Wieder: Hurrikans

Die Kategorie „Hurrikans“ gehört zu einer der bestgefülltesten auf Climate Review. Kein Wunder: Kaum ein Ereignis wurde öfters in Verbindung gebracht mit der globalen Erwärmung und über kein Thema wurde so heftig diskutiert.

Neue Studien – Climate Review stellte bereits einige vor – legten nun nahe, dass die genaue Anzahl Hurrikans selbst in den Aufzeichnungen des letzten Jahrhunderts eine grosse Unbekannte ist.

Erst seit kurzer Zeit werden alle Stürme (auch diejenige, die sich wieder über dem Meer auflösen) auch tatsächlich aufgezeichnet – Satelliten sei Dank. Früher war man auf die Beobachtungen von Schiffen angewiesen, wobei auf der Hand liegen dürfte, dass eine vollständige Erfassung aller Stürme unmöglich war. Aufgrund dieser Tatsache ist die Vergleichbarkeit der Hurrikan-Daten von vor/nach Beginn der Satelliten-Ära stark eingeschränkt. Auch auf Climate Audit widmete man sich schon dieser Problematik. Die kleinen, früher wahrscheinlich unbemerkten, Stürme bekamen den Namen „Tiny Tim“.

Davon abgesehen, dass frühere Beiträge auf Climate Review gezeigt haben, was für falsche Schlüsse Hurrikan-Studien mit einem Zeitraum von nur einem oder zwei Jahrhunderten geben können, wurde nun eine interessante Studie von Vecchi und Knutson im „Journal of Climate“ veröffentlicht. Die beiden Autoren sind bekannte Hurrikan-Experten und waren schon in eine Vielzahl wissenschaftlicher Arbeiten involviert.

Aufmerksam auf die Studie wurde ich durch eine News auf der Seite des Discovery Channels. Dort sind die Resultate der Arbeit relativ gut zusammengefasst. Zudem kam der Autor Knutson wie folgt zu Wort:

„We’re not finding much evidence that global warming is going to lead to a large increase in tropical storms in the Atlantic.“

Vecchi und Knutson bestätigten in ihrer Arbeit [hier als pdf] weitestgehend die Erkenntnisse von Chang und Guo, deren Studie hier (in Punkt 3) auf Climate Review behandelt wurde. Der korrigierte Trend für den Zeitraum 1878-2006 wurde von Vecchi und Knutson als nicht signifikant betitelt (+1.6 Sturm/Jahrhundert). Beginnt man hingegen mit der Trendrechnung erst im Jahr 1900, so ergibt sich ein klarer Trend von +4.39 Stürme pro Jahrhundert. Vecchi & Knutson bestätigten des Weiteren in ihrer Untersuchung, was schon frühere Studien (Nyberg et al., Nature 2007) gezeigt hatten: In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wies der Atlantik eine sehr unterdurchschnittliche Hurrikan-Aktivität vor, weshalb der Zeitraum 1900-2000 ungeschickt ist, um tatsächlich langfristige Aussagen über Hurrikan-Trends zu treffen.

Zusätzlich zu diesen – meist schon bekannten Erkenntnissen – stachen zwei Punkte ins Auge. 1. Scheint der Trend der Sturmtage pro Jahr im Zeitraum 1878-2006 leicht negativ (aber nicht signifikant) zu sein. 2. Verringerte sich die durchschnittliche Existenzdauer eines Sturmes von etwas über 6 auf circa 4.7 Tage:

Die Erwärmung scheint also der durchschnittlichen Existenzdauer eines Hurrikans nicht sonderlich förderlich zu sein. Vecchi und Knutson schienen sich der Brisanz dieses Resultats bewusst, zumal die Fachliteratur generell entgegengesetzter Auffasung schien: 

„This long-term decrease in TC duration in the North Atlantic runs counter to most of the nominal trends in basin-wide storm activity discussed in the literature, which tend to describe a system that is becoming […] more active over the twentieth century.“

Es bleibt wie so oft nur folgende bittere Erkenntnis: Die Daten lasssen sich schlecht vergleichen, vieles basiert auf Schätzungen und die gezogenen Schlüsse bleiben unsicher.

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