Süd- und zentraleuropäische Hochwässer

Nicht zuletzt der dritte Extremwetterkongress in Hamburg hat wieder einmal dazu beigetragen, dass die Wörter „Extremereignisse“ und „Klimaerwärmung“ auf medialer Ebene fast schon wie Synonyme behandelt werden.

Während tatsächlich einiges dafür spricht, dass in einigen Regionen beispielsweise starker Niederschlag infolge der Klimaerwärmung häufiger werden könnte, steht die Behauptung der „Einzigartigkeit“ von Fluten und ähnlichen Ereignissen auf weitaus wackeligeren Beinen.

Werfen wir zuerst einmal einen Blick auf die Prognosen vom IPCC. Nach den Berechnungen anhand des Szenarios A1B wird der Niederschlag in weiten Teilen Europa bis 2100 nämlich leicht abnehmen:

Selbstverständlich wäre es falsch, wenn man mit dieser Szenario-Berechnung zunehmende Extremniederschläge infolge der Klimaerwärmung anzweifeln will. Wie auch in einer Diskussion auf Climate Review festgehalten wurde, ist natürlich vielmehr die Verteilung des Niederschlags entscheidend, ob Überflutungen zukünftig zu- oder abnehmen werden. Da Prognosen für den Zeitraum 2080-2099 schlecht falsifizierbar beziehungweise verifizierbar sind, schauen wir uns einmal mehr längerfristige Datenreihen der Vergangenheit an.

Zwei britische Wissenschaftler veröffentlichten 2006 im Magazin „Land Degradation & Development“ eine Studie, welche Fluten und Erdrutsche in Italien während den vergangenen 50 Jahren untersuchte.  Die beiden Forscher Clarke (Nottingham Universität) und Rendell (Loughborough Universität) entdeckten dabei einen sinkenden Extremereignis-Trend, welcher sehr wahrscheinlich mit einer Veränderung des Regional-Klimas sowie der Nordatlantischen Oszillation zu erklären ist:

„Analysis of extreme-event frequency shows a decreasing annual trend related to changes in regional climate conditions in the western and central Mediterranean driven by changes in the strength of the North Atlantic Oscillation.“

Zudem seien verbesserte Schadensprävention sowie trockenere Winter dafür verantwortlich, dass sich die Degradationsproblematik während der untersuchten Zeitperiode entschärfte. Wörtlich schrieben Clarke & Rendell:

„Land-degradation problems associated with floods and landslides are decreasing due to a drier winter climate coupled with improved hazard mitigation.“

Eine weitere Studie von Wissenschaftlern der Universität Bern aus der Schweiz untersuchte Hochwassertrends in Mitteleuropa seit 1500. Die Arbeit ist glücklicherweise frei und zudem in deutscher Sprache auf den Servern der Universität einsehbar. Eine zentrale Aussage aus der Schlussfolgerung lautete:

„Katastrophenhochwasser und ihre Häufigkeit sind keine neue Erscheinungsform. Insbesondere kann festgestellt werden, dass die beispielweise im 20. Jh. erkennbare Zunahme der Pegeldurchflüsse und Hochwasser in ähnlicher Form bereits in historischen Phasen aufgetreten ist. Diese wurden regelmäßig wieder durch Phasen deutlich reduzierter Hochwasserauftretens abgelöst.“

Im Klimastatusbericht 2003 des DWD (Deutschen Wetterdienst) verfassten die drei Forscher Glaser, Beck & Stangl übrigens ein Kapitel zum Thema „Temperatur und Hochwasser“, welches angenehm lesbar und in meinen Augen sehr zutreffend ist. Ein zentraler Kritikpunkt der Arbeit ist die oft anzutreffende Aussage „sein Beginn der Aufzeichnungen“:

„Eine Einordnung der rezent beobachteten klimatischen Entwicklungen in einen umfassenderen Kontext natürlicher Klimavariabiliät erfordert die Betrachtung längerer, über die letzten beiden – zunehmend durch anthropogene Einflüsse geprägten – Jahrhunderten hinausgehenden Zeitreihen. […] Unter diesem Eindruck erscheint so manches Bild von „niedagewesenen Klimakapriolen“ oder den „hausgemachten Hochwässern“ in einem anderen Licht.“

Zutreffender lässt sich das nicht formulieren.

 

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