Hurrikan-Mix Vol. 3

Die Hurrikansaison 2008 wurde von „Dolly“ so richtig eingeläutet und die beeindruckende Kraft dieser Stürme ist nun wieder omnipräsent in den Medien zu bewundern. „Dolly“ reiht sich hinter „Bertha“ als zweiter Hurrikan in die Annalen der atlantischen Hurrikansaison 2008 ein.

P. Klotzbach und W. Gray vom NOAA sagten eine überdurchschnittlich aktive Hurrikansaison voraus. Kritisch anzumerken bleibt, dass die Hurrikanaktivität der beiden letzten Jahre stets unter den Werten der jeweiligen Prognosen lagen.

Die aktuelle Saison ist aber in diesem Beitrag gar nicht weiter von Interesse. Vielmehr sollen wieder einmal drei Hurrikanstudien begutachtet werden – chronlogisch gegliedert und mit der aktuellsten beginnend.

1. Ein internationales Team von Wissenschaftlern veröffentlichte am 24. Juli 2008 eine Studie mit einer Rekonstruktion der Hurrikanaktivität in Boston (Massachusetts), die ganze 1000 Jahre zurückreicht. Die Studie wurde im Journal „Geophysical Research Letters“ publiziert und ist [hier] frei als .pdf verfügbar.

Besonen et al. analysierten Sedimentschichten des Lower Mystic Lake und rekonstruierten so die Hurrikanaktivität früherer Jahre. Die Resultate der Forscher zeigten starke Schwankungen in der Häufigkeit von Hurrikans und eine niedrigere Anzahl in den jüngsten Jahrhunderten:

„The hurricane signal shows strong, centennial-scale variations in frequency with a period of increased activity between the 12th–16th centuries, and decreased activity during the 11th and 17th–19th centuries.“

Die beschriebene Entwicklung kann auch folgender Grafik entnommen werden:

Den Grund für diese starken Schwankungen sahen Besonen et al. in unterschiedlichen Temperaturen der Wasseroberflächen im Atlantik und dem Pazifik.

2. Ebenfalls im Magazin „Geophysical Research Letters“ veröffentlichten die bekannten Skeptiker Michaels, Knappenberger und Davis 2006 eine Arbeit mit dem Titel „Sea-surface temperatures and tropical cyclones in the Atlantic basin„.

Michaels et al. beschäftigten sich intensiv mit dem Zusammenhang von Wassertemperatur und der Hurrikanfrequenz und -intensität. Ihre Arbeit führte die Forscher zur Konklusion, dass schwere Hurrikans zukünftig zwar häufiger auftreten könnten, aber nicht zusätzlich an Intensität gewinnen:

„This suggests that rising SST will act to increase the percentage of major hurricanes but not change the ultimate intensity of these storm systems.“

Der von Michaels et al. gefundene Zusammenhang zwischen Wassertemperatur und der Stärke von Hurrikans war nicht linear, sondern zeichnete sich durch diverse Komplexitäten aus. Konsequenterweise folgerten Michaels et al.:

„These findings highlight the complex nature of hurricane development and weaken the notion of a simple cause-and-effect relationship between rising SST and stronger Atlantic hurricanes.“

Zentral dürfte dabei folgende Grafik sein:

3. In der Septemberausgabe der Journals „Annals of the Association of American Geographers“ veröffentlichten Forscher der Louisiana State University und der University of Hong Kong eine Studie über die Taifun-Geschichte in Guangdong, Südchina. In ihrer Untersuchung stellten sie fest, dass Guangdong vor allem in Kälteperioden häufiger von Taifunen heimgesucht wurde:

„Remarkably, the two periods of most frequent typhoon strikes in Guangdong (AD 1660–1680, 1850–1880) coincide with two of the coldest and driest periods in northern and central China during the Little Ice Age.“

Anscheinend veränderten Temperaturdifferenzen die Taifun-Route. Liu et al. fanden zudem natürliche Zyklen in der Hurrikan-Frequenz:

„Spectral analysis of the Guangdong time series reveals an approximately fifty-year cycle in typhoon landfall frequency.“

Für den regelmässigen Leser von Climate Review sind diese Erkenntnisse keinewegs neu. Viele andere Personen (mitunter Journalisten und andere Meinungsmacher) erliegen leider oft der Verführung der Monokausalität und suggerieren damit ein falsches Bild der Wissenschaft.

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