Im Süden noch mehr Neues

So langsam aber sicher macht sich mit der zunehmenden Hitze in Europa der Sommer bemerkbar. Aus wissenschaftlicher Sicht ist dabei vor allem die Frage interessant, ob die Arktis erneut so stark abschmelzen wird wie im letzten Jahr. Darüber wurde auch in der deutschen Blogosphäre ausgiebig diskutiert.

In der Hitze des Gefechts besteht die Gefahr, die Entwicklung am Südpol ein wenig zu vernachlässigen. Dem will der folgende Beitrag entgegenwirken.

Wer sich ein wenig für die Klimadiskussion interessiert, dem wird die gegenteilige Entwicklung der Eisflächen der Arktis und der Antarktis nicht entgangen sein. Dennoch erscheinen in regelmässigen Abständen Arbeiten, die manchen Leuten das Bild einer schmelzenden Antarktis suggerieren. Die Arbeiten von Cook et al., Rignot et al. oder Monaghan et al. implizierten Medien teilweise, dass es um das Eis der Antarktis nicht gut stehe. Ein ganz schönes Beispiel dafür bietet ein Artikel der „Huffington Post“ mit dem Titel „Antarctic Ice Loss Jumps 75% in One Year!„.

Am 1. Juli 2008 wurde nun eine Studie zweier Forscher des NASA Goddard Instituts im „Journal of Geophysical Research“ veröffentlicht. Die Arbeit trägt den analytisch-nüchternen Titel „Antarctic sea ice variability and trends, 1979–2006“ und beschäftigt sich sinnigerweise mit der Entwicklung der antarktischen Eismassen. Cavalieri und Parkinson verwendeten für ihre Analyse Satellitenaufzeichnungen und stellten eine Zunahme des antarktischen Eises fest:

„The total Antarctic sea ice extent trend increased slightly, from 0.96 ± 0.61% decade−1 to 1.0 ± 0.4% decade−1[…]“

Die Autoren unterteilten die Eismassen der Südhemisphäre in fünf Teile: Weddell Sea, Indian Ocean, western Pacific Ocean, Ross Sea und Bellingshausen/Amundsen seas. Die verschiedenen Sektoren entwickelten sich teilweise unterschiedlich. Cavalieri und Parkinson registrierten mehrheitlich positive Trends, die aber in den letzten Jahren weniger gross ausgefallen sind. Trotzdem, die beiden Wissenschaftler konnten in der Region „Indian Ocean“ gar einen Wechsel von negativ zu positiv ausmachen:

„[…] and a shift from a negative trend to a positive trend for the Indian Ocean (1.9 ± 1.4% decade−1) sector.“

Eine andere Arbeit zur Antarktis stammt aus der Feder von Vesa Laine vom Finnish Meteorological Institute und trägt den Titel „Antarctic ice sheet and sea ice regional albedo and temperature change, 1981–2000, from AVHRR Polar Pathfinder data„. Die Studie wurde 2008 im Magazin „Remote Sensing of Environment“ abgedruckt und war schon etwa 2 Wochen zur Bearbeitung in meinen Favoriten gespeichert, nur damit ich heute bemerken muss, dass sich „World Climate Report“ der Studie angenommen hat. Kurz gesagt fand der Autor V. Laine hauptsächlich positive Trends in der „sea ice concentration“ der Antarktis und keinen signifikanten Trend im Indikator „sea ice extent“. Die Temperaturen der Antarktis zeigten ebenfalls keine eindeutige Entwicklung: Während die Messstation „Marble Point“ in den letzten Jahren abkühlte, zeigten die beiden anderen Stationen (Vostok und South Pole) keine nennenswerten Veränderungen. Die Veränderung der Temperatur im Zeitraum 1981-2000 illustrierte Vaine mit der folgenden Grafik:

Dabei ist auffällig, wie vor allem die Küsten abkühlten. Ansonsten gehen Erwärmung und Abkühlung Hand in Hand.

Konklusion: Die Antarktis schmilzt regional, gewinnt partiell an Eis und der gesamte Trend ist leicht positiv. Das wussten wir eigentlich schon dank den Grafiken von „Cryosphere„, nun wurde diese Tatsache aber zusätzlich in wissenschaftlichen Magazinen festgehalten.

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