürzlich berichtete Climate Review von der Kontroverse, inwiefern die beobachtete Erwärmung einen Einfluss auf den Regenfall Europas hatte. Dazu existiert keine einheitliche Auffassung, was Nils Simons (vom Blog „Globale Umweltpolitik“) Kommentar zu meinem Beitrag verdeutlichte.

Dabei verlinkte Simon auch auf eine Seite, die ich für erwähnenswert halte.

Auf einer interaktiven Karte des European Climate Assessment kann man nämlich zwischen ganz verschiedenen Datensätzen wählen und sich sehr gut ein Bild davon machen, wo der Niederschlag zu- und wo abgenommen hat. Interessant fand ich auch, wie gross die Trend-Unterschiede sein können, wenn sich die Datensätze um nur gerade drei Jahre unterscheiden. Die Betrachtung von Holland für den Zeitraum 1976-2006 zeigte an vielen Orten eine Zunahme an Regenfall:

Schränkte man den Zeitraum hingegen auf 1979-2006 ein, wurden aus vielen blauen Kreisen (Zunahme) ein grüner Kreis (keine signifikante Veränderung):

Die Karte für das ganze Europa im Zeitraum von 1979-2006 offenbarte folgendes Bild:

Grob lässt sich also sagen, dass in Europa während den letzten 20 Jahren nicht wirklich viel auf eine Sintflut hindeutete. Ganz klar muss hingegen darauf hingewiesen werden, dass der Trend von 1946-2006 an vielen Orten eine Zunahme zeigt – was mich ein bisschen verwirrt, da während diesem Zeitraum ja auch die Phase des „Global Cooling“ stattfand. Wenn nun der Trend 1979-2006 auf keine grossen Veränderungen hindeutet (ich kann aus obiger Grafik nichts anderes schliessen), der Trend von 1946-2006 aber schon, impliziert mir dies – unter Berücksichtigung der Abkühlung zwischen Nachkriegszeit und Öl-Krise – eine Art Negativ-Korrelation. Falls ich dabei etwas übersehen habe sollte oder mich sonst wie vertan habe, kann man mir dies natürlich gerne per Kommentar mitteilen.

Insgesamt lassen sich an vielen Orten viele verschiedene Regenfalltrends beobachten. Langfristig (seit 1901, auch unter der Berücksichtigung der mageren Datenlage) deutet die Entwicklung auf mehr Regen hin, kurz- bis mittelfristig hingegen (seit 1979) auf keine grosse Veränderungen. Aber am besten man betrachtet die Karte selbst einmal ausgiebig. Viel Dank an Nils Simon, für den Hinweis auf die Karte.

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Veröffentlicht in Regenfälle & Fluten. 3 Comments »

3 Antworten to “Mehr zum europäischen Niederschlag”

  1. wflamme Says:

    Hallo!

    Hat mich interessiert, deshalb habe ich mich mal ein wenig aufgeschlaut.
    Also … 1976 zB scheint für die Niederlande ein extrem trockenes Jahr gewesen zu sein, s.h.:

    http://www.knmi.nl/onderzk/klimscen/papers/Beersma_Buishand_2004_EWRI_conf.pdf#page=7
    http://www.geo.uio.no/edc/downloads/the_early_2007_drought_in_the_netherlands_2may2007.pdf

    Zu berücksichtigen wäre auch, daß Klimaveränderungen nicht unbedingt durch eine Veränderung der jährlichen Niederschlagssummen charakterisiert sein können, sondern auch durch Änderungen ihrer saisonalen Verteilung. Was die Folgen betrifft, dürfte die Verteilung u.U. sogar wichtiger sein als die Jahressumme. Ich glaube nicht, daß man der Fragestellung durch lineare Trenduntersuchungen wirklich gerecht werden kann.

    Was längere Zeitreihen angeht, so würde ich Niederschlagsmessungen aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts nur bedingt trauen. Ich habe zB in den DWD-Daten für den Hohenpeißenberg einige Brüche in den Zeitreihen ausmachen können, die mit dokumentierten Änderungen der Meßeinrichtung und des Standortes zusammenfallen. Ich bin zwar kein Meteorologe, aber nach dem, was ich mir im Web angelesen habe, sind zuverlässige und konsistente Niederschlagsmessungen wegen ihrer Variabilität und ihrer Dynamik auch heute noch eine äußerst anspruchsvolle Meßaufgabe.

    Grüße,
    Wolfgang

  2. climatereview Says:

    @Wolfgang Flamme

    Vielen Dank dafür, dass Du noch ein wenig weiter nachgeschaut hast. Eigentlich impliziert die Karte ja geradezu, dass 1976 aussergewöhnlich gewesen sein muss. Bezüglich der Relevanz der zeitlichen Verteilung der jährlichen Niederschlagssummen hast Du natürlich Recht. Extrem gesagt würde sich die Karte des European Climate Assessment selbst dann nicht verändern, wenn der ganze Niederschlag eines Jahres in nur einem Monat fallen und sonst Dürre vorherrschen würde.

    Deine Recherchen zu den Messungen in Hohenpeißenberg klingen interessant, eben solche Unsicherheiten waren (leider) zu erwarten. Darf ich fragen, ob Du diese Resultate auch irgendwo festgehalten hast, damit man sich darüber einmal ein Bild machen kann?

    Liebe Grüsse.

  3. wflamme Says:

    Auf den Hohenpeißenberg bin ich ursprünglich auf eine Publikation Latifs aufmersam geworden, wo dieser einen steigenden Niederschlagstrend festgestellt haben wollte.

    Bei der Suche nach Daten bin ich dann beim DWD (*) gelandet, dort gibt es Tagesdaten von ca. 40 deutschen Stationen zum Download, darunter auch der HPB, Potsdam usw. Einen sehr detaillierter Artikel über die Geschichte des Observatoriums gibt es bei wikipedia.

    Interessant sind aber die Daten selbst. ZB kann man Ablesegruppierungen (vermutlich abgesesene Teilstrichmarkierungen des Meßgefäßes) erkennen und damit auf Wechsel der Meßeinrichtungen schließen, man erkennt auch Abrundungen auf Null in der früheren Meßreihe , Sprünge und ähnliches. Diese Auffälligkeiten ziehen sich, soweit ich das noch aus dem Hinterkopf in Erinnerung habe, bis ins 20.Jhd hin, danach setzt eine ‚Konsolidierung‘ ein. Ich habe die sich anschließende Datenreihe dann ziemlich intensiv gequält, aber keinen langfristigen Trend gefunden, der auf AGW-Einfluß hätte schließen lassen.

    Grüße,
    Wolfgang

    (*) Der DWD hat derzeit eine Unwetterwarnung vorgeschaltet, mußt auf eine günstige Gelegenheit warten, um ans Klimaarchiv zu kommen… (Was für ein Unfug!)
    Ich kann Dir die Daten aber auch schicken, wenn Du mir ein fettes Postfach nennst (r-Project Datenformat).

    reverse(emmalfw)@mainz-online.de


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