McIntyre in Sizilien

Seit dem Jubiläumsbeitrag hat sich leider nicht viel getan auf Climate Review. Das lag einerseits am Mangel von kontroversen Studien, andererseits aber auch am ausgelasteten Alltag. Beides hat sich nun gebessert, weshalb auch wieder regelmässiger Beiträge erscheinen sollten.

Den September einläuten darf ein Altbekannter: Steve McIntyre.

McIntyre dürfte jedem, der sich für die Klimadebatte interessiert, ein Begriff sein. Sein Blog Climate Audit gehört zu den meistbesuchtesten Klimablogs. Wer Climate Audit regelmässig liest, weiss, dass McIntyre trotz seiner fokussierten Betrachtungsweise über eine gesunde Einstellung zum Gesamtproblem verfügt.

Angesichts der Tatsache, dass auch Climate Review CO2-Emissionsreduktionsbestrebungen begrüsst, ist es erfreulich, dass beide Präsidentschaftskandidaten des US-Wahlkampfs die CO2-Emissionen um mindestens 60% (im Vergleich zu 1990) reduzieren wollen. Immerhin ein guter Vorsatz.

Eigentlich wollte ich bereits zur Präsentation, die McIntyre an der Ohio State University hielt, einen Beitrag verfassen. Der aktuelle Kontext – insbesondere wegen der Veröffentlichung von Michael Manns „verbesserten“ Version der berüchtigen Hockeystick-Studie – ist aber wohl noch passender. Steve McIntyre reiste kürzlich nach Sizilien zu einem Treffen der World Federation of Scientists, wo er über sein Kernthema Proxydaten und Temperaturrekonstruktionen referierte. Seine Präsentation kann [hier] betrachtet werden.

Im ersten Teil der Präsentation lieferte McIntyre seinen Zuhörerinnen und Zuhörern einen kurzen Abriss zur Hockeystick-Kontroverse. Angesichts der erst kürzlich veröffentlichten neuen Studie von Mann et al., betrachte ich diesen Teil als weniger relevant. Interessant ist vor allem der Teil „The IPCC 2007 Spaghetti Graph“ (ab Seite 8). Darin spricht McIntyre das, unter anderem von Briffa et al. entdeckte, Divergenz-Problem an (Climate Review berichtete), welches im Spaghetti-Diagramm elegant „weggelassen“ wurde.

McIntyre zeigte, dass kürzlich die Temperatur-Datensätze mehrer „key sites“ aktualisiert wurden. Die neuerem Versionen zeigen deutlich wärmere Temperaturen im Mittelalter, beziehungsweise mildere im 20. Jahrhundert. Links ist jeweils die alte Version zu sehen, rechts die neue Auswertung.

Ural:

Tornetrask:

Obwohl diese Korrekturen durch andere wissenschaftliche Arbeiten bestätigt wurden (sie sind in der verlinkten Präsentation zitiert), verzichtete das IPCC bisweilen auf eine Erwähnung derselbigen. McIntyre schrieb:

„Updated versions of Tornetrask, Urals and Sheep Mountain have opposite medievalmodern differentials to the IPCC versions. Because virtually all of the IPCC reconstructions rely on these three sites and because the framework of MWP proxies in IPCC reconstructions is so limited, changes in only 3 site versions turn out to have a knock-on impact on 9 of 10 reconstructions […]“

Dass McIntyre trotz seiner fokussierten Detailbetrachtungsweise nicht den Gesamtkontext aus den Augen verliert, müssen ihm auch seine Kritiker zugutehalten. Seine Arbeit im Bereich Temperaturrekonstruktion und deren Validierung sind sicher Wert, zumindest Notiz davon zu nehmen.

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