Lindzens Iris

Das Thema ist ein wenig altbacken und geriet schon fast in Vergessenheit. Irgendwann um die Jahrtausendwende beschäftigte sich der prominente Klimaskeptiker Richard Lindzen (Professor für Meteorologie am MIT) mit einem Effekt, den er als „infrared iris“ betitelte.

Um was handelt es sich bei dieser Iris und was ist von Lindzens These zu halten?

Lindzen und zwei Kollegen veröffentlichten 2001 im „Bulletin of the American Meteorological Society“ ihre aktuellste Untersuchung mit dem Titel „Does the Earth Have an Adaptive Infrared Iris?„. Die Studie sorgte für viel Wirbel, da sie die Auswirkungen von CO2 und die bisher bekannten Klimasensitivitätswerte deutlich nach unten korrigierte. Lindzen et al. glaubten einen stark negativen Rückkopplungseffekt gefunden zu haben. Wenn die Temperaturen steigen, erwärmt sich die Wasseroberfläche des Pazifiks. Es verdunstet mehr Wasser, die Effizienz der Niederschlagsbildung verändert sich und die Cirrusbildung nimmt ab. Durch die gesunkene Fläche, die von Cirruswolken bedeckt ist, kann mehr Energie den Planeten verlassen. So beschreibt es jedenfalls ein Artikel von „Science Daily„:

„The authors propose that higher ocean surface temperatures directly cause the decline in cirrus clouds by changing the dynamics of cloud formation and rainfall. […] A decrease in cirrus cloud area would have a cooling effect by allowing more heat energy, or infrared radiation, to leave the planet.“

Wie dir Iris des menschlichen Auges, soll sich die Infrarot-Iris über dem Pazifik bei unterschiedlichen Temperaturen öffnen beziehungsweise schliessen können.

Nachdem Lindzen et al. diesen Effekt entdeckt glaubten, versuchten andere Forscherteams die Resultate nachzuvollziehen. Ein Versuch stammte von Hartmann und Michelsen, deren Studie den prägnanten Titel „No Evidence for Iris“ trug. Die beiden Wissenschaftler fanden für die Existenz einer Iris – wie von Lindzen et al. beschrieben – keinen Beweis. Auch Chambers et al. falsifizierten in ihrer Studie „Examination of new CERES data for evidence of tropical iris feedback“ Lindzens Iris-Hypothese:

„Contrary to the initial Iris hypothesis, most of the definitions tested in this paper result in a small positive feedback. Thus, the existence of an effective infrared iris to counter greenhouse warming is not supported by the CERES data.“

Für viele schien die Sache damit vom Tisch zu sein, zumal Lindzen keinen empirischen Beweis für die Existenz einer Iris aufbringen konnte und immer genauere paleoklimatische Untersuchungen den von Lindzen gezogenen Schlüssen widersprachen. Doch im November 2007 erschien eine Studie im Journal „Geophysical Research Letters“, an der unter anderem auch die skeptisch veranlagten Roy Spencer und John Christy mitarbeiteten. Die Arbeit trug den unspektakulären Titel „Cloud and radiation budget changes associated with tropical intraseasonal oscillations“ und wurde ebenfalls auf Science Daily vorgestellt. Die vier Wissenschaftler stellten – entgegen ihren Erwartungen und den Implikationen von Klimamodellen – fest, dass sich die Flächendeckung von Cirrus-Wolken verringert hatte. Die Forscher sagten gegenüber Science Daily:

„What we found in month-to-month fluctuations of the tropical climate system was a strongly negative feedback. As the tropical atmosphere warms, cirrus clouds decrease. That allows more infrared heat to escape from the atmosphere to outer space.“

Ziemlich zentral dürfte dabei auch die folgende Grafik sein:

Im Kapitel „Discussion and Conclusions“ ihrer Studie schrieben die vier Amerikaner dann auch:

„This decrease in ice cloud coverage is nominally supportive of Lindzen’s „infrared iris“ hypothesis.“

War das der bisher fehlende empirische Beweis für Lindzens Iris-Hypothese? Ich kann es nicht beurteilen. Die Reviewer der Studie von Spencer et al. fanden anscheinend keine (schwerwiegenden) Fehler und segneten die Arbeit zur Publikation im respektierten Magazin „Geophysical Research Letters“ ab. Drüben auf RealClimate sah man das nicht so. Raypierre schrieb – ohne genaue Erläuterung notabene – zu Spencer et al.:

[…] his paper on tropical clouds which is widely misquoted as supporting Lindzen’s IRIS conjecture regarding stabilizing cloud feedback.“

Wie auch immer: Die Iris-Debatte durchlebt nach sechs Jahren in der Versenkung gerade ihr Revival.

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