Hurrikane in der Fachliteratur

Es ist schon einige Zeit her, als Stefan Rahmstorf im Blog KlimaLounge zwei Beiträge zum Zusammenhang von Klimaerwärmung und Hurrikanaktivität verfasste. Die Beiträge erfreuten sich hoher Beliebtheit und wurden oft kommentiert.

In den Kommentaren wurde teilweise auch auf Climate Review verlinkt, was mich freut, da es zeigt, dass dieser Blog in die Klimadebatte miteinbezogen wird.

Obwohl der Titel dieses Beitrags von Stefan Rahmstorfs Titelgebung (Hurikane in der Morgenpost) inspiriert ist, beschäftige ich mich nicht im Detail mit den Ausführungen auf KlimaLounge. Vielmehr sollen einfach mal wieder zwei aktuelle Studien zum Thema Hurrikan vorgestellt werden.

1. Am 19. September 2008 erschien im Magazin „Geophysical Research Letters“ eine interessante Arbeit mit dem Namen „United States and Caribbean tropical cyclone activity related to the solar cycle„. Die Autoren Elsner & Jagger vom Department of Geography der Florida State University meinen einen Link zwischen solarer Aktivität und der Hurrikanfrequenz gefunden zu haben. Diesen schildern Elsner & Jagger wie folgt:

„An active sun warms the lower stratosphere and upper troposphere through ozone absorption of additional ultraviolet (UV) radiation. Since the dissipation of the hurricane’s energy occurs through ocean mixing and atmospheric transport, tropical cyclones can act to amplify the effect of relatively small changes in the sun’s output […].“

Ein interessanter Ansatz, der sehr plausibel klingt und uns mal wieder vor Augen führt, von wie vielen Faktoren die Hurrikanbildung beeinflusst werden kann. Sollte sich dieser Ansatz weiter bestätigen, dürfte sich die Hurrikanmodellierung nicht gerade vereinfachen.

2. Im „Journal of Geophysical Research“ befindet sich derzeit ein interessantes Paper „in press“. Chylek und Lesins beschäftigten sich mit der Hurrikanaktivität der Periode 1851-2007. Da die Arbeit erst veröffentlicht wird, lässt sich die Studie (beziehungsweise der Abstract) auf den sonst üblichen Kanälen der AGU-Journals noch nicht finden. Auf Climate Science [hier] ist der Abstract einzusehen, auf Prometheus [hier] sind einige Auszüge der Konklusion.

Wie schon frühere Arbeiten zeigten, verschwindet ein beachtlicher Anteil der „gestiegenen Aktivität“, wenn die Aufzeichungen um den Undercount früherer Jahre korrigiert werden:

„The linearly increasing background is significantly reduced or removed when various corrections were applied for hurricane under-counting in the early portion of the record.“

Die wohl brisanteste Erkenntnis dürfte aber sein, dass die Jahre 1980-2007, verglichen mit der Periode 1953-1980, nicht mehr „major hurricans“ verzeichneten. Chylek und Lesins schrieben:

„Comparing the last 28 years (1980-2007) with the preceding 28 years (1953-1980) we find a modest increase in the number of minor hurricanes (category 1 and 2), however, we find no increase in the number of major hurricanes (category 3-5).“

Zudem fanden die beiden Wissenschaftler Chylek & Lesins einen 60-Jahre-Zyklus in der Hurrikanaktivität – Ähnliches zeigten schon Keim et al. (2007), allerdings bezog sich diese Arbeit nur auf die küstenerreichenden Hurrikans. Wenn sich das zyklische Verhalten nicht verändert, rechnen Chylek und Lesins mit einer konstant hohen Aktivität für die nächsten Jahre und einem Abwärtstrend nach 2010:

„If the cyclic nature of hurricane activity persists, we can expect additional active seasons for the next few years with a decreasing trend taking over a few years after 2010.“

Bleibt die Frage, ob Stefan Rahmstorf über diese Studien auch einen Beitrag verfasst. Vermutlich nicht. Climate Review bloggte im Gegenzug nicht zu Elsner et al., für einen gesunden Ausgleich ist also mittlerweile auch in der deutschen Blogosphäre gesorgt.

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