Schon wieder die Arktis

Auch dieser Beitrag behandelt nur eine, dafür sehr aktuelle, Studie.

Im Beitrag „Kurze Ergänzung“ zeigte Climate Review einen weiteren Aspekt der Kontroverse über das arktische Eisminium vom Jahr 2007 auf. Hatte die ungewöhnlich schwache Wolkenbedeckung (und die somit stärker einfallende kurzwellige Strahlung) zum überraschenden Abschmelzen der Eismassen geführt oder nicht?

Während Kay et al. zum Schluss kamen, dass oben beschriebenes Phänomen einen Beitrag zum Rekord-Minimum geleistet hat, negierten Schweiger et al. einen ebensolchen – zumindest wurde er als „nicht substanziell“ bezeichnet.

Heute erschien erneut eine Studie zum Arktis-Minimum 2007. Die Arbeit mit dem Titel „Sunlight, water, and ice: Extreme Arctic sea ice melt during the summer of 2007“ von vier amerikanischen Wissenschaftlern wurde im Journal „Geophysical Research Letters“ veröffentlicht.

Zuerst hielten Perovich et al. fest, dass das unerwartet starke Abschmelzen 2007 vor allem in der Beaufort Sea-Region stattfand:

„Ice mass balance observations demonstrate that there was an extraordinarily large amount of melting on the bottom of the ice in the Beaufort Sea in the summer of 2007.“

Auf den Grafiken des National Snow and Ice Data Center ist dieses, regional sehr starke, Abschmelzen gut erkennbar:

Das Bild links zeigt dabei die Eisfläche im September 2005, die rechte Grafik diejenige des Septembers 2007. Die Eismassen entlang Grönlands veränderten sich weitestgehend nicht, das Abschmelzen in der Beaufort Sea ist hingegen offensichtlich.

Perovich et al. schrieben dann:

„Calculations indicate that solar heating of the upper ocean was the primary source of heat for this observed enhanced Beaufort Sea bottom melting. An increase in the open water fraction resulted in a 500% positive anomaly in solar heat input to the upper ocean, triggering an ice–albedo feedback and contributing to the accelerating ice retreat.“

Die bis anhin angenommene Kopplung von ungünstigen Windverhältnissen, geringer Wolkenbedeckung, stärker einfallender Sonnenstrahlung und der, durch das Abschmelzen ausgelösten, Albedo-Veränderung scheint also weiterhin (oder wieder?) plausibel zu sein.

Der momentane Stand der Eisfläche lässt sich wie immer von Cryosphere ablesen:

Wir befinden uns schon anfangs Juni auf einem Wert, der vergleichbar mit dem Minimum des Jahres 2005 ist. Obwohl sich im Winter 2008 aussergewöhnlich viel Schnee angesammelt (beziehungsweise Eis gebildet) hat, ist ein erneutes starkes Abschmelzen wahrscheinlich, weil „junge“ Eisflächen dünner und somit anfälliger für die diversen Ursachen eines Schmelzprozesses sind. 

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Veröffentlicht in Arktis. 1 Comment »

Eine Antwort to “Schon wieder die Arktis”

  1. Arktisches Meereis auf direktem Weg zu neuer Rekordschmelze « Globale Umweltpolitik Says:

    […] Progress erschienen.] Das deutschsprachige Blog Climate Review hat sich damit hier, hier und hier […]


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