Wetterextreme und Todesopfer

In der Kategorie „Gesundheit“ stellte Climate Review bereits einige Studien zum Thema wetterbedingte Todesopfer vor. In weiteren Recherchen stiess ich auf eine Arbeit mit dem Titel „Death and Death Rates Due to Extreme Weather Events„.

Der Autor beschäftigte sich mit globalen und amerikanischen Trends von Menschen, die im Zeitraum 1900-2006 durch Wetterextreme ums Leben gekommen sind,

Quellenkritisch anzumerken ist zu Beginn, dass der Autor Dr. Indur M. Goklany schon einige Bücher beim Verleger „Cato Institute“ veröffentlicht hat. Das Cato Institute ist ein liberaler Think-Tank und steht – gemäss Wikipedia – einer anthropogenen Komponente der Klimaerwärmung sehr kritisch gegenüber. Der erläuterte Bericht wurde zudem von einer Organisation mit dem Namen „CSCCC“ (Civil Society Coalition on Climate Change) publiziert. Sicherlich kein Hort von Leuten, deren politische Agenda von CO2-Emissionsreduktionsbestrebungen gekennzeichnet ist. Nichtsdestotrotz ist der Bericht lesenswert und informativ, den Wahrheitsgehalt desselbigen kann ich aber derzeit nicht genauer überprüfen.

Goklany verwendete für seine Vergleiche Daten des World Resources Institue (WRI), der Emergency Events Database (EM-DAT) sowie dem Werk „Atlas of World Population“ (das in einem Review [hier] gelobt wird) von den Autoren McEvedy und Jones.

Der Autor kam zum Schluss, dass die Todesopfer von Wetterextremen global seit 1920 markant (über 90%) abgenommen hat. Die grössten Fortschritte seien im Bereich der Flut- und Dürrekatastrophen gemacht worden:

„The largest improvements came from declines in mortality due to droughts and floods, which apparently were responsible for 93 percent of all deaths caused by extreme events during the 20th Century.“

Das Resultat der Studie von Goklany ist unter anderem folgender Grafik zu entnehmen:

Goklany schreibt zudem, dass in der Kategorie Windstürme kein genauer Trend festgestellt werden kann:

„For windstorms, which, at 6 percent, contributed most of the remaining fatalities, mortality rates are also lower today but there are no clear trends for mortality.“

Wie die Entwicklung seit 1979 in den USA aussieht, hielt Dr. Goklany in dieser Grafik fest:

Zu erkennen ist also auch in dieser Arbeit ein negativer Trend in der Anzahl der Todesopfer infolge von Umweltkatastrophen. Diese Tatsache führte Goklany zu dem Schluss, dass – falls Wetterextreme tatsächlich in ihrer Frequenz zugenommen haben – die Anpassung der Menschen stets schneller erfolgte:

„Nevertheless, the decline in deaths and death rates from extreme events indicates that if the frequencies, intensities and durations of extreme events have increased, then adaptive capacity has evolved even faster.“

Erneut entkräftigte eine Untersuchung also pessimistische Befürchtungen, nach denen die Anzahl Klimatoter in Zukunft markant ansteigen wird. Selbst wenn dies der Fall wäre, so würde eine Betrachtung der reinen Anzahl nicht genügen, sondern müsste stets in den Gesamtbevölkerungskontext gestellt und möglicherweise gar der demografischen Entwicklung (beispielsweise der (Über-)Alterung der Gesellschaft) angepasst werden.

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Veröffentlicht in Gesundheit. 1 Comment »

Eine Antwort to “Wetterextreme und Todesopfer”

  1. Nils Simon Says:

    Wie kommen denn diese sehr merkwürdigen Sprünge zwischen 1900-1909/1910-1919 und 1920-1929ff. in Figur 1 zustande? Da hat sich binnen eines Jahrzehnts die Todesrate locker versiebzehnfacht, um dann langsam wieder zu sinken.

    [Gute Frage. Ich halte es für plausibel, dass die Sprünge mit der (Un-)Vollständigkeit der verwendeten Datensätzen zusammenhängen könnten. Goklany schreibt ja im Kapitel „Notes“ zur Figur 1:

    „As is evident from the following footnote, EM-DAT is not quite complete. While events in the earlier years might have been missed, EM-DAT should have captured the major natural disasters, particularly in recent years. This suggests that mortality and mortality rates might have been higher in the early decades of the 20th century than is indicated in Figure 1, and subsequent figures and tables.“

    Aufgrund der Transparenz von Goklany und den verwendeten Datenquellen (die Quelle EM-DAT wird beispielsweise von der Université Catholique de Louvain in Brüssel betrieben), halte zumindest ich den oben formulierten Erklärungsansatz für wahrscheinlicher, als eine versteckte Intention des Autors. Climate Review.]


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