9/11 und das Klima

Contrails (zu Deutsch: Kondensstreifen) sind im Prinzip nichts anderes als künstliche Wolken, die hauptsächlich von Flugzeugen verursacht werden. Es scheint logisch, dass auch diese Art von Wolken einen Einfluss auf die Temperatur hat, da die Rückstrahlungseigenschaft der Erde verändert wird.

Kurzer Einschub für Verschwörungstheoretiker: Contrail != Chemtrail.

Das Problem an den Kondensstreifen ist, dass man kaum Beobachtungen anstellen konnte, denn niemand kann den Flugverkehr mal eben für einen Tag einstellen. Deshalb war der 11. September 2001 für die Forscher eine (hoffentlich!) einzigartige Gelegenheit, um den Einfluss von Contrails genauer studieren zu können. Es ist nämlich eher unwahrscheinlich, dass der gesamte Luftraum der Vereinigten Staaten von Amerika in absehbarer Zeit erneut für einige Tage komplett gesperrt wird.

Jemand, der diese Gelegenheit nutzte, war der Atmosphären-Physiker Patrick Minnis vom NASA Langley Research Center in Virgina. In einer 2002 veröffentlichten Arbeit schrieb Minnis mit zwei Kollegen, dass die einzigartigen Beobachtungen nun zu einer besseren Klima-Modellierung führen könnten.

Travis et al. publizierten 2004 im „Journal of Climate“ eine Untersuchung, in der festgehalten wird, dass der Unterschied zwischen der Tages- beziehungsweise Nachttemperatur ohne die sonst omnipräsenten Contrails 1°C höher war. Dazu eine Grafik aus der Arbeit von Travis et al.:

Wie üblich gibt es aber auch Wissenschaftler, die sich kritisch gegenüber dieser „einmaligen Beobachtung“ äussern und die Erkenntnisse von Travis und seinen Fachkollegen als eine natürliche Wetter-Anomalie bezeichnen. Dies taten beispielsweise Kalkstein & Balling Jr. in einer 2004 im Magazin „Climate Research“ publizierten Arbeit.

Die Arbeit von Minnis et al. aus dem Jahr 2002 beschäftigte hauptsächlich mit der Verbreitung von Kondensstreifen, 2004 veröffentlichte er eine Arbeit mit drei Kollegen, die im „Journal of Climate“ abgedruckt wurde. Aufbauend auf den Erkenntnissen von Minnis et al. 2002 steht in der neuen Studie, dass die bisher angenommenen Werte für den Einfluss von Contrails nur Minimalwerte darstellen, weil man die Verbreitung der künstlichen Wolken noch nicht adäquat verstand. Im Zeitraum 1971-1995 hatte die Kodensstreifenbedeckung über den USA signifikant zugenommen, blieb über Europa weitestgehend konstant und nahm über den restlichen Landmassen ab – was mich ein wenig überraschte. Folgende Grafik dazu:

Diese Zunahme an Kodensstreifen über den USA hatte (und hat noch immer) Folgen auf die Temperatur der Troposphäre. Minnis et al. schrieben dazu:

„[…] the cirrus trends over the United States are estimated to cause e tropospheric warming of 0.28-0.38°C decade^-1, a range that includes the observed tropospheric temperature trend of 0.278°C decade^-1 between 1975 and 1994.“

Von diesem Phänomen sind vor allem Europa und Nord-Amerika betroffen, da hier die Kodensstreifen-Konzentration am höchsten ist.

Abschliessend schrieben Minnis und seine Kollegen, dass Contrails schon heute einen eindeutigen regionalen Einfluss auf das Klimasystem haben, dieser aber in Zukunft auch global signifikant werden könnte, sofern der Flugverkehr weiterhin zunehmen wird – wovon auszugehen ist. Hoffentlich wird uns auch dieses Thema zukünftig weitere interessante Erkenntnisse liefern, um unseren Einfluss auf das Klimasystem besser zu verstehen.

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Veröffentlicht in Wolken. 3 Comments »

3 Antworten to “9/11 und das Klima”

  1. Climate Patrol Says:

    Hallo GD

    Sehr interessanter Post. Das ist das erste Mal, dass ich den Ausdruck Chemtrail lese, ehrlich.

    Aber ist es nicht so, dass bei gewissen Wetterlagen jeder Contrail wie ein Chemtrail aussieht und sich in bleibenden Cyrren verlaufen kann? Wie dem auch sei, ich hatte schon lange den Verdacht, dass Kondensstreifen seit den siebziger Jahren einen stärkeren Einfluss auf die Globaltemperatur als die global angestiegene CO2-Konzentration ausüben könnten. Oder wird vielleicht sogar mit Chemikalien experimentiert, wie man mit Aerosolen der globalen Erwärmung entgegenwirken könnte?

  2. climatereview Says:

    @Climate Patrol

    Vielen Dank für Dein Lob zum Beitrag.

    Ich denke auch, dass jeder Contrail in den Augen von Verschwörungstheoretikern ein potenzieller Chemtrail sein könnte. Wirklich wissenschaftliche Abhandlungen dazu gibt es nämlich meines Wissens nicht, selbst Google Scholar findet zum Stichwort „chemtrail“ nur gerade 20 Resultate. Da micht das Thema interessiert, hoffe ich, in Zukunft noch mehr darüber zu erfahren.

    Liebe Grüsse und schöne Ostern.

  3. pollitaypeluza Says:

    Sehr interessant! Übrigens der ganze Blog, gratuliere.
    Was diese „einmalige Beobachtung“ betrifft, so sollte ein isländischer Vulkanausbruch vielleicht Anlass zur Überprüfung und weitergehenden Untersuchungen liefern…
    Übrigens stehe ich den Chemtrailtheorien ebenfalls skeptisch gegenüber. Allerdings machen mich einige beobachtete Phänomene ebenfalls stutzig: Abreissen von Kondensstreifen und ein weiterfliegendes Flugzeug ohne solchen… wie ich finde, ist das nicht hinreichend mich Schlauch- oder Blasenthermik erklärt. Auch das gleichzeitig offenbar gleichhoch fliegende Flugzeuge völlig unterschiedliche Streifen erzeugen. Daher bitte ich die/den Verfasser dieses Blogs bei Gelegenheit, nur wenn es ins Konzept passt, ein wenig daruf einzugehen. Außerdem interessiert mich, ob die Transparenz und chemische Zusammensetzung der Atmossphäre einer Entwicklung unterliegt. Liebe Grüße!


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