Kaliforniens Messstationen

Derzeit wird der Einfluss der zunehmenden Urbanisierung auf die Temperaturmessungen wieder heiss diskutiert. Egal ob auf Ökologismus, RealClimate oder Climate Audit – überall redet jeder vom sogenannten UHIE (Urban Heat Island Effect).

Während niemand die Existenz der UHI leugnet, herrscht über deren (mögliche) Signifikanz Uneinigkeit.

Da ich mich mit diesem Thema relativ schwer tue, will ich gar nicht zuviele wertende Aussagen machen. Eines ist aber klar: Es wäre unsinnig zu behaupten, die globale Erwärmung wäre lediglich ein Artefakt der fortschreitenden Urbanisierung. Falls dem so wäre, gäbe es in meinen Augen beispielsweise einen Erklärungsnotstand für die beobachteten Gletscherschmelzen, welche global zu beobachten sind. Ich sehe nur die Möglichkeit, dass der urbane Hitzeinsel-Effekt die Temperatur-Netzwerke, die auf Boden-Messstationen beruhen, verfälschen.

Und genau darüber wird auch heftig diskutiert. T. Peterson vom National Climatic Data Center in North Carolina veröffentlichte 2003 beispielsweise ein Paper, in welchem er sagt, dass die Korrekturen, welche den Einfluss von Urbanisierung „ausradieren“ sollen, möglicherweise sogar zu gross sind. Ein Auszug daraus:

„Contrary to generally accepted wisdom, no statistically significant impact of urbanization could be found in annual temperatures.“

Roger Pielke Sr. führte mit gleich 16 Kollegen eine Untersuchung durch, die unter dem Titel „Unresolved issues with the assessment of multidecadal global land surface temperature trends“ 2007 im Magazin „Journal of Geophysical Research“ veröffentlicht wurde. Auf seinem Blog Climate Science zog er unter anderem die Schlussfolgerung:

„A major key finding from our study is that the magnitude of global warming is significantly overstated using surface air temperature as a metric.“

2007 veröffentlichten die beiden bekannten Skeptiker McKitrick & Michaels eine Arbeit im „Journal of Geophysical Research“, bei dem sie folgern, dass der Erwärmungstrend über Land ~50% niedriger sein sollte, als bis anhin angenommen, da zahlreiche Faktoren die Messungen beeinflussen und in die Höhe schnellen lassen. Selbstverständlich löste diese Arbeit eine grosse Kontroverse aus.

Als kleiner Gedankenanstoss mag folgende Grafik dienen:

Sie stammt aus einer Arbeit, welche 2007 im Magazin „Climate Research“ erschien. Die drei Wissenschaftler aus Amerika untersuchten dabei die Temperaturentwicklung zwischen 1950-2000 der Messstationen in Kalifornien, USA. Dabei stellten LaDochy et al. fest, dass die urbanen Messstationen einen Trend von 0.20°C pro Dekade vorwiesen, während die ruralen Stationen eine Erwärmung von „nur“ 0.08°C pro Jahrzehnt aufzeigten. Die drei Forscher schrieben:

„Large urban sites showed rates over twice those for the state, for the mean maximum temperatures, and over 5 times the state’s mean rate for the minimum temperatures.“

Betrachtet man obige Grafik, erkennt man schnell, dass viele Stationen in die Kategorie „no significant change“ fallen. Die meisten dieser Stationen befinden sich abseits der „urban areas“. Die Arbeit von LaDochy, Medina & Patzert zeigte, dass Kaliforniens Messstationen zu 41% keine signifikante Erwärmung und in 6% gar eine Abkühlung dokumentierten. Was insgesamt fast die Hälfte der rund 226 untersuchten Stationen ist. Wegen den teils grossen Unterschieden teilten die Forscher Kalifornien in sieben Divisionen ein und berechneten jeweils die Temperaturentwicklung der Stationen, die sich innerhalb dieser Division befinden.

Die Trends reichen also von -0.12°C pro Jahrzehnt bis zu +0.29°C. LaDochy et al. verwendeten für diese Untersuchung ausdrücklich unkorrigierte Werte. Interessant wäre es zu sehen, wie die unkorrigierten Werte verglichen mit den korrigierten ausgesehen hätten.

Es bleibt festzuhalten, was logisch scheint: Die Erwärmung in den Städten ist grösser, als in ruralen Gebieten und regionale Oberflächen-Veränderungen sind sehr wahrscheinlich die Erklärung für diese Diskrepanzen. Und: Die „Korrektur“ unterschiedlicher Messwerte scheint eine schwierige Angelegenheit zu sein.

Advertisements
Veröffentlicht in Land Use Change. Leave a Comment »

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: