Was macht Grönland?

Auch Grönland erwärmt sich und Messungen legen nahe, dass das Eis Grönlands schmilzt. Wissenschaftler beschäftigen sich vor allem mit der Frage, wo sich das Eis wie verhält. Dabei kommen teilweise sehr unterschiedliche Resultate zu Tage.

Was macht Grönland also? Ein Überblick.

Grönland scheint sich in einer Warmphase zu befinden, allerdings in keiner einzigartigen. Schon während den 30er-Jahren soll sich Grönland erwärmt haben und zwar schneller als heute. Die Temperatur-Höchstwerte befinden sich heute etwa auf dem Niveau der 30er-Jahre. Dies sagten jedenfalls Chylek et al. 2006 im Journal „Geophysical Research Letters“:

„We find that the current Greenland warming is not unprecedented in recent Greenland history. Temperature increases in the two warming periods are of a similar magnitude, however, the rate of warming in 1920–1930 was about 50% higher than that in 1995–2005.“

Zu einem ähnlichen Schluss kamen Vinther et al. ebenfalls im Jahr 2006. Das bisher wärmste Jahr in den Aufzeichnungen sei 1941.

Von Interesse ist aber vorwiegend das Schmelzverhalten des Grönlandeises, denn dieses beeinflusst in nicht unwesentlichem Ausmasse die Meeresspiegelerhöhung. 2002 berichteten Zwally et al. im „Science“ von einer beschleunigten Schmelze der Eismassen Grönlands. Die Geschichte ist bekannt: Schmelzwasserflüsse bohren sich durch den Eispanzer, bahnen sich dann den Weg hangabwärts in Richtung Meer und sorgen damit für ein beschleunigtes Abrutschen der Eismassen. Deshalb – und natürlich wegen der Erwärmung – verdopple sich der Abfluss von Schmelzwasser bis 2100, so eine Studie von Mernild et al. aus dem Jahr 2008.

Andere Untersuchungen ergaben ähnlich gegensätzliche Resultate, wie sie schon die Antarktis zeigte. So schmolz gemäss Johannessen et al. (2005) der Eispanzer unter einer Höhe von 1500 Meter mit 2.0cm/Jahr, während sich die Gebiete über 1500 Meter um 6.4cm pro Jahr erhöhten. Schlussendlich erhielten die vier Wissenschaftler sogar einen positiven Trend:

„Averaged over the study area, the increase is 5.4 ± 0.2 cm/year, or ~60 cm over 11 years, or ~54 cm when corrected for isostatic uplift.“ 

Ganz aktuell ist eine Studie von van de Wal et al. aus dem Magazin „Science“. In der Arbeit der sieben Forscher hiess es nämlich:

„Over a longer period of 17 years, annual ice velocities have decreased slightly, which suggests that the englacial hydraulic system adjusts constantly to the variable meltwater input, which results in a more or less constant ice flux over the years.“

Klimawissenschaftler und Blogger W.M. Connolley sah sich in seiner Meinung bekräftigt, dass Grönland nicht so kurz vor einem Kollaps steht, wie uns manche Berichte nahe legen wollen. Die Studie wurde auch vom Umweltkorrespondent der NY-Times aufgeschnappt und diskutiert.

Eine andere interessante Erkenntnis wurde im Zuge des letzten AGU-Meetings erwähnt. Forscher Ralph von Frese von der Ohio State University entdeckte mit seinen Kollegen einen Hotspot unter Grönland, der für einen Teil des Schmelzprozesses verantwortlich sein könnte. Das Online-Magazin „LiveScience“ schrieb:

„The newly discovered hotspot, an area where Earth’s crust is thinner, allowing hot magma from Earth’s mantle to come closer to the surface, is just below the ice sheet and could have caused it to form, von Frese and his team suggest.“

Climate Review begutachtet verschiedenste Aspekte der Klimaerwärmung und deren Folgen kritisch, zweifelt aber nicht am Sinn von CO2-Emissionsreduktionen. Auch Grönland scheint für eine solche Haltung ein gutes Beispiel zu sein.

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Veröffentlicht in Grönland. 1 Comment »

Eine Antwort to “Was macht Grönland?”

  1. wflamme Says:

    Betr. Geothermie unter Grönland … da hätte ich mir ja gerne etwas handfesteres gewünscht. Der verlinkte Artikel jedenfalls macht aus einer Hypothese kurzerhand eine Entdeckung – damit bekommt er von mit erstmal den Stempel ‚unseriös‘ aufgedrückt, bis zum Beweis des Gegenteils.

    [Da bin ich vollkommen einverstanden. LiveScience macht aus der vage formulierten Hypothese eine ziemlich konkrete Aussage. Das ist schade, scheint aber nicht unüblich zu sein. Konkretere Auseinandersetzungen gab es diesbezüglich am AGU-Meeting im Herbst 2007. Ich fand dazu den (leider sehr kurzen) Abstract von van der Frese et al., dort steht:

    „However, crustal thinning can also enhance heat flow because the relatively thermally conductive mantle is closer to the surface. In addition to incised topography, relatively shallow Moho also occurs beneath the northeast quadrant of the Greenland Ice Sheet. We made regional three-dimensional thermal models that include the effects of topographic and mantle relief. These effects can strongly enhance the heat flux at the base of the ice sheet.“

    In meinen Augen einfach ein zusätzlicher Erklärungsansatz, den es eigentlich weiter zu untersuchen gilt. Climate Review.]


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