Alles klar beim Meeresspiegel?

In den letzten Tagen wurde die Klimakontroverse von drei Themen dominiert. Namentlich waren dies: der neu-lancierte Hockeystick, die arktische Eisausdehnung und der Meeresspiegelanstieg. In allen Medienkanälen wurden diese Aspekte der Klimadebatte angesprochen.

Nachdem der Beitrag „McIntyre in Sizilien“ den Hockeystick-Aspekt begutachtete, soll nun etwas zum Thema Meeresspiegelanstieg beigesteuert werden.

Bei der Debatte rund um die zukünftige Meeresspiegelerhöhung spielen dermassen viele Faktoren eine (mit-)entscheidende Rolle, dass verlässliche Prognosen sehr schwierig sind. So ging das IPCC im aktuellsten Sachstandbericht noch von einer Erhöhung zwischen 18 und 59cm bis zum Jahr 2100 aus. Weil in dieser Schätzung aber die grössten Unsicherheitsfaktoren (Schmelzverhalten von Grönland und der (West-)Antarktis) ausgeklammert wurden, sind die Angaben mit Vorsicht zu geniessen. Neuere Studien zeigten wenig Erfreuliches zum Schmelzverhalten der obig genannten Eisschilde, weshalb das IPCC seit einiger Zeit keine Obergrenze mehr zum Anstieg des Meeresspiegel angeben will.

Eine Arbeit von Pfeffer et al. beschäftigte sich kürzlich mit der Frage, wieviel Meeresspiegelanstieg bis zum Jahr 2100 physikalisch überhaupt möglich ist. Das Resultat: Ein Anstieg von mehr als zwei Meter kann ausgeschlossen werden:

„We consider glaciological conditions required for large sea-level rise to occur by 2100 and conclude that increases in excess of 2 meters are physically untenable.“

Beruhigend ist diese Feststellung keineswegs, erhöht sie doch die Prognosen des IPCC-Berichts dramatisch, aber sie kann – das hielt Hauptautor Tad Pfeffer auf RealClimate fest – beispielsweise einigen von James Hansens Katastrophenzenarien ihre Grundlage entziehen. Auch Stefan Rahmstorf (Science, 2007) versuchte sich kürzlich mit der Prognose des Meeresspiegelanstiegs. Seine Arbeit erhielt nicht nur vom Blogger und Statistiker Dr. Stockwell Kritik (Climate Review berichtete), sondern auch von Holgate et al. und Schmith, Johansen und Thejll.

In diese sehr belebte Debatte mischt sich nun ein weiterer bekannter Name mit ein: Hans von Storch. Zusammen mit zwei Kollegen veröffentlichte von Storch im Magazin „Climate Dynamics“ eine Studie mit dem Titel „Relationship between global mean sea-level and global mean temperature in an climate simulation of the past millennium„. Von Storch et al. entdeckten in ihrer Arbeit, dass selbst wenn nur die thermische Ausdehnung des Wassers in Betracht gezogen wird, die Beziehung zwischen Meeresspiegelanstieg und Temperatur keineswegs stets linear ist.

„[…] it has been found that a simple linear relationship between mean temperature and the rate of change of sea-level does not exist. The physic can not be reduced in this simple way, even if only the thermal expansion of the water column is considered.“

Diese Feststellung wird unter anderem mit folgender Grafik verdeutlicht:

Damit widerlegen von Storch et al. die Studie von Rahmstorf, wenngleich dessen Werte (0.5 – 1.4 Meter bis 2100) ziemlich gut in die Schätzungen von Pfeffer et al. passen. Diese schrieben:

„More plausible but still accelerated conditions lead to total sea-level rise by 2100 of about 0.8 meter.“ 

Dieser Wert ist alles andere als erfreulich, aber (hoffentlich!) realistischer als Hansens Prognosen, welcher in seiner Rede vor dem US-Kongress am 23. Juni 2008 von einem Anstieg um mindestens zwei Meter in diesem Jahrhundert sprach.

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