Schmelzsaison ist vorbei

Der Titel besagt es: Die Schmelzsaison der Arktis ist vorbei!

Dieses Ereignis soll auch Climate Review einige Worte wert sein, wenngleich ich mich eigentlich nicht in die teils sehr detailverliebte Debatte einlassen will.

Das Jahr 2008 stellt nach 2007 das Jahr mit der zweit-geringsten Eisbedeckung seit mindestens 1979 dar. Der beschleunigte Schmelztrend der Vorjahre hat sich also bestätigt. Da der aussergewöhnlich schneereiche Winter für grosse Mengen von einjährigem Eis gesorgt hat und sich die sehr ungünstigen meteorologischen Verhältnisse aus dem Jahr 2007 nicht wiederholten, besitzt die Arktis im Moment etwa 10% mehr Eis als im Vorjahr.

So kurz könnte das Fazit ausfallen, stattdessen wird an allen Ecken der Blogosphäre gestritten. Skeptiker sehen meist nur den Eisgewinn im Vergleich zum Vorjahr, während andere (zwar zu Recht) nur den langfristigen Trend fokusieren, dabei aber ausser Acht lassen, dass halt tatsächlich einen Flächengewinn registrierbar war. Die Saison 2008 lässt sich hervorragend auf folgender Grafik des National Snow and Ice Data Center (NSIDC) mit der Saison 2007 und dem Durchschnitt der Jahre 1979-2000 vergleichen:

Auf den ersten Blick ist zu erkennen, wie deutlich auch das Jahr 2008 unter dem Durchschnitt liegt. Von einer „Erholung“ zu sprechen, wäre also klar fehl am Platz. Dass der Flächengewinn im Vergleich zum Rekordtief von 2007 in der Szene der hartgesottenen Skeptiker trotzdem als „Sieg“ gefeiert wird, hängt vermutlich mit den pessimistischen Prognosen von Experten zusammen. So berichtete Andrew Revkin (Umweltkorrespondent der New York-Times) auf seinem Blog „Dot Earth“ im Juni 2008, dass 11 von 14 Expertenteams mindestens eine Wiederholung der Meereisausdehnung aus dem Vorjahr voraussagten:

„Fourteen research teams studying the impacts of warming on the Arctic Ocean have issued independent projections of how the sea ice will behave this summer, and 11 of them foresee an ice retreat at least as extraordinary as last year’s or even more dramatic.“

Wie wir nun wissen, blieb es bei einer Fast-Wiederholung. Eine längerfristige Sichtweise auf die Eisverhältnisse der Arktis ermöglicht unter anderem eine Arbeit von T. Vinje. Dieser veröffentlichte 2001 im „Journal of Climate“ eine Studie mit dem Titel „Anomalies and Trends of Sea-Ice Extent and Atmospheric Circulation in the Nordic Seas during the Period 1864–1998„. Die Untersuchung behandelte zwar nur die Eismassen der Nordic Seas, liess aber sehr gut erkennen, dass der Negativ-Trend schon mehr als 100 Jahre andauert:

Eine solche längerfristige Betrachtungsweise reduziert natürlich nicht die Brisanz der Eisminima der letzten Jahre, kann aber zu einem ausgewogereren Überblick verhelfen und den Glauben schwächen, die Schmelze seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen sei ein neuartiges Phänomen.

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Veröffentlicht in Arktis. 1 Comment »

Eine Antwort to “Schmelzsaison ist vorbei”

  1. Maik Says:

    Interressanter Blog. Kommt in meinen Blogroll…

    Es ist ja normal, dass die Arktis schmilzt, weil wir uns Erdgeschichtlich in einer Warmzeit befinden. Sie schmilzt bloß zu schnell…


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