Ozonloch

Auch wenn ich die ganze Debatte rund um das Ozonloch bei Weitem nicht so gut verfolgt habe wie die Diskussion um die Klimaerwärmung, so kam mir in den letzten Tag doch relativ oft eine Pressemitteilung vor die Augen.

Der Kommentar von mundus1 hat mir dies wieder in Erinnerung gerufen und gezeigt, dass dies auch anderen Interessierten so ging.

Wie wir alle wissen, galten Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) als die „Ozon-Killer“ schlechthin. Die von Menschen in vielen Bereichen angewandten FCKW trugen zum Abbau der Ozonschicht in der Stratosphäre bei, beziehungsweise initiieren diesen überhaupt erst. Durch das Montreal-Protokoll schien das Problem gelöst: Man konnte sich genügend schnell und vor allem global auf einen radikalen Verzicht von FCKW einigen.

Bald erschienen erste Berichte, nach denen der globale Effort belohnt zu werden schien. Zahlreiche Artikel vermeldeten: Neue Hoffnung – Ozonloch schrumpft um 20%. Diese „neue Hoffung“ sollte nicht allzu lang währen, zeigten doch neue Untersuchungen, dass das „Ozonloch wächst„. Solche Schwankungen sind aber nicht untypisch und langfristig (ungefähr bis 2070), so der von Focus zitierte Mayer-Arnek (vom Weltdatenzentrum für Atmosphärenfernerkundung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt), werde das Ozonloch fast verschwunden sein.

Diese Woche machte dann eine Pressemitteilung der University of Waterloo die vielerorts angenommene Monokausalität zunichte. Qing-Bin Lu (Professor für Physik und Astronomie) will eine starke Korrelation von kosmischer Strahlung und der Grösse des Ozonlochs entdeckt haben. Die Idee an sich ist nicht neu, bereits 2001 erschien auf der Seite des Physical Review Letters ein Artikel über diese Vermutung.

Ob dahinter eine ähnliche Gruppe hartgesottener Forscher stehen wie in Teilbereichen der Klimaerwärmung, oder ob sich da tatsächlich ein Paradigmenwechsel anbahnt, kann ich mit der kurzen Recherchezeit ehrlich gesagt nicht beurteilen. Für Korrekturen oder sonstiges Input steht schlussendlich ja aber die Kommentarfunktion zur Verfügung.

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Veröffentlicht in Sonne & Magnetfeld. 3 Comments »

3 Antworten to “Ozonloch”

  1. mundus1 Says:

    Dass die Bedeutung von FCKW als „Ozonkiller“ möglicherweise überschätzt wird, darauf wies bereits vor einem Jahr der Atmosphärenphysiker Markus Rex vom Potsdamer Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung hin.
    Rex, ein international renommierter Ozonloch-Experte, der bereits seit gut 15 Jahren auf diesem Gebiet forscht, war 2007 auf neues Datenmaterial des „Jet Propulsion Laboratory“ der NASA gestoßen. Bei der Analyse der sehr genauen Messdaten stellte er fest, dass diese nicht in Einklang mit den seit vielen Jahren gängigen Ozonverlust-Modellen zu bringen waren, bei denen FCKW der entscheidende Einflussfaktor war. Entweder mussten also die Messungen falsch gewesen sein (was nicht anzunehmen ist), oder es gibt einen bisher noch nicht bekannten Mechanismus, der wesentlich (über 60 Prozent) zum Ozonverlust beiträgt.
    Vielleicht ist ja die kosmische Strahlung der noch fehlende Baustein, um das Phänomen des Ozonverlusts hinreichend zu erklären. Das könnten jedenfalls die in diesem Thread erwähnten neuen Annahmen von Lu (2008) nahelegen. Noch handelt es sich dabei aber nur um eine reine Hypothese, die erst einmal ausgiebig geprüft und durch entsprechende Forschungsergebnisse untermauert werden muss.
    Die hohe Wahrscheinlichkeit, dass FCKW doch nicht der entscheidende Treiber bei der Entstehung des Ozonlochs ist, hat in der einschlägigen Wissenschaftsszene jedenfalls für erhebliches Aufsehen gesorgt. In der Berichterstattung der Massenmedien haben die neuen Erkenntnisse bislang aber so gut wie keinen Niederschlag gefunden – aus welchen Gründen auch immer.
    Für diejenigen, die sich für das Thema interessieren und sich dazu eine eigene Meinung bilden wollen, hier einige weiterführende Links:
    Ein „Abstract“, das die Messergebnisse und Schlussfolgerungen des NASA-Labors zusammenfasst (Pope et al., 2007), ist hier zu finden:
    http://pubs.acs.org/cgi-bin/abstract.cgi/jpcafh/2007/111/i20/abs/jp067660w.html
    Wer ausreichend Fachwissen mitbringt und tiefer in dieses komplexe Thema einsteigen möchte, sollte sich vielleicht auch einmal die folgende Präsentation (Rex et al., 2007: Is a major fraction of polar ozone loss due to a currently unknown mechanism?) ansehen:
    http://www.iup.uni-bremen.de/sciamachy/sparc/downloads/rexnatlsparc2007.pdf
    Fachfremde Laien (zu denen auch ich mich zählen würde) finden unter den beiden folgenden Links allgemeinverständlichere Informationen zum Thema:
    http://www.junkscience.com/sep07/Chemists_poke_holes_in_ozone_theory.htm
    http://debatte.welt.de/kolumnen/14/maxeiner+und+miersch/41663/was+macht+eigentlich+das+ozonloch
    Der bisherige Stand der Ozonloch-Forschung (vor 2007) wird hier recht verständlich dargestellt:
    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/spezial/dossiers/klimawandel/76916/index.php
    http://www.innovations-report.de/html/berichte/veranstaltungen/bericht-61630.html

  2. mundus1 Says:

    Hallo Climate Review,
    hier ist es ja leider etwas arg ruhig geworden. Vielleicht beleben ja folgende neue – und durchaus überraschende – wissenschaftliche Erkenntnisse zum Ozonloch die Debatte:
    Spiegel Online weist auf eine aktuelle Analyse hin. Im Fachblatt „Atmospheric Chemistry and Physics“ (ACP) ist folgendes Diskussionspapier zu finden: Hu et Fu (2009): „Antarctic Stratospheric Warming since 1979“. Darin stellen die beiden Autoren die Hypothese auf, dass die globale Erwärmung möglicherweise dazu führen könnte, dass sich das Ozonloch über der Antarktis schneller schließt, als bisher angenommen. Hat der anthropogene Klimawandel womöglich nicht nur katastrophale Folgen (wie uns einige Wissenschaftler und die Medien immer wieder glauben machen wollen), sondern auch sehr positive Aspekte?
    Darüber mag sich jeder, der interessiert ist, selber ein Bild machen.
    Der Spiegel-Online-Artikel ist hier nachzulesen:
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,605938,00.html
    Das Diskussionspapier lässt sich hier als pdf herunter laden:
    http://www.atmos-chem-phys-discuss.net/9/1703/2009/acpd-9-1703-2009.pdf
    Gruß, Mundus


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