Im Süden was Neues

Dass sich die Antarktis bisweilen auch globalen Trends widersetzt und entgegen der globalen Erwärmung keinen eindeutig positiven Temperaturtrend aufweisen kann, ist schon seit geraumer Zeit bekannt.

Anfangs letzter Woche verbreitete sich eine Meldung bezüglich der Antarktis aber wie ein Lauffeuer. Für einmal wurde überraschend sachlich über diese Thematik berichtet.

Der Grund für die Aufregung waren die neusten Daten von Forschern des Alfred-Wegener-Instituts für Polarforschung. In einer Pressemitteilung informierte das AWI über die Erkenntnisse der Polarstern-Expedition, in welche 58 Wissenschaftler aus zehn Ländern involviert waren. Unter anderem aktualisierte das AWI auch die Temperatur-Messwerte des antarktischen Meeres. Dabei zeigten die Messdaten, dass sich die Tiefsee (~4’000 Meter) nach jahrelanger Erwärmung in den letzten Jahren abkühlte. Daraus lässt sich selbstverständlich keine Trendwende ableiten, aber für Aufregung sorgte die Meldung dennoch. In der Pressemitteilung heisst es wörtlich:

„Ob der kalte antarktische Sommer einen neuen Trend einleitet oder nur ein „Ausrutscher“ war, wird mittels autonomer Messbojen in den nächsten Jahren weiter verfolgt.“

Obwohl sich die Abkühlung im Hundertstel-Grad-Bereich abspielt, kamen die Ergebnisse für die Wissenschaftler überraschend. Bekannterweise verzeichnete die Antarktis im Sommer 2007 eine Rekord-Eisbedeckung, jetzt stellte man also fest, dass sich die Temperatur der trägen Wassermassen in der antarktischen Tiefsee gesenkt hat. Genaueres zu der Eismengen-Entwicklung der Antarktis zeigte Climate Review [hier] auf.

Doch das AWI machte auch noch andersweitig auf sich aufmerksam. Der Spiegel-Online berichtete am 18. April über neue Erkenntnisse, die an der EGU-Tagung (European Geophysical Union) in Wien vorgestellt wurden. Dabei zitierte Spiegel-Online P. Huybrechts (Gast-Wissenschaftler am AWI für Polarforschung und Professor für Glaziologie und Klimatologie) wie folgt:

„Wir waren selbst überrascht, dass der Rückkopplungseffekt so stark ist.“

Mit „Rückkkopplungseffekt“ ist für einmal nicht eine positive Rückkopplung gemeint – welche eine Erwärmung verstärken würde – sondern eine negative. Im Bericht vom Spiegel heisst es dazu:

„Einen Mechanismus […], der die angestaute Hitze in Atmosphäre und Ozean wieder ablässt und das irdische Treibhaus kräftig durchlüftet.“

Die Antarktis funktioniert dabei als eine Art „globale Klimaanlage“. Die eben beschriebene Wirkung wird allerdings erst in etwa 3’000 Jahren eintreten und sich vorwiegend auf die Südhemisphäre beschränken. Zudem hätte das Abschmelzen grosser Eismassen (welches notwendig ist, dass diese negative Rückkoppelung anspringt) einen sehr dramatischen Anstieg des Meeresspiegels zur Folge. Dennoch sind die Entdeckungen ein Indiz für bisher noch unbekannte Selbstregulierungsmechanismen des globalen Klimasystems. 

Es scheint, als gäbe es im Süden tatsächlich viel Neues.

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