Mehr zu amerikanischen Dürren

Im letzten Beitrag untersuchte Climate Review die Auswirkungen der Erwärmung im Südwesten Amerikas auf die Häufigkeit von Dürren. Die Ergebnisse deuteten auf Schwankungen innerhalb der natürlichen Variabilität.

In diesem Beitrag soll die ganze Thematik tiefergehend betrachtet werden.

Der Colorado River war schon oft Objekt wissenschaftlicher Studien. In diesem Beitrag ist er vor allem von Relevanz, da er ziemlich exakt in dem Gebiet liegt, das von einer verhältnismässig starken Erwärmung heimgesucht wurde (siehe letzter Beitrag). Sechs Wissenschaftler der Universität Arizona und ein Kollege der Universität Boulder versuchten 2007 im Colorado River die Mittelalterliche Warmperiode zu entdecken und rekonstruierten dafür mit Hilfe von Baumringen die Wasserführung für den Zeitraum 762-2005.

Die Arbeit wurde im Magazin „Geophysical Research Letters“ veröffentlicht und stellte fest, dass die extremste Dürre wohl um 1150 n. Chr. geherrscht haben muss:

„The most extreme low-frequency feature of the new reconstruction, covering A.D. 762-2005, is a hydrologic drought in the mid-1100s.“

Nach der Dürre um 1930 herum (die 30er-Jahre waren in Nordamerika aussergewöhnlich warm), stabilisierte sich die Wasserführung des Colorado River wieder auf dem langjährigen Mittelwert – trotz der bemerkenswerten Erwärmung der letzten Jahrzehnte.

Ein wichtiges Merkmal einer Dürre ist mit Bestimmtheit eine deutlich vom Normalwert abweichende Bodenfeuchtigkeit. Drei Forscher der englischen University of East Anglia und ein amerikanischer Kollege aus New York untersuchten Trends bezüglich dem Feuchtigskeitgehalt in nordamerikanischen Böden. Die Studie wurden 2006 im „Journal of Geophysical Research“ abgedruckt und zeigte, dass im 20. Jahrhundert kein statistisch signifikanter Trend in Extremwerten auszumachen war:

„No evidence is found for a statistically significant trend in the percentage area of the contiguous United States experiencing either moderate or extreme moisture availability conditions for the 1901–2002 period.“

Wie schon weiter oben festgehalten wurde, waren die 1930er-Jahre aussergewöhnlich trocken. Als feuchtestes Jahr wird 1983 angegeben.

Die weitaus interessanteste und prägnanteste Studie fand ich von zwei Autoren der Universität Washington. Andreadis und Lettenmaier veröffentlichten 2006 unter dem Titel „Trends in 20th century drought over the continental United States“ im Magazin „Geophysical Research Letters“ ihre Arbeit, die sich mit Dürren in Amerika beschäftigte. Dabei stellten die beiden Autoren Folgendes fest:

„Droughts have, for the most part, become shorter, less frequent, and cover a smaller portion of the country over the last century.“

Entgegen oft verbreiteten Schlagzeilen, wurden die Dürren Nordamerikas im 20. Jahrhundert kürzer, weniger häufig und deckten kleinere Landteile ab als gewöhnlich. Auch diesbezüglich wird uns wahrscheinlich nur die Zukunft zeigen können, ob der teilweise grassierende Pessimismus gerechtfertigt ist oder nicht.

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Veröffentlicht in Dürre & Hitze. 1 Comment »

Eine Antwort to “Mehr zu amerikanischen Dürren”

  1. Nils Simon Says:

    „Nach der Dürre um 1930 herum (die 30er-Jahre waren in Nordamerika aussergewöhnlich warm), stabilisierte sich die Wasserführung des Colorado River wieder auf dem langjährigen Mittelwert – trotz der bemerkenswerten Erwärmung der letzten Jahrzehnte.“

    Zwei Dinge sind dazu anzumerken:
    1) Welche Rolle haben bei der Entwicklung des Wasserstandes wohl die zahlreichen Dämme am Colorado River gespielt, darunter der 1935 fertiggestellte Hooover Dam? Aus Wikipedia: „Since the completion of the dams, the majority of the river in normal hydrologic years is diverted for agricultural and municipal water supply.“ Ich würde folglich spätestens seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen massiven anthropogenen Einfluss auf die geführte Wassermenge vermuten. Ist das berücksichtigt worden? Meko et al. 2007 (PDF) scheinen ihre Baumstämme zumindest weitgehend vom Oberlauf des Colorado gesammelt zu haben, da wäre der Einfluss geringer.

    2) Dazu spielt aber auch die zunehmende Gletscherschmelze eine Rolle für die vom Colorado River geführte Wassermenge. Wie der National Resources Defense Council zusammenfasst (PDF):
    „The Colorado River Basin, which stretches from Wyoming to Mexico and includes parts of Arizona, California, Colorado, Nevada, New Mexico, and Utah, is the epicenter of the hotter and drier climate changes underway in the West. Since the late 1970s, the basin has warmed more than any other region in the contiguous United States, and the river basin’s snowpacks are now melting faster than before, as recent spring snowpacks have shrunk more quickly than they used to. These changes have contributed to reductions in what matters most in this basin: the volume of water in the Colorado River. The years 2000 through 2004 were the first five consecutive years of below-average flow since the start of modern records. The Colorado River’s two main reservoirs, Lake Powell and Lake Mead, are now only 45 and 50 percent full, respectively. It could take 15 to 20 consecutive years of what used to be
    normal inflow to refill them to capacity.“

    Zwei wichtige Elemente, die in der Diskussion oben leider fehlen.

    [Die Diskussion kann und soll ja aber auch hier in der Kommentarsektion (weiter-)geführt werden 😉

    Deine eingebrachten Punkte sind wie immer gerechtfertigt und bereichernd. Zu Einwand 1) muss ich zugegebenermassen eingestehen, dass ich den Einfluss von Dämmen einfach vergessen habe. Dabei zeigte doch erst kürzlich die Studie von Chao et al., wie Staudämme sogar die globale Meeresspiegelerhöhung beeinträchtig(t)en. Wie dem auch sei, Du hast ja schon erwähnt, dass Meko et al. per Baumringdaten den Wasserfluss rekonstruierten und diese vom Great Basin und dem Colorado Plateau stammen, wo der Einfluss der Dämme weniger gross ausfallen dürfte. Doch abgesehen davon: Die Staudämme halten Wasser zurück, was doch eigentlich heisst, der Durchfluss wäre ohne diese Dämme grösser? Oder würden dann die von Dir in Punkt 2) angesprochenen Reservoire (Lake Powell und Lake Mead) noch weniger gut gefüllt? So oder so: Die (zu) intensive Wassernutzung ist sicherlich der Kern des Problems.

    Inwiefern Meko et al. die anthropogene Beeinflussung durch Dämme oder die veränderte Schneeschmelze berücksichtigten, kann ich Dir auch nicht sagen. Wie immer ist die Email-Adresse des Autors aber sicherlich leicht auffindbar. Zur Snowpack-Debatte (auch wenn nicht ganz im Einzugsgebiet des Colorado Rivers, sondern leicht westlicher), wurde übrigens kürzlich ein interessanter Artikel veröffentlicht. Climate Review.]


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