Arktische Geheimnisse

Das arktische Eis schmilzt. Das ist unbestritten und durch Satellitenbeobachtungen klar zu belegen. Diese existieren aber erst seit 1978, also gerade mal 30 Jahre. Aus klimatologischer Sicht ein lächerlich kurzer Zeitraum – dabei hat uns schon die genauere Betrachtung von Hurrikan-Trends gelehrt, wie wichtig adäquat zurückreichende Vergleichsspektren sind.

Höchste Zeit also, ein wenig weiter zurück in die arktische Klimageschichte zu schauen, zumal über die „Ewigkeit“ der arktischen Eismassen keine Einigkeit herrscht.

Ebendies taten Divine & Dick vom Norwegian Polar Institute in einer Studie, die 2006 im „Journal of Geophysical Research“ veröffentlicht wurde. Die beiden norwegischen Forscher untersuchten Eisflächenanomalien im Zeitraum 1750-2002. Dabei entdeckten sie zwei Zyklen, welche die Eisflächenbedeckung beeinträchtigen:

„[…]evidence was found of oscillations in ice cover with periods of about 60 to 80 years and 20 to 30 years, superimposed on a continuous negative trend.“

Weiter sagen Divine & Dick, dass der derzeitige Rückgang des arktischen Eises zumindest teilweise auch von dieser natürlichen Oszillation mitverursacht worden sei:

„The analysis suggests that the recent well-documented retreat of ice cover can partly be attributed to a manifestation of the positive phase of the 60–80 year variability, associated with the warming of the subpolar North Atlantic and the Arctic.“

Dass die Aussagen von Divine & Dick vielleicht gar nicht so abwegig sind, bestätigte eine Studie, welche im Januar 2008 im Magazin „Nature“ unter dem Titel „Vertical structure of recent Arctic warming“ erschien. Die fünf Forscher des Department of Meteorology der Universität Stockholm analysierten die Erwärmung der Arktis, welche sich bekanntlich weitaus stärker erwärmte als der Rest der Welt. Graversen et al. entdeckten in ihrer Analyse nämlich, dass ein Teil der beobachteten Erwärmung auf natürliche Änderungen zurückzuführen sein könnte. Ein Auszug aus dem Abstract besagt:

„We conclude that changes in atmospheric heat transport may be an important cause of the recent Arctic temperature amplification.“

Natürlich sorgte auch dieses Paper für eine Kontroverse. Einige Wissenschaftler kritisierten Graversen und seine Kollegen, da sie angeblich ältere Daten benutzten, andere (beispielsweise der Ozeanograph James E. Overland vom Pacific Marine Environmental Laboratory in Seattle) fanden die Ergebnisse plausibel und konsistent mit anderen Beobachtungen.

Ebenfalls im Januar 2008 erschien eine Studie von Hakan Grudd, welcher an der Universität in Stockholm forscht. Er untersuchte die Temperaturentwicklung in Torneträsk anhand von Baumring-Analysen. Torneträsk liegt übrigens innerhalb des arktischen Kreises. Grudd stellte fest, dass die bisherigen Temperaturverläufe die Warmperiode im Mittelalter nicht adäquat aufzeigten und das letzte Jahrhundert langfristig betrachtet gar nicht so aussergewöhnlich warm war:

„The new data show generally higher temperature estimates than previous reconstructions based on Torneträsk tree-ring data. The late-twentieth century, however, is not exceptionally warm in the new record […]“

Folgender Grafik kann die Temperaturentwicklung der vergangenen 1’500 Jahre entnommen werden:

Zumindest auf mich machen die jüngsten Studien einen Eindruck, als wären wir noch weit davon entfernt, für alles, was wir beobachten, auch eine Erklärung zu haben. Wobei diese Studien auch nicht misinterpretiert werden sollen: Alle drei Arbeiten zeigten eine Erwärmung in den letzten Jahrzehnten. Die zwei ersten suchten nach alternativen Mitverursachern und die letzte nach einem längeren Vergleichszeitraum – was nichts daran ändert, dass sich die Arktis erwärmt.

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