Aerosole und Erwärmung

Mittlerweile kann man es als gesicherte Tatsache betrachten, dass die unerwartet starke Temperaturzunahme im Zeitraum 1980-2000 zumindest teilweise durch die abnehmende Aerosolkonzentration mitverursacht wurde. Unter der Kategorie „Aerosole“ können entsprechende Arbeiten auch hier auf Climate Review angesehen werden.

Am 24. Juni 2008 wurde im Magazin „Geophysical Research Letters“ eine Studie von 13 Forschern veröffentlicht, die sich mit dem Zusammenhang von Aerosolen und Erwärmung auseinandersetzten.

Die angesprochene Arbeit hört auf den Titel „Aerosol and cloud effects on solar brightening and the recent rapid warming„. Das grosse Team von Forschern aus der Schweiz und Deutschland untersuchte Aerosol- sowie Sonneneinstrahlungs-Messwerte von sechs Stationen in Zentraleuropa. Seit 1980 habe sich die Temperatur in Europa um ungefähr 1°C erhöht. Diese Erhöhung sei grösser als die erwartete Temperaturzunahme durch den verstärkten Treibhauseffekt.

Die Diskrepanz zwischen den erwarteten und registrierten Werten erklärten die involvierten Forscher mit der abnehmenden Aerosol-Konzentration, durch die heute mehr Sonnenstrahlung die Erdoberfläche erreicht, als noch vor zwei Jahrzehnten. Nach Ruckstuhl et al. hat sich die Aerosol-Konzentration nämlich um satte 60% reduziert:

„The measurements show a decline in aerosol concentration of up to 60%, which have led to a statistically significant increase of solar irradiance under cloud-free skies since the 1980s.“

Der Einfluss der abnehmenden Aerosolen sei damit rund 5mal grösser als andere, indirekte Effekte von Aerosolen, wie beispielsweise der Einfluss auf die Wolkenbildung. Den ungefähren Wert des „solar brightening“ beziffert die Studie mit ∼+1 W m−2 dec−1. In der Arbeit von Ruckstuhl et al. heisst es weiter:

„The overall aerosol and cloud induced surface climate forcing […] has most probably strongly contributed to the recent rapid warming in Europe.“

Eine ganz ähnliche Studie wurde bereits vor einem Jahr ebenfalls im Journal „Geophysical Research Letters“ veröffentlicht. Die Autoren sind am Institute for Atmospheric and Climate Science an der ETH Zürich tätig und zum Teil Co-Autor der obigen Studie. In der Untersuchung mit dem Titel „Impact of global dimming and brightening on global warming“ erörterten Wild et al. ganz ähnliche Zusammenhänge wie bereits erwähnt. Unter anderem fiel folgende Grafik auf:

Sehr lesenswert sind auch die im Kapitel „Summary“ gezogenen Schlüsse.

Aus diesen Untersuchungen geht vor allem eines hervor: Die ganze Maskierungsproblematik und Überlagerungen durch natürliche Variabilität erschweren eine exakte Bestimmung der Klimasensitivität enorm – beziehungsweise verunmöglichen diese sogar. Durch das gegenseitige Verrechnen der jeweiligen Effekte (wie dies auch vom IPCC gemacht wurde) kann man sich realistischen Werten annähern, einen endgültig richtigen Wert wird dabei aber niemals resultieren.

Advertisements
Veröffentlicht in Aerosole. Leave a Comment »

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: