Arktisches Minimum 2007

Wie wir alle wissen, erreichten die Eismassen der Arktis im September 2007 ein vorzeitiges Rekordminimum. Seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen zeigte sich ein kontinuierlicher Abwärtstrend, aber das dramatische Abschmelzen im Jahr 2007 überraschte alle.

Viele Zeitungen und auch einige Experten zeigten sich dankbar und übertraffen sich mit Prognosen, wann die Arktis – zumindest im Sommer – eisfrei sein wird.

Wie schon einmal, verweise ich an dieser Stelle auf die informative Homepage „Cryosphere“, auf welcher stets aktualisierte Satellitendaten zu finden sind. Die Grafik bezüglich der Eisentwicklung der Arktis ist [hier] zu finden. Folgend sind nur die letzten 11 Jahre aufgezeigt:

Der markante Einbruch im Sommer 2007 ist, ebenso wie die rasante „Erholung“ durch die vergleichsweise starken Schneefälle in diesem Jahr, offensichtlich. Dabei stellt sich die Frage, ob nicht auch noch andere Faktoren (ausser der globalen Erwärmung) ihren Teil dazu beigetragen haben, dass das Eis in diesem Rahmen schmolz.

Die Überraschung auf Grund des unerwarteten Abschmelzens widerspiegelte sich bereits im Treffen der AGU (American Geophysical Union) im Herbst 2007, wo gleich eine ganze Reihe von Wissenschaftlern ihre Erkenntnisse zur arktischen Eisentwicklung präsentierten. David Archer begründete auf RealClimate die starke Schmelze wie folgt:

„Apparently the reason for the disappearance was an anomalous weather system which generated a strong jet of surface winds blowing straight over the pole southward toward the Atlantic ocean […]“

Durch ungewöhnlich starke Winde wurden die Eismassen südwärts in den Atlantik geblasen, wo sie im wärmeren Wasser selbstverständlich keine Überlebenschance hatten. Dabei verwendete Archer auch folgende Analogie:

„To summarize, the ice cubes in the freezer tray didn’t melt because the freezer is broken exactly, but because the ice cube tray fell out of the freezer onto the warm floor.“

Die Eiswürfel sind also nicht geschmolzen, weil der Tiefkühler kaputt gegangen ist, sondern weil sie aus dem Tiefkühler auf den warmen Boden gefallen sind.

Eine zusätzliche Erklärung lieferte nun eine Studie in der neusten Ausgabe des Journal „Geophysical Research Letters“. Fünf Wissenschaftler aus Colorado veröffentlichten ihre Arbeit, in welcher sie das Abschmelzen der Arktis im Jahr 2007 genauer untersuchten. Dabei stellten sie fest, dass der aussergewöhnliche Schmelzprozess auch in einem Zusammenhang mit der geringeren Wolkenbedeckung über der Arktis stand. Durch die rund 16% geringere Wolkenbedeckung (verglichen mit dem Jahr 2006) gelangte mehr Strahlung auf die Eismassen:

„Reduced cloudiness and enhanced downwelling radiation are associated with the unprecedented 2007 Arctic sea ice loss. Over the Western Arctic Ocean, total summertime cloud cover estimated from spaceborne radar and lidar data decreased by 16% from 2006 to 2007.“ 

Folgende Grafik zeigt die Wolkenanomalie (ab dem 70 Breitengrad) im Jahr 2007:

Allein die stark gestiegene Strahlung (+32 Wm−2) hatte, über den Zeitraum von 3 Monaten hinweg, die Oberflächentemperatur des Ozeans um 2.4 Kelvin erhöht und so zu einer zusätzlichen Schmelze geführt. Die (in meinen Augen während dem ganzen Jahrzehnt) angestiegene kurzwellige Strahlung wurde in folgender Grafik illustriert:

 

Selbstverständlich assoziiert das Gros der Medien das ungewöhnlich starke Abschmelzen noch immer nur mit der globalen Erwärmung. Dass dabei aber auch ganz natürliche meteorologische Prozesse (Wolkenbedeckung und Windmuster) wichtige Rollen spielen, wird nur ganz selten erwähnt. Der kommende Sommer wird zeigen, ob das nun sehr dünne und junge Eis wieder in einem ähnlichen Ausmass wie 2007 abschmilzt, oder ob sich die Eis-Abnahme in den üblichen Trendverlauf einpendelt.

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Veröffentlicht in Arktis. 2 Comments »

2 Antworten to “Arktisches Minimum 2007”

  1. Arktisches Meereis auf direktem Weg zu neuer Rekordschmelze « Globale Umweltpolitik Says:

    […] zu dieser rapiden Schmelze geführt haben. Das deutschsprachige Blog Climate Review hat sich damit hier, hier und hier […]

  2. Die Klimakrise » Arktisches Meereis auf direktem Weg zu neuer Rekordschmelze Says:

    […] weiterer auf Climate Progress erschienen.] Das deutschsprachige Blog Climate Review hat sich damit hier, hier und hier […]


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