Klimasensitivität

Klimasensitivität meint (in den meisten Fällen zumindest) die Veränderung im Klimasystem in °C, welche durch eine Verdoppelung der CO2-Konzentration hervorgerufen wird. Die Bandbreite der Prognosen ist beeindruckend.

James Hansen ist einer der Wissenschaftler, die bei einer Verdoppelung der CO2-Konzentration eine Erhöhung der Temperatur um ~6°C befürchten. Gibt es andere Meinungen?

Durchaus. Zuerst muss in meinen Augen festgehalten werden, dass Hansen zu jener Gruppe von Forschern gehört, die nicht für allzu konservative Prognosen berühmt wurde. Daher überrascht es kaum, wenn bald eine neue Studie von Hansen veröffentlicht wird, in welcher er eine Klimasensitivität von 6°C feststellt. Schon im Abstract steht:

„Equilibrium senitivity, including slower surface albedo feedbacks, is ~6°C for doubled CO2 […]“

Dabei handelt es sich aber keineswegs um eine unbestrittene Tatsache. Im März 2007 erschien im Journal „Nature“ eine Studie von drei amerkanischen Wissenschaftlern, die von einer Sensitivität zwischen 1.5-6.2°C ausging. Dieser Bereich ist mehr oder weniger mit dem vom IPCC angegebenen kongruent. Der wahrscheinlichste Wert wird derweil mit ~3°C beziffert. Es lässt sich schnell erkennen, dass sich die Prognose von Hansen im oberen Bereich der Skala befindet.

Der britische Wissenschaftler William M. Connolley kritisierte Hansen in der Vergangenheit oft für seine – ich nenn sie mal – „reisserischen“ Prognosen. Bereits 2007 veröffentlichte Hansen mit einigen Kollegen ein Paper, in welchem er verhältnismässig hohe Klimasensitivitätswerte vertrat. Da Connolley im British Antarctic Survey arbeitet, legt er natürlich besonders viel Wert auf den Aspekt „Antarktis“. Zur Studie von Hansen et al. aus dem Jahr 2007 schrieb er beispielsweise:

„Mean that they think the WAIS [west antarctic ice sheet] is going to disappear in a century? That sounds extreme, even for Hansen.“

Zum neuen Paper von Hansen (siehe Link dazu oben), schrieb Connolley unter dem Titel „He’s at it again“, dass dieser Wert früher schon nicht korrekt war und dies auch heute nicht ist:

„Hansen who is once again pushing his climate-sensitivity-is-6°C-stuff. Well, it wasn’t and it still isn’t.“

Selbstverständlich masse ich mir nicht an entscheiden zu können, wer in dieser Debatte Recht hat. Aber allein die Existenz dieser Debatte zeigt doch, dass selbst über relativ elementare Punkte grosse Uneinigkeit herrscht. William M. Connolley rechtfertigte seine Aussagen in einer kurzen .pdf-Zusammenfassung. In den Kommentaren seines Blogs „Stoat“ sind zudem interessante Diskussionen zu beobachten.

Am Schluss wäre noch eine Studie zu erwähnen, die in eine ganz andere Richtung geht. Im „Journal of Geophysical Research“ wurde im Januar 2008 eine Arbeit von Chylek et al. veröffentlicht, die von einem geringeren Klimasensitivitätswert (als bis anhin angenommen) ausgeht. Da sich die Erderwärmung der letzten Jahrzehnte mit einem Rückgang der Aerosol-Konzentration überlagerte, wurde bisher – laut Chylek et al. – von einem zu hohen Sensitivitätswert ausgegangen:

„We find that the climate sensitivity is reduced by at least a factor of 2 when direct and indirect effects of decreasing aerosols are included, compared to the case where the radiative forcing is ascribed only to increases in atmospheric concentrations of carbon dioxide.“

Wir sehen also, die Debatte existierte, existiert noch immer und wird dies auch in Zukunft noch tun. Es bleibt zu hoffen, dass die Medien bei Veröffentlichung des Hansen-Papers dasselbige mit der gegebenen Objektivität behandeln.

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Veröffentlicht in Klimasensitivität. 2 Comments »

2 Antworten to “Klimasensitivität”

  1. Nils Simon Says:

    James Annan hat mal die Studie von Chynek et al. aufs Korn genommen und kein gutes Haar daran gefunden.

    Eine 2006 erstellte (und aufgrund der neu hinzugekommenen Studien nicht mehr ganz aktuelle) Übersicht über mehrere Dutzend Abschätzungen der Klimasensitivität gibt es von Barton Paul Levenson. Vor allem, wenn man sich die letzten dreißig Jahre oder so ansieht kann man gut erkennen, wie das IPCC auf 2 bis 4,5°C kommt.

  2. climatereview Says:

    @Nils Simon

    Danke für den Link zu Annans Blog.
    Mich verwundert jeweils ein wenig, wie „falsch“ Ergebnisse von klugen Köpfen sein können – mindestens wenn man die Aussagen von anderen Wissenschaftlern liest. Und klug bzw. fachkompetent müssen die Autoren um Chylek ja allemal sein, zumal ich einige Personen der ETH-Zürich (von welcher zwei der Autoren der Studie kommen) persönlich kenne. Ähnliches liess sich ja auch auf RealClimate verfolgen, erst kürzlich gerade bei der Diskussion um das Scafetta&West Paper oder Michaels&McKitrick. Spannend wird es in meinen Augen erst, wenn sich die „Angegriffenen“ auch melden und ihre Arbeit verteidigen.


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