Die Sintflut – Teil 1

Wer am 15. April um 20:15 seinen Fernseher eingeschaltet hat und beim ZDF hängen blieb, sah sich folgenden drei Szenarien gegenübergestellt: [1] er ertrinkt in einer „Sintflut biblischen Ausmasses“, [2] er verdurstet in einer Extremhitze und stirbt an einer exotischen Krankheit oder [3] er kommt in New York in einem Hurrikan ums Leben.

Einige Inputs sollen das vermittelte Bild bezüglich Szenario [1] ein wenig zurechtrücken. In weiteren Beiträgen wird bis zur Ausstrahlung des zweiten Teils der Dokumentation (22. April) versucht, die Szenarien [2] und [3] genauer zu betrachten.

Zu Beginn soll auch hier festgehalten werden: Ich respektiere die vorgestellen Forscher (Rahmstorf, Schellnhuber, Latif sowie den Schweizer Konrad Steffen), diese Personen verfügen unbestreitbar über eine hohe Expertise – kritisieren kann man lediglich, wie sie sich (betrifft eher die ersteren) für reisserische Dokumentationen instrumentalisieren lassen. Zudem halte ich M. Latif seine sehr sachlichen Aussagen bezüglich Hurrikans zu Gute und selbstverständlich können die präsentierten Szenarien durchaus auch eintreten. Die Frage lautet viel mehr: Wieso sollten sie das nicht dürfen?

Bezüglich Szenario [1] hat Climate Review bereits mehrmals gezeigt, dass die Flüsse in Zentraleuropa – trotz einer Erwärmung von etwa 1°C während des vergangenen Jahrhunderts – keinen einheitlichen Trend in der Flutentwicklung aufzeigten. Spezifisch auf den Rhein bezogen, zeigte Schumann (2004) eine Häufung von starken Abflüssen während den vergangenen zwei Jahrzehnten, aber keine dramatische Zunahme in den Höchstwerten.

Obschon es also Anzeichen gibt, die auf eine leichte Zunahme in den Höchst-Tageswerten deuten, ist nicht klar, inwiefern dieser Trend der Erwärmung zugeschrieben werden kann. In der Arbeit „Flood Events in the Rhine Basin: Genesis, Influences and Mitigation“ (Natural Hazards, 2004) sagten die beiden Forscher Disse & Engel:

„A strong relationship between recent climate change observations and the occurrence of flood levels cannot be proven.“

Glaser und Stangl (Universität Heidelberg) untersuchten die Flut-Entwicklung im Rhein-Maas-Delta in den Niederlanden. Die Arbeit wurde 2003 unter dem Titel „Historical floods in the Dutch Rhine Delta“ im Journal „Natural Hazards“ veröffentlicht und zeigte mitunter abrupte Zu- beziehungsweise Abnahmen in der Fluthäufigkeit sowie grosse Unterschiede in den verschiedenen Strömen des Fluss-Deltas. Leider wurden nur wenige der Daten bis ins Jahr 2000 verlängert. Die folgende Grafik zeigt die Flut-Entwicklung in der Waal (Hauptstrom des Deltas):

Glaser & Stangl vermerkten in ihrer Konklusion, dass es schon immer Hochwasser gegeben und deren Häufigkeit in den vergangenen 700 Jahren stark geschwankt hat. Einige Ströme des Deltas zeigten bereits in früheren Jahrhunderten mehr Fluten, an anderen Orten seien die Hochwasser der jüngsten Vergangenheit hingegen einzigartig – jedenfalls in den letzten 700 Jahren. Zudem warnten die beiden deutschen Forscher vor zu schnellen Verbindungen zwischen der globalen Erwärmung und dem Flut-Trend.

Angesichts der unterschiedlichen Hochwasser-Entwicklung der zentraleuropäischen Flüsse bleibt es unklar, wieso Köln 2032 eine Sintflut erleben soll, beziehungsweise wieso nicht. Möglich ist ein dramatisches Hochwasser natürlich durchaus, wobei die infrastrukturellen Verbesserungen während den kommenden zwei Jahrzehnten nicht ausgeblendet werden sollten. Dass der Terminus „einzigartig“ mit hoher Vorsicht zu verwenden ist, wurde schon öfters gezeigt. Die Katastrophen-Szenarien des ZDF bleiben ihrerseits sehr wahrscheinlich Szenarien.

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