Kosmische Strahlung

Der letzte Beitrag liegt doch schon einige Tage zurück, was aber weniger mit mangelndem Interesse zu tun hat, als vielmehr mit steigender Beschäftigung meinerseits und der ausbleibenden Publikation von kontroversen Studien.

Deshalb soll der folgende Post querfeldein wenigstens kleinere Erkenntnisse zum Thema „kosmische Strahlung“ präsentieren.

Climate Review machte auf die Arbeit einiger französischer Forscher aufmerksam, die einen (sogar durchaus beachtlichen) Teil der Erwärmung im 20. Jahrhundert mit Trends der kosmischen Strahlung begründeten.

Im Juli 2007 veröffentlichte Q. Schiermeier einen Artikel im Magazin „Nature“, in dem er schrieb:

„The analysis shows that global warming since 1985 has been caused neither by an increase in solar radiation nor by a decrease in the flux of galactic cosmic rays.“

Womit Schiermeier aber eigentlich nicht der jüngeren Studie des französischen Teams widersprach. Dort stand nämlich:

„It suggests that solar irradiance could have been a major forcing function of climate until the mid-1980s, when “anomalous” warming becomes apparent.”

Wobei ich sowieso gemeint habe, dass das IPCC nur die Erwärmung nach 1940 auf anthropogene Ursachen (Emission von Treibhausgasen) zurückführt. Angesichts der Global Cooling-Phase nach 1940 bis circa 1970 würden also gerade mal 15 Jahre Erwärmung nach 1940 der kosmisch induzierten Erwärmung zugeschrieben. Das nimmt dem Zitat ewas an Brisanz.

Am 4. April veröffentlichte die Wissenshomepage „ScienceDaily“ einen Artikel mit dem Titel „Climate Change Is Not Caused By Cosmic Rays, According To New Research„. Die dort vorgestellte Studie stammt aus der Feder von Sloan & Wolfendale, welche beide als Physiker an zwei verschiedenen Universitäten in England beschäftigt sind, und wurde 2008 im Journal „Environmental Research Letters“ abgedruckt. Sloan und Wolfendale sagten unter anderem:

„No evidence could be found of changes in the low cloud cover from known changes in the cosmic ray ionization rate.“

Mit ihrer Studie widerlegen die beiden englischen Forscher ein von Skeptikern gern verwendetes Argument, nach dem der Rückgang der Wolkenbedeckung mit der Entwicklung kosmischer Strahlung korreliert.

Und weil ich auf Climate Review noch nie eine Arbeit von N.J. Shaviv (Hebrew University of Jerusalem) zitiert habe, will ich das hier mal nachholen. 2005 veröffentlichte Shaviv eine Arbeit im „Journal of Geophysical Research“ – [hier] ist die Studie frei erhältlich. Shaviv schrieb unter anderem:

„Subject to the above caveats and those described in the text, the CRF/climate link therefore implies that the increased solar luminosity and reduced CRF over the previous century should have contributed a warming of 0.47 ± 0.19°K, while the rest should be mainly attributed to anthropogenic causes.“

Fast 0.5°K wäre schon ein beachtlicher Anteil an der Erwärmung. Wobei die kosmische Strahlung den grösseren Anteil gehabt haben soll als die Trends der Sonnenstrahlung:

„Without any effect of cosmic rays, the increase in solar luminosity would correspond to an increased temperature of 0.16 ± 0.04°K.“

Die hochkomplizierten Berechnungen von Shaviv kann ich nicht auf ihre Richtigkeit hin beurteilen. RealClimate rezensierte einmal eine etwas ältere Arbeit von Shaviv und sparte wie gewöhnlich nicht mit Kritik.

Das Thema scheint nach wie vor interessant zu sein, selbst wenn wahrscheinlich niemand mehr ernsthaft behaupten wird, dass die Erwärmung der letzten 25 Jahre zum grössten Teil auf Trends der kosmischen Strahlung oder der Solar-Aktivität zurückzuführen ist.

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Veröffentlicht in Sonne & Magnetfeld. 1 Comment »

Eine Antwort to “Kosmische Strahlung”

  1. Nils Simon Says:

    Das Thema scheint nach wie vor interessant zu sein, selbst wenn wahrscheinlich niemand mehr ernsthaft behaupten wird, dass die Erwärmung der letzten 25 Jahre zum grössten Teil auf Trends der kosmischen Strahlung oder der Solar-Aktivität zurückzuführen ist.

    Was vermutlich daran liegt, dass beide Reihen überhaupt keinen nennenswerten Trend in der genannten Zeit aufweisen, ganz im Gegenteil zur Temperatur. Siehe hierzu auch den Beitrag auf Skeptical Science oder die sehr sehenswerte Videopräsentation von Ceth.


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