Schwartz und die Klimasensitivität

Vor etwa einem Jahr stellte Stephen Schwartz vom Brookhaven National Laboratory in New York seine Arbeiten an einem interessanten Paper fertig. In seiner Studie versuchte Schwartz die Klimasensitivität auf empirischer Ebene zu erfassen, anstatt Modellrechnungen anzustellen.

Die Arbeit mit dem Namen „Heat capacity, time constant and sensitivity of Earth’s climate system“ wurde im November 2007 im „Journal of Geophysical Research“ abgedruckt.

Wer einigermassen interessiert im Bereich Klimaerwärmung ist, wird wissen, dass das IPCC die geschätzte Erwärmung bei Verdoppelung der CO2-Konzentration mit ungefähr 2-4.5°C angibt. Mehr dazu ist beispielsweise im Summary for Policymakers (SPM) auf Seite 13 zu finden.

Climate Review berichtete bereits von einer Studie der Autoren P. Chylek und U. Lohmann, deren Resultate die Wissenschaftler dazu brachten, von Klimasensitivitätswerten im unteren Bereich der IPCC-Schätzungen auszugehen. Klimamodellierer Annan war mit den angewandten Methoden nicht einverstanden und äusserte auf seinem Blog Kritik.

Die Werte von Chylek und Lohmann decken sich mit denjenigen von Schwarzt, welcher in seinem Abstract festhielt:

„The resultant equilibrium climate sensitivity, 0.30 ± 0.14 K/(W m−2), corresponds to an equilibrium temperature increase for doubled CO2 of 1.1 ± 0.5 K.“

Die Arbeit von Schwartz schlug hohe Wellen und provozierte gleich eine Vielzahl von Kommentaren anderer Forscher. Bis heute veröffentlichten Scaffeta, Foster, Annan, Schmidt und Mann sowie Knutti, Krähenmann, Frame und Allen ihre eigene Sicht der Dinge. Wie in wissenschaftlichen Kontroversen so üblich, forumlierte Schwartz eine kumulative Antwort auf alle drei Arbeiten, die Kritik an seiner Studie übten. Wie die Kommentare wird auch Schwartz‘ Antwort im „Journal of Geophysical Research“ veröffentlicht, in welcher er eingehend zu den kritisierten Punkten Stellung nimmt.

Lucia vom Blog „The Blackboard“ hat nicht nur die Arbeit von Schwartz angeschaut, sondern auch die veröffentlichte Kritik. Auf ihre Analyse der Kritik von Scaffeta äusserte sich dieser wie folgt:

„Lucia, thank you for a very good summary of my paper. I could not have done a better job!“

Was zeigt, dass Lucia durchaus fähig ist, die vorliegende wissenschaftliche Literatur adäquat zu verarbeiten. Selbstverständlich schlug die gegenseitige Kritik aller involvierten Personen hohe Wogen.

Um die ganze Kontroverse grob zusammenzufassen: Die Arbeit von Schwartz hat eine wissenschaftliche Kontroverse ausgelöst und einige Forscher dazu stimuliert, sich mit der empirischen Bestimmung der Klimasensitivität auseinanderzusetzen. Die Berechnungen von Schwartz sind (und müssen es auch sein) abstrakte Simplifizierungen der Realität.

Schwartz‘ Arbeit ist aber bei weitem nicht die einzige, welche von Kritik begleitet wurde. Auch die Arbeit von FASM08 (Foster, Annan, Schmidt und Mann) gab Anlass für Beschwerden. Von vier Kritikpunkten seien zwei vollkommen falsch, so Lucia:

„I’m not going to apologize for saying two of their criticisms are totally wrong. They are totally wrong.“

Und so behält wohl die – leicht abgewandelte – Redewendung Recht: „Wenn sich zwei Wissenschaftler einig sind, ist einer von ihnen keiner.“

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Veröffentlicht in Klimasensitivität. 1 Comment »

Eine Antwort to “Schwartz und die Klimasensitivität”

  1. IqRS Says:

    Kann es sein, dass dir hier ein Fehler bei der Klimasensitivtät unterlaufen ist?

    Wer einigermassen interessiert im Bereich Klimaerwärmung ist, wird wissen, dass das IPCC die geschätzte Erwärmung bei Verdoppelung der CO2-Konzentration mit ungefähr 1.5-6°C angibt.

    Die Klimasensitivtät wird in AR4 mit 2-4,5°C bei 2*CO2 angegeben (in TAR waren es 1,5-4,5°C). Zu finden ist die Klimasensitivität ab S. 629.


    Wobei Angaben im niedrigen Wertebereich nur bei einer verhältnismässig unrealistischen Verminderung der CO2-Emissionen erreicht werden könnten.

    Das verstehe ich nicht. Die Klimasensitivtät gibt die Temperaturreaktion im Gleichgewicht auf eine Verdopplung der CO2-Konzentration an. Was hat das mit Verminderung von CO2-Emissionen zu tun? Bei einer niedrigen Klimasensitivtät müssten wir die CO2-Emissionen außerdem weniger stark senken als bei einer hohen um ein bestimmtes Erwärmungziel zu erreichen (weil das Klima weniger „stark auf das CO2 reagiert“).

    Climate Review berichtete bereits von einer Studie der Autoren P. Chylek und U. Lohmann, deren Resultate die Wissenschaftler dazu brachten, von Klimasensitivitätswerten im unteren Bereich der IPCC-Schätzungen auszugehen.

    Seit über 30 Jahren wird intensiv an der Thematik geforscht (mal nach „Charney Report“ von 1979 googlen). Warum sollte eine einzige Studie, die auch noch umstritten ist, zu einer völligen Neuausrichtung führen?

    Zu Schwartz kann ich nur den Blog von Annan empfehlen:
    http://julesandjames.blogspot.com/2008/05/comments-about-comments.html#comments

    Dort schreibt er u.a. (und nimmt auch zu Lucia Stellung (“
    So, if Lucia does her homework properly, she ought to get there in the end. Whether or not she will have the manners to retract her stupid statement that „two of the criticisms are flat out wrong“ (in our comment) remains to be seen.“). Wer ist das bitte?):
    „It is curious how sceptics are quick to dismiss numerical models that actually represent the broad details of the atmospheric and oceanic circulations reasonably well, in favour of some simple approximations that make no attempt to do so. The issue here of course is not whether the models are „correct“, but whether a method that makes no detailed assumptions about the behaviour of the climate system (only really requiring that it conserves energy) can actually diagnose the behaviour of any system, simple or complex. Schwartz‘ and Scafetta’s various methods fail dismally on all counts.“

    [Tatsächlich. Vor lauter Meeresspiegel-2100-Szenarien schaute ich die verschiedenen Szenarien (B1, A1T etc.) an, anstatt tatsächlich die Klimasensitivität zu betrachten. Vielen Dank, dass Du mich auch diesen peinlichen Lapsus aufmerksam gemacht hast.

    Beschäftigen tut man sich ja schon seit längerem mit der Klimasensitivität. Nichtzuletzt auch Arrhenius schätzte ganz gut die grobe Klimasensitivität. Ich kann mich nicht erinnern, irgendwo gesagt zu haben, dass diese Studie zu einer „völligen Neuausrichtung“ führt. Sinn und Zweck der Beiträge auf Climate Review ist – wie in „Über Climate Review“ erwähnt – auch kontroversen Studien Publizität zu bieten. Wobei das Paper natürlich auch gewisse Standards erfüllen sollte (mindestens in einem wissenschaftlichen Journal veröffentlicht beispielsweise). Die Kontroverse, die Du noch tiefer beschreibst, habe ich meines Erachtens genügend angeschnitten. Da mein (und ich nehme auch an Dein) Wissen nicht ausreicht um selbstständig entscheiden zu können, wer Recht in dieser Debatte hat, einigen wir uns am besten darauf, dass sich anscheinend niemand einigen kann. Climate Review.]


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