Der Permafrost taut

Klimainteressierte wissen es längst: Klimamodelle sind mit grossen Unsicherheiten behaftet. Das wird von niemandem bezweifelt. Wir verstehen noch bei weitem nicht alle Feedback-Prozesse, womöglich kennen wir einige noch gar nicht.

Ein oft erwähnter positiver Feedback-Prozess ist das Tauen des Permafrosts. Fängt der gefrorene Boden an zu tauen, setzt er unter anderem grosse Mengen von Methan frei – einem noch viel schädlicheren Treibhausgas als CO2.

Tatsächlich lassen sich viele Orte finden, an denen der Permafrost taut. Sei dies in den Alpen oder rund um den arktischen Kreis. Lesenswert zum Thema Permafrost ist sicherlich auch das Kapitel des UBA-Hintergrundpapiers. Inwiefern Klimamodelle das langfristige Tau-Verhalten des Permafrosts akurat modellieren, ist logischerweise nur sehr begrenzt validierbar.

In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Science“ wurde eine Studie von D. Froese et al. veröffentlicht, die diese Thematik anschnitt. Froese hat mit seinen vier Kollegen in Kanada uraltes Eis gefunden, das Einblicke in das Verhalten des Permafrosts gewährt. Das Alter der Eisblöcke wird auf über 700’000 Jahre geschätzt, was heissen würde, dass das Eis bereits mehrere Warmzeiten „überlebt“ hat. Froese et al. schrieben dazu:

„We report the presence of relict ground ice in subarctic Canada that is greater than 700,000 years old, with the implication that ground ice in this area has survived past interglaciations that were warmer and of longer duration than the present interglaciation.“

Aufgrund dieser Entdeckung folgerten Froese et al., dass der Permafrost möglicherweise langsamer auf eine Temperaturerwärmung reagiert als bisher angenommen. Gemäss Spiegel Online deckt sich diese Feststellung von Froese und seinen Kollegen mit Erkenntnissen von Forschern des Alfred-Wegener-Instituts. Inwiefern dieser Fund Rückschlüsse auf das Verhalten des Permafrosts in anderen Gegenden erlaubt, ist aber noch unklar.

Beim Lesen der Arbeit von Froese et al. musste ich zwangsweise an eine Studie aus dem Jahr 2007 von G. Delisle denken. Mir ist klar, dass sich die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (wo Delisle arbeitet) in letzter Zeit nicht durch einen gesunden Grad von Skeptizismus berühmt gemacht hat. Zudem äusserte sich Delisle in jüngster Zeit eher fragwürdig zum Thema Klimaerwärmung. Dem zum Trotz muss festgehalten werden, dass seine Arbeit im Magazin „Geophysical Research Letters“ veröffentlicht und gar als „AGU Journal Highlight“ deklariert wurde.

Delisle kam in seiner Studie zum Schluss, dass das von Lawrence & Slater (2005) und dem IPCC verwendete Klimamodell CCSM3 unrealistische Temperatursprünge produziert und andere, kühlende Einflüsse ausser Acht lässt. Auch paleoklimatische Hinweise deuten gemäss Delisle nicht auf ein baldiges Tauen des Permafrosts hin:

„Based on paleoclimatic data and in consequence of this study, it is suggested that scenarios calling for massive release of methane in the near future from degrading permafrost are questionable.“

Die Untersuchung von Delisle folgerte, dass zumindest bis zum Jahr 2100 weite Teile des Permafrosts erhalten bleiben. Diese Schlussfolgerungen (und natürlich auch die Erkenntnisse von Froese et al.) können natürlich kein Grund zur Entwarnung sein, aber womöglich zu mehr Objektivität in der oft emtionalen Klimadebatte verhelfen. 

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